Koinfektionen – Grippe und Covid-19 sind eine gefährliche Kombination
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Risiko Co-InfektionGrippe und Covid-19 sind eine gefährliche Kombination

Durch die Aufhebung der Massnahmen können Viren wieder frei kursieren. Dadurch werden Co-Infektionen wahrscheinlicher – etwa «Flurona». Forschende warnen davor.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Schottische Forschende gehen davon aus, dass mit dem Wegfall der Massnahmen gegen Sars-CoV-2 neben dem Covid-19-Auslöser auch weitere respiratorische Viren zirkulieren werden, was die Wahrscheinlichkeit von Co-Infektionen erhöhen dürfte. 

Schottische Forschende gehen davon aus, dass mit dem Wegfall der Massnahmen gegen Sars-CoV-2 neben dem Covid-19-Auslöser auch weitere respiratorische Viren zirkulieren werden, was die Wahrscheinlichkeit von Co-Infektionen erhöhen dürfte. 

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Die Studie des Teams von der Universität Edinburgh zeigt: Vor allem gleichzeitige Infektionen mit Sars-CoV-2 und dem Influenzavirus sind problematisch. 

Die Studie des Teams von der Universität Edinburgh zeigt: Vor allem gleichzeitige Infektionen mit Sars-CoV-2 und dem Influenzavirus sind problematisch. 

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«Bei Patienten mit Sars-CoV-2/Influenza-Koinfektionen war die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine Atemhilfe benötigten, mehr als viermal so hoch und die Wahrscheinlichkeit zu sterben, 2,4-mal so hoch wie bei Patienten, die nur an Covid-19 erkrankt waren», so das Team im Fachjournal «The Lancet». 

«Bei Patienten mit Sars-CoV-2/Influenza-Koinfektionen war die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine Atemhilfe benötigten, mehr als viermal so hoch und die Wahrscheinlichkeit zu sterben, 2,4-mal so hoch wie bei Patienten, die nur an Covid-19 erkrankt waren», so das Team im Fachjournal «The Lancet». 

20min/Jacqueline Straub

Darum gehts

  • Eine gleichzeitige Infektion mit Sars-CoV-2 und Influenzaviren ist gefährlicher als eine einfache Covid-19-Infektion.

  • Zu diesem Schluss kommen Forschende aus Schottland im Fachjournal «The Lancet». 

  • Betroffene haben ein deutlich erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf und ein höheres Sterberisiko.

  • Die Autoren empfehlen deshalb, sich gegen beide Krankheiten impfen zu lassen.

Eine Infektion aufs Mal ist mehr als genug. Das gilt auch für Corona und Grippe. Denn wer sich gleichzeitig mit Sars-CoV-2 und Influenzaviren infiziert, hat ein deutlich höheres Risiko für schwere Verläufe und zu sterben. Davon berichten Forschende um Kenneth Baillie von der Universität Edinburgh im Fachjournal «The Lancet».

In der Studie war das Team der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen Co-Ansteckungen von Covid-19 und einer weiteren viralen Infektion haben. «Da in vielen Ländern der Einsatz der Massnahmen zurückgeht, gehen wir davon aus, dass Sars-CoV-2 mit anderen Atemwegsviren zirkulieren wird, was die Wahrscheinlichkeit von Co-Infektionen erhöht», so die Medizinerinnen und Mediziner. Seit Beginn der Pandemie gab es immer mal wieder Fälle von «Flurona».

Deutliches Ergebnis

Die Gruppe um Baillie untersuchte die Daten von Erwachsenen, die zwischen dem 6. Februar 2020 und dem 8. Dezember 2021 in Grossbritannien mit Covid-19 ins Spital eingeliefert worden waren. Von den insgesamt 6965 Covid-19-Patientinnen und Patienten waren 583 Personen co-infiziert: 227 Patienten hatten Influenzaviren, 220 Patienten Respiratorische Synzytialviren und 136 Patienten Adenoviren (siehe Box).

Dafür sind die Viren bekannt

Adenoviren lösen eine Vielzahl von Erkrankungen aus: Erkrankungen der Atemwege, des Magen-Darm-Traktes oder der Augenbindehaut und Hornhaut. Die Viren sind hochansteckend und widerstandsfähig.

Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist weltweit verbreitet und verantwortlich für akute Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege. Es ist einer der bedeutendsten Erreger von Atemwegsinfektionen bei Babys, insbesondere Frühgeborenen und Kleinkindern. In Saisonalität und Symptomatik ähneln RSV-Infektionen der Influenza.

Erreger der Influenza (oder Grippe) sind Orthomyxoviren, die in die Typen A, B und C unterteilt werden. Für den Menschen sind die saisonal auftretenden Influenza A- und B-Viren besonders relevant.

Als besonders gefährlich entpuppte sich eine Co-Infektion mit Influenzaviren, so Mitautorin Maaike Swets in einer Mitteilung. Betroffene haben ein «deutlich grösseres Risiko, invasiv mechanisch beatmet zu werden, verglichen mit einer Sars-CoV-2-Monoinfektion.» Auch das Sterberisiko ist höher: Konkret war die Zahl derer, die eine Atemhilfe benötigten, bei gleichzeitig mit Covid-19 und Grippe Infizierten mehr als viermal so hoch und die Wahrscheinlichkeit zu sterben, 2,4-mal so hoch wie bei Patienten, die nur an Covid-19 erkrankt waren.

Forscher raten zu Covid-19- und Grippeimpfung

Die Forschenden gehen davon aus, dass vor allem Covid-19 und Grippe zeitgleich zirkulieren werden, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit von diesen Co-Infektionen erhöht. «Deshalb sollten wir unsere Teststrategie für Covid-19-Patienten im Spital ändern und viel häufiger auf Grippe testen», so Baillie in der Mitteilung.

Der Lungenspezialist Peter Openshaw vom Imperial College London, der nicht an der Studie beteiligt war, spricht sich gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters für die Impfung gegen beide Erkrankungen aus: «Die Impfstoffe gegen Covid-19 und Grippe schützen unterschiedlich.» Für ihn steht fest: «Die Menschen brauchen beide.» Diese können zeitgleich verabreicht werden, wie Christoph Berger, Leiter der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF), im Sommer 2021 gegenüber 20 Minuten erklärt hat. Angst vor Wechselwirkungen der Vakzine seien unbegründet.

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