Grippeimpftag: Grossandrang ausgeblieben

Aktualisiert

Grippeimpftag: Grossandrang ausgeblieben

Der erwartete Ansturm am nationalen Grippeimpftag ist ausgeblieben. Viele Risikopatienten hatten sich bereits in den vergangenen Tagen impfen lassen.

Insgesamt liessen sich dieses Jahr indes viel mehr Personen impfen als in den Vorjahren.

Das Ziel sei dieses Jahr erreicht, sagte Ueli Grüninger, Geschäftsführer des Kollegiums für Hausarztmedizin (KHM), am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Die Senioren, die chronisch Kranken und das Pflegepersonal seien - anders als in anderen Jahren - der Impfempfehlung mehrheitlich gefolgt.

Impfwillige Gesunde abgewiesen

Am zweiten nationalen Grippeimpftag vom Freitag konnte man sich in vielen Schweizer Arztpraxen ohne Voranmeldung impfen lassen. Wer allerdings nicht einer Risikogruppe angehört, wurde abgewiesen oder in eine Warteliste eingetragen. Die Behörden hatten befürchtet, dass wegen der grossen Nachfrage die vorhandenen 1,26 Millionen Dosen Impfstoff für die Risikogruppen nicht ausreichen könnten.

Die Bevölkerung sei sich dessen offenbar bewusst gewesen, sagte Grüninger. Bei den meisten, die sich in den Arztpraxen gemeldet hätten, habe es sich um Risikopatienten gehandelt. Der umstrittene Entscheid, den Impftag trotz der Impfstoffknappheit durchzuführen, sei richtig gewesen.

Manche Ärzte beteiligten sich nicht an der Impfaktion - wegen des befürchteten Ansturms oder weil ihnen der Impfstoff bereits ausgegangen war. Die Bieler Notfallärzte hatten befürchtet, dass auf eine Praxis 200 bis 300 Impfwillige kommen würden, wie der Arzt Franz Koller gegenüber dem Westschweizer Radio RSR erklärte. Sie boten deshalb keine Impfungen ohne Voranmeldung an.

Kein Schutz gegen Vogelgrippe

Auslöser der diesjährigen grossen Nachfrage nach einem Grippeschutz war die Angst vor der Vogelgrippe. Das KHM, welches den Grippetag organisiert hatte, wies darauf hin, dass der angebotene Impfstoff nur gegen die Saisongrippe schützt und bei einem Übergreifen der Vogelgrippe auf die Menschnen nicht wirkt.

Auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) warnte im Vorfeld des Impftages vor dem Irrglauben, die konventionelle Grippeimpfung schütze vor der Tierseuche Vogelgrippe. Der Impfstoff für die Grippesaison 2005/2006 enthalte drei Virusstämme. Nicht dabei sei der Stamm, der gegenwärtig Geflügelbestände befalle.

Die konventionelle Grippeimpfung werde in Regionen, wo die Vogelgrippe vorkomme, nur zur Eindämmung des «geringen» Risikos einer zeitlichen Ko-Infektion empfohlen. Damit soll verhindert werden, dass sich das Vogelgrippevirus mit einem humanen Grippevirus «rekombiniere».

An der Grippe erkranken jährlich in der Schweiz 100 000 bis 300 000 Personen. Zwischen 1000 und 5000 müssen hospitalisiert werden. Je nach Intensität der Epidemie sterben jährlich zwischen 400 und 1000 Personen an den Folgen einer Gripperkrankung.

(sda)

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