Aktualisiert 27.08.2012 14:39

Beim FotografierenGrizzly zerfleischt Backpacker

Ein unvorsichtiger Amerikaner ist in Alaska von einem Bären angefallen und getötet worden. Die Ranger kamen dem Tier durch eine Kamera auf die Spur: Der Tourist war dem Raubtier viel zu nahe gekommen.

von
phi

Als die Wanderer im Denali Nationalpark in Alaska in der Wildnis einen blutigen Rucksack fanden, war ihnen klar, dass etwas Furchtbares passiert ist. Erst Recht, als sie knapp fünf Kilometer abseits der nächsten Strasse auch auf zerrissene Kleidung stiessen. Alarmiert verliessen die Leute den Park und meldeten am 24. August um 17.30 Uhr ihren Fund.

Digitalkamera als Zeuge

Park Ranger starteten um 20 Uhr eine Suchaktion mit einem Helikopter und einem Flugzeug. Nach nur 30 Minuten fanden sie den «Tatort», an dem ein Grizzly scheinbar am selben Tag einen Rucksack-Touristen angefallen und getötet hatte. Das Opfer konnte dank eines Portemonnaies schnell identifiziert werden: Es handelte sich um den 49-jährigen Richard White aus San Diego, der seit drei Tagen durch den Nationalpark gereist war.

«Es scheint, als wäre der Wanderer auf einem Kiesbett den Toklat-Fluss heruntergelaufen. Er traf den Bären an einer Flussbiegung», sagte der Park-Aufseher Paul Anderson der Zeitung «Alaska Dispatch». «Anstatt den Bären zu umgehen und 400 Meter Abstand zu halten, näherte er sich ihm bis auf 45 Meter.» Woher die Behörden das wissen? Sie fanden Whites Digitalkamera, die zeigt, dass das Opfer den «Täter» acht Minuten lang problemlos ablichtete.

Die Bärenretter

Erst friedlich, dann tödlich

Die Attacke selbst ist auf den Fotos allerdings nicht zu sehen. «Der Bär hat gegrast. Er war in keiner Weise aggressiv», so Anderson über die Bilder. In der Gegend des Toklat-Flusses leben laut dem Experten zwölf Bären. Das Tier, das an dem Seitenarm des Kantishna-Flusses getötet hat, sei ein grosses Männchen gewesen. Im gesamten Nationalpark, der knapp 25 000 Quadratkilometer gross ist, leben 350 Exemplare.

Obwohl Richard White vor dem Betreten des Parks über die Regeln aufgeklärt wurde und obwohl er weder eine Waffe noch Pfefferspray dabei hatte, hat der Grizzly mit dem Angriff auf den Menschen das eigene Todesurteil unterschrieben. «Wir schiessen in Denali normalerweise keine Bären», betonte Anderson: Seit 20 Jahren habe man keines der Tiere erlegt, doch dieses sei besonders gefährlich. Den Verdächtigen hatten die Wildhüter schon bei der Suchaktion ausgemacht: Am Folgetag ging es Meister Petz an den Fellkragen.

Todesschuss aus dem Helikopter

Nachdem am Morgen erst mehrere Wanderer evakuiert worden waren, erreichten Jäger um 14.30 Uhr den Tatort. Der Grizzly hatte sich nur 140 Meter entfernt und die Teile seiner Beute vergraben, die er nicht sofort verspeist hat. Die Wildhüter nahmen den Bewacher von einem Helikopter aus ins Visier und erschossen ihn. Nach einer Leichenschau des Kadavers war klar, dass der erlegte Bär derjenige war, der White zerrissen hat.

Die Tiere greifen Menschen nur sehr selten an. Das letzte tödliche Aufeinandertreffen in Alaska gab es 2005, als ein Paar aus Anchorage in einem anderen Nationalpark ums Leben kam. Normalerweise geht Meister Petz nur zum Angriff über, wenn er erschreckt wird. Nur in Ausnahmefällen sieht er den Menschen als Beute an. Zu Richard Whites Unglück traf er genau auf eine jener Ausnahmen.

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