Aktualisiert 08.03.2013 10:07

WahlkampfGrönland hofft auf den Klimawandel

In Grönland wird gewählt. Und die Stimmberechtigten unter den 56'000 Einwohnern der riesigen Polarinsel kennen im Moment nur ein Thema. Wie kann wärmeres Klima uns helfen?

Grönland bekommt den Klimawandel zu spüren.

Grönland bekommt den Klimawandel zu spüren.

Das grosse Wahlkampfthema auf Grönland klingt bizarr: Wie umgehen mit der Aussicht auf mehr Wohlstand und staatliche Unabhängigkeit dank des Klimawandels?

Die Stimmberechtigten unter den 56'000 Einwohnern der riesigen Polarinsel entscheiden am kommenden Dienstag über das neue Parlament in Nuuk. Sie stellen dabei auch die Weichen für den Umgang mit Grönlands gigantischen Bodenschätzen, deren Ausbeutung wegen des Abschmelzens des Eises immer näher rückt.

Kuupik Kleist, seit vier Jahren Regierungschef seiner teilautonom zu Dänemark gehörenden Heimat, hat den Weg freigemacht für den «Import» tausender Billigarbeitskräfte aus China für ein Erzbergwerk 175 km nördlich von Nuuk. «Die werden so weit ab von unseren eigenen Siedlungen leben müssen, dass sie kaum mit ihnen in Berührung kommen können», beruhigte der 54-jährige Kleist in Kopenhagen bange Frager.

Der Linkssozialist kam 2009 bei einer Protestwahl gegen die alte Politikergarde auf Grönland, die als korrupt verrufen war, an die Spitze. Jetzt kann der ehemalige Sängerpoet («Grönlands Leonard Cohen») mit einem ähnlich starken Ergebnis wie den zuletzt 43 Prozent für seine Partei Inuit Ataqatigiit rechnen.

Angewiesen auf Geld aus Kopenhagen

Mit seiner Person verbinden inzwischen viele Grönländer die Hoffnung auf die endgültige Loslösung von der alten Kolonialmacht Dänemark.

Aber noch sind alles nur Hoffnungen. «Es gibt bisher keinen einzigen Investor», sagte Gram Hossie von der mit chinesischem Kapital operierenden Gesellschaft London Mining der Nachrichtenagentur Ritzau. Knapp zwei Milliarden Euro muss London Mining auftreiben. Gelingt das, sollen 3000 Arbeiter aus China in der Arktiswüste schuften.

Aus Kopenhagen kommen fast täglich mahnende Stimmen, die Grönlander als Nationenwinzling würden sich von den Chinesen überrollen lassen. Auf der Insel unter dem Nordpol kommt das teils als Ausdruck altkolonialer Arroganz an. Vor allem aber als schlecht kaschierter Versuch, einen möglichst grossen Teil des möglichen Reibachs auf Grönland in dänische Taschen zu lenken.

Noch allerdings steuert Kopenhagen pro Jahr 3,2 Milliarden Kronen (knapp 530 Millionen Franken) zum Budget bei. «So wie es jetzt ist, könnten wir ohne dieses Geld unseren Lebensstandard bei weitem nicht halten», gibt auch Kuupik Kleist unumwunden zu.

Volle staatliche Souveränität

Grönlands Autonomie wurde 2009 von der «Hjemmestyre» (Heimatverwaltung) zur «Selvstyre» (Selbstverwaltung) erweitert. Mit ihr wird auch das Recht der Grönlander auf volle staatliche Souveränität garantiert. Kopenhagen bestimmt noch über die Aussen-, Sicherheits- und Geldpolitik.

Dänemark verzichtet auch auf Ansprüche auf noch nicht erschlossene Bodenschätze. Sollten diese Einnahmen in Grönlands Staatskasse bringen, sinken die Zuschüsse aus Dänemark.

Der Klimawandel mit höheren Temperaturen sorgt dafür, das immer mehr Gebiete länger eisfrei sind. Das erleichtert Erkundung und Abbau von Rohstoffen. In Grönland werden reiche Lagerstätten an Seltenen Erden, Erdöl, Erdgas und anderen Bodenschätzen erschlossen oder ausgebeutet.

Das Parlament in Nuuk wird alle vier Jahre gewählt. Zwei Abgeordnete vertreten die frühere Kolonie im dänischen Parlament. (sda)

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