Die neue Air Force One: Grösser, sauberer und sicher sowieso
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Die neue Air Force OneGrösser, sauberer und sicher sowieso

Amerikas betagter Präsidentenjet wird ersetzt. Die neue Boeing 747-8 ist dem alten Jumbo in vielem überlegen. Antworten auf sieben Fragen.

von
sut

Wenn US-Präsident Barack Obama gegen Ende seiner Amtszeit doch noch wehmütig wird, dann vor allem wegen der Air Force One. Auf die Frage, was das Reizvollste am Job des Präsidenten sei, antwortete er im Oktober ohne zu zögern: «Das Flugzeug.»

Nun wird der umgebaute Boeing-747-Jumbojet, der in doppelter Ausführung für den mächtigsten Mann der Welt ständig bereitsteht, durch neuere Modelle ersetzt. Die US Air Force hat mit Boeing einen Vertrag über 25,8 Millionen Dollar ausgehandelt, damit der Hersteller die Flugzeuge entwerfen kann. Hier Antworten auf sieben Fragen.

Warum der Name Air Force One?

Air Force One ist nicht der Name des 747-Jumbos, sondern ein Radarkennzeichen für jedes Flugzeug, worin ein amerikanischer Präsident fliegt. Die blauweissen Jumbos von Boeing haben die militärische Typenbezeichnung VC-25A und basieren auf dem zivilen 747-200B, der zum ersten Mal 1971 in die Lüfte stieg.

Weshalb müssen die Flugzeuge ersetzt werden?

Die Jumbos wurden von Präsident Ronald Reagan in Auftrag gegeben und von seinem Nachfolger George H. W. Bush ab 1990 benutzt. Die Flugzeuge nähern sich ihrem maximalen Dienstalter von 30 Jahren. Da sie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr hergestellt werden, ist ihre Wartung schwierig. Bereits mussten Ersatzteile auf einem Flugzeugfriedhof in der Wüste von Arizona gesucht werden.

Warum wird wieder eine Boeing 747 verwendet?

Die Air Force hätte auch das von der Swiss gewählte Modell 777 zu einer Präsidentenmaschine umbauen können. Doch sie bestand auf einen Jet mit vier Triebwerken, einerseits aus Sicherheitsgründen, anderseits weil diese mehr Strom für die vielen elektronischen Einrichtungen liefern. Als viermotorige Alternative wäre einzig der doppelstöckige Airbus A-380 in Frage gekommen. Doch man wollte ein amerikanisches Flugzeug.

Wie unterscheidet sich die neue von der alten Boeing 747?

Die Boeing 747-8 hat eine um 1800 Kilometer grössere Reichweite als die 747-200. Sie fliegt 14'300 Kilometer weit und ist mit 448 Tonnen rund 70 Tonnen schwerer. Ihre Flügelspannweite ist grösser, ebenso ihre Länge von 76 Metern. Dennoch stösst sie laut Boeing pro Flug 16 Tonnen weniger Kohlendioxid aus als das Vorgängermodell.

Welche Besonderheiten haben die Präsidentenmaschinen?

Wichtig ist die Möglichkeit, in der Luft betankt zu werden. Damit können die Air-Force-One-Maschinen praktisch unbeschränkt lange in der Luft bleiben, was im Fall eines Krieges wichtig sein könnte. Aus demselben Grund sind die Maschinen gegen die starken elektromagnetischen Impulse geschützt, die Atombomben auslösen können. Sie verfügen auch über Einrichtungen zur Abwehr feindlicher Lenkwaffen. Zudem kann der Präsident vom Flugzeug aus sicher kommunizieren, so als sei er in einer Kommandozentrale am – oder unter dem – Boden.

Welchen Komfort bietet die Air Force One?

Die Spezifikationen der Nachfolgemodelle stehen noch nicht fest. Die jetzigen Maschinen haben einen Konferenz- und Esssaal, Büros für den Präsidenten und seinen Stab, die präsidialen Privatquartiere, Sitz- und Arbeitsbereiche für die Presse und andere Fluggäste. In zwei Küchen können bis zu 100 Mahlzeiten gekocht werden, wobei Esswaren in einem zimmergrossen Kühlschrank mitgeführt werden. Ein Büro lässt sich auch als voll ausgerüsteter, medizinischer Operationssaal einsetzen.

Wie teuer wird das Flugzeugpaar?

Der Anfangskredit deckt nur einen Teil der Planung. Bis die neuen Maschinen frühestens 2019 ans Weisse Haus übergeben werden, rechnet die Air Force mit Kosten von 1,65 Milliarden Dollar.

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