Aktualisiert 05.07.2012 10:53

Planetarer Super-GAUGrösster Meteoritenkrater der Welt entdeckt

Es geschah vor 3001 Millionen Jahren: Ein Meteorit mit 30 Kilometer Durchmesser prallt bei Grönland auf die Erde. Er ist doppelt so gross wie der bislang grösste Himmelsstein, haben Forscher herausgefunden.

von
phi
Heute erinnert in dem Gebiet, wo der Meteorit heruntergekommen sein soll, nichts mehr an den Einschlag vor drei Milliarden Jahren: Der Krater ist schon lange abgetragen worden (Bild: University of Cardiff).

Heute erinnert in dem Gebiet, wo der Meteorit heruntergekommen sein soll, nichts mehr an den Einschlag vor drei Milliarden Jahren: Der Krater ist schon lange abgetragen worden (Bild: University of Cardiff).

Der bis dato grösste bekannte Meteoritenkrater der Erde liegt in Südafrika. Vor zwei Milliarden Jahren schlug dort ein 15 Kilometer langer Felsbrocken auf und formte den Vredefort-Krater, der einen Durchmesser von 300 Kilometern hat. Die Chancen, jemals ältere Einschlaglöcher zu finden, standen eigentlich schlecht: Erosion, Plattentektonik und Erdbeben haben etwaige Krater längst abgetragen, dachten die Fachleute.

Umso sensationeller sind die Ergebnisse, die eine Gruppe von Wissenschaftlern um den Dänen Adam Garde jetzt in der Fachzeitschrift «Earth and Planetary Science Letters» präsentieren: Die Forscher haben in Grönland einen Krater entdeckt, der nicht nur der bisher grösste, sondern auch der älteste ist. «Diese Entdeckung allein bedeutet, dass wir die Folgen von Einschlägen auf der Erde fast eine Milliarde Jahre weiter zurückverfolgen können als bisher», freute sich Dr. Iain McDonald von der Fakultät für Erd- und Meereswissenschaften der Universität Cardiff.

Nickel und Platin im ewigen Eis

Demnach traf vor 3001 Millionen Jahren (+/- 2 Millionen Jahre) ein Meteorit unseren Planeten, der doppelt so gross und zehn Mal massiver war als der Brocken, der den Vredefort-Krater verursacht hat. Auf dem Mond hätte dieser Stein ein Loch von 1000 Kilometer Durchmesser verursacht, doch auf der Erde waren es wegen höherer Gravitation «nur» 500 bis 600 Kilometer. Der Schaden war damals enorm: Ein Staat von der Grösse Deutschlands wäre pulverisiert und alles höhere Leben ausgelöscht worden. Diverse Tsunamis müssen die Küsten verwüstet und Staub und Asche das Klima verändert haben.

Nur gut, dass damals bloss Bakterien auf unserem Planeten hausten: Höheres Leben entwickelte sich erst 2,5 Milliarden Jahre später. Bleibt die Frage: Wie sind die Wissenschaftler dem Einschlag eigentlich auf die Schliche gekommen?

Grönland beschäftigte Adam Garde schon, seit er sich in seiner Doktorarbeit 1997 mit den dortigen Rohstoffvorkommen und der lokalen Geologie auseinandergesetzt hat. Der Angestellte der Geologischen Forschungsanstalt für Dänemark und Grönland in Kopenhagen hatte Nickel und Platin im ewigen Eis entdeckt, konnte deren Herkunft aber nie erklären.

«Bergbauindustrie wesentlich aufgeschlossener»

Die Idee mit dem Meteoriten kam Garde im September 2009, doch sie schien ihm so radikal, dass er erst weitere Nachforschungen anstellen wollte. Zusammen mit Kollegen des Institut für planetare Wissenschaften in Moskau sowie der Universitäten von Cardiff in Wales und Lund in Schweden untersuchte er 2010 in 2011 Grönland per Helikopter und Schiff. «Der Prozess war wie bei den Geschichten von Sherlock Holmes», sagte Dr. McDonald, «wir haben alle Unmöglichkeiten wie konventionelle landschaftsformenden Prozesse ausgeschlossen und was als einzige Erklärung für alle Fakten übrig blieb, war ein gigantischer Einschlag.»

Es dauerte jedoch, bis auch die Fachwelt an den Meteoriteneinschlag glaubte. Die ersten Gelder bekamen die Experten von der «Carlsberg»-Stiftung. «Wir haben fast drei Jahre gebraucht, um unsere Kollegen in der wissenschaftlichen Gemeinschaft davon zu überzeugen», so Dr. McDonald. «Die Bergbauindustrie war da wesentlich aufgeschlossener. Ein kanadisches Explorationsunternehmen nutzt das Einschlagsmodell seit 2011 zur Erforschung der Nickel- und Platinvorkommen bei der Küstenstadt Maniitsoq.»

Rohstoffe in der Nähe der Krater gefunden

Vor Ort konnte das Team um Adam Garde dann belegen, dass die Steine an der Oberfläche einst in 25 Kilometer Tiefe gelegen haben: Sie wurden beim Aufprall nach oben geschleudert.

Bisher sind rund 180 Meteoritenkrater auf der Erde bekannt: Bei etwa einem Drittel von ihnen sind Mineralien, Öl oder Gas gefunden worden. Nach dem Grönland- und dem Vredefort-Krater liegt das drittgrösste Meteoritenloch in Kanada. Der Sudbury-Krater ist etwa 1,85 Milliarden Jahre alt.

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