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Mysteriöser Fall BürenGrosi aus 1,5 km Entfernung angeschossen

Keiner will etwas gesehen haben, nur wenige haben den Schuss gehört: Aber im Bauch von Klara K.* steckte eine Kugel. Die 69-Jährige wurde in ihrem Garten angeschossen. Erste Untersuchungen zeigen: Es könnte ein verirrter Schuss sein. Doch der Absender schweigt.

von
Katharina Bracher

Über eine Woche ist es her, als Klara K.* am frühen Sonntagmorgen am Ehebett stand und ihrem Mann verwundert die Schusswunde an ihrem Bauch zeigte (20 Minuten Online berichtete). Ein Unbekannter hatte die 69-jährige Hausfrau beim Traubenlesen in ihrem Garten angeschossen, als die meisten Einwohner in Büren NW noch im Bett lagen.

Ehemann Josef war sofort hellwach und alarmierte Polizei und Sanität. Für ihn war von Anfang an klar: «Das muss ein Unfall gewesen sein», wie er gegenüber dem Regional-Portal zisch.ch sagte. Er konnte nicht glauben, dass jemand absichtlich auf seine Klara, die keine Feinde gehabt haben soll, schiessen würde. Wer wäre im beschaulichen Büren zu so einer hinterlistigen Tat fähig?

Untersuchungsergebnis: Geschossen wurde aus weiter Distanz

Genau dieser Frage gingen die Untersuchungsbehörden des Kantons Nidwalden in den letzten Tagen nach. Untersuchungsrichter Alexandre Vonwil schloss ein Attentat von Anfang an nicht aus. Augenzeugen gab es keine, nur einige wenige - darunter der Seelsorger der Gemeinde - hatten den Schuss gehört. Der wissenschaftliche Dienst der Stadtpolizei Zürich wurde beigezogen. Acht Tage später liegt das Untersuchungsergebnis vor.

«Anhand des identifizierten Waffentyps und des Verletzungsbildes des Opfers gehen wir davon aus, dass der Schuss aus weiter Distanz abgefeuert wurde», sagte Vonwil gegenüber 20 Minuten Online. «Denkbar ist eine Distanz bis eineinhalb Kilometer.»

Irrläufer mit unbekanntem Absender

Diese These wird laut Vonwil durch folgende zwei Erkenntnisse gestützt: Laut der Untersuchung des wissenschaftlichen Dienstes befand sich die Patrone im Sinkflug, als sie in Klaras Bauch einschlug. «Ausserdem sagte die Frau aus, dass sie zuerst den Knall hörte und erst dann den Schmerz wahrnahm», erklärt Vonwil. «Zum jetzigen Zeitpunkt ist davon auszugehen, dass es sich beim Schuss um einen Irrläufer handelte.» Aus welchem Waffentyp das Projektil im Bauch der Angeschossenen stammte, sagte Vonwil nicht.

Niemand will etwas beobachtet haben

Trotzdem gehen für die Nidwalder Untersuchungsbehörden die Ermittlungen in alle Richtungen weiter. Denn: Wenn es ein Unfall war, warum meldet sich der Urheber nicht? In der Tausend-Seelen-Gemeinde, in der jeder jeden kennt, hat offenbar niemand einen konkreten Hinweis auf die Täterschaft machen können.

Klara K. ist inzwischen wieder zu Hause in Büren und erholt sich von der Operation der Schusswunde. Gesundheitliche Schäden bleiben gemäss Untersuchungsrichter Vonwil glücklicherweise keine.

* Name der Redaktion bekannt

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