Shackletons «Endurance»: Gross angelegte Suche nach legendärem Schiff
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Shackletons «Endurance»Gross angelegte Suche nach legendärem Schiff

Mit Unterwasser-Robotern wollen Forscher das Schiff finden, dessen Untergang am Anfang einer der grössten Überlebensgeschichten aller Zeiten stand.

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jcg
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Am 5. Dezember 1914 legte Ernest Shackleton und seine Mannschaft an Bord der «Endurance» in Südgeorgien ab. Das Ziel der sogenannten Imperial Trans-Antarctic Expedition: Die erste Durchquerung der Antarktis auf dem Landweg. (Im Bild: Die «Endurance» verlässt am 1. August 1914 die Millwall Docks in London)

Am 5. Dezember 1914 legte Ernest Shackleton und seine Mannschaft an Bord der «Endurance» in Südgeorgien ab. Das Ziel der sogenannten Imperial Trans-Antarctic Expedition: Die erste Durchquerung der Antarktis auf dem Landweg. (Im Bild: Die «Endurance» verlässt am 1. August 1914 die Millwall Docks in London)

Getty Images/Topical Press Agency
Doch bereits am 18. Januar 1915, noch bevor man antarktisches Festland erreicht hatte, sass der Dreimaster völlig im Packeis fest.

Doch bereits am 18. Januar 1915, noch bevor man antarktisches Festland erreicht hatte, sass der Dreimaster völlig im Packeis fest.

Getty Images/Scott Polar Research Institute, University of Cambridge
Die Mannschaft war dazu verdammt, im auf dem driftenden Packeis zu warten. Die Zeit vertrieb man sich unter anderem mit Fussball.

Die Mannschaft war dazu verdammt, im auf dem driftenden Packeis zu warten. Die Zeit vertrieb man sich unter anderem mit Fussball.

Getty Images/Scott Polar Research Institute, University of Cambridge

Der Brite Ernest Shackleton wird in einem Atemzug mit den grossen Antarktis-Helden wie Roald Amundsen und Robert Falcon Scott genannt. Und dies, obwohl keine seiner drei Antarktisexpeditionen ihr Ziel erreichte. Auf der ersten Expedition scheiterte er beim Versuch, als Erster den Südpol zu erreichen, auf seiner dritten verlor er das Leben. Doch es war die zweite Expedition und die unglaubliche Rettung der gesamten Mannschaft nach Monaten im Eis, die ihn unsterblich machte.

Ziel der Imperial Trans-Antarctic Expedition genannten Forschungsreise war die erste Durchquerung der Antarktis. Doch das Vorhaben war wenige Monate nach Beginn der Expedition bereits zum Scheitern verurteilt. Denn im Januar 1915 wurde Shackletons robustes Holzschiff vom Packeis eingeschlossen. Die «Endurance» kam nie mehr frei und sank im November.

Suche mit autonomen Unterwasserfahrzeugen

Mehr als 100 Jahre später wollen Forscher der Universität Cambridge nun den Dreimaster auf einer 45-tägigen wissenschaftlichen Expedition finden. Das Wrack wird in einer Tiefe von etwa 3200 Metern unter dem Larsen-C-Schelfeis vermutet. Larsen C gelangte vergangenen Sommer zu einiger Berühmtheit, als ein Eisberg so gross wie der Kanton Bern davon abbrach. Die Wendell Sea Expedition 2019 dient auch dazu, dieses Gebiet erstmals im grossen Stil zu erforschen.

Die Wracksuche in den eisigen Fluten sollen mindestens zwei autonome Untersee-Roboter übernehmen. Julian Dowdeswell, der Expeditionsleiter, sagte im Gespräch mit Nbc.com: «Kameras und Sonar auf autonomen Unterwasserfahrzeugen anzubringen hat den Vorteil, dass wir nicht direkt über das Wrack fahren müssen.» Die Roboter könnten auch 100 Kilometer entfernt starten, unter die Eisdecke gelangen und ihre Forschungsaufgaben erfüllen.

Die Wissenschaftler werden auf dem südafrikanischen Eisbrecher «Agulhas II» unterwegs sein, der gleichzeitig eines der modernsten Forschungsschiffe ist. Trotzdem gibt es keine Garantie dafür, dass die Expedition ein Erfolg wird – nicht einmal, dass sie überhaupt an ihren Zielort gelangt. «Egal, welches Schiff du hast, es ist möglich, dass es nicht dort hinkommt», sagte Dowdeswell. Es komme ganz darauf an, ob es ein gutes oder ein schlechtes Eisjahr sei.

Keine Plünderung des Wracks

Sollten die Forscher tatsächlich die Überreste der «Endurance» finden, dürften sich diese in einem verhältnismässig guten Zustand befinden. Denn in dieser Gegend gibt es kaum Holz und deshalb wohl auch keine Holz zersetzenden Organismen, so die Hoffnung der Wissenschaftler.

Während das Wrack fotografiert und vermessen werden soll, haben die Forscher bereits ausgeschlossen, dass irgendwelche Gegenstände an die Oberfläche befördert werden. Das wurde mit den Eigentümern des Wracks, den Nachkommen Shackletons, so abgemacht, wie der «Daily Mirror» schrieb. Stattdessen soll das Wrack zur geschützten historischen Stätte werden.

Monatelang auf einer Eisscholle

Doch was passierte mit Shackleton und seinen Männern, nachdem die «Endurance» im November 1915 untergegangen war? Die 28 Besatzungsmitglieder richteten sich mit allem, was sie aus dem Schiff retten konnten, auf einer Eisscholle ein, da sich ein Fortkommen zu Fuss aufgrund des sich meterhoch auftürmenden Packeises als unmöglich erwies. Die Hoffnung war, dass die Eisscholle sie in die Nähe des Festlandes treiben würde. Der Name des Lagers: Patience Camp (wobei «Patience» auf Englisch «Geduld» bedeutet).

Bis im April 1916 blieben die Männer auf der Eisscholle. Dann begann diese zu zerbrechen. Die Expeditionsteilnehmer wechselten in die drei Beiboote, die sie von der «Endurance» gerettet hatten und erreichten schliesslich Elephant Island. Die abgelegene Insel wurde kaum je von Walfängern oder anderen Menschen angelaufen, weshalb Shackleton einen kühnen Entschluss fasste. Zusammen mit fünf Männern machte er sich am 24. April im Beiboot «James Caird» auf die Reise nach Südgeorgien auf, dem Ausgangspunkt der Expedition Ende 1914.

Gesamte Besatzung überlebte

Nach beinahe 1500 Kilometern auf dem offenen Meer erreichten die durchnässten und erschöpften Männer am 10. Mai Südgeorgien. Nach einem 36-stündigen Gewaltmarsch erreichte Shackleton schliesslich mit zwei Gefährten die Walfangstation Stromness. Sofort veranlasste er, dass die drei Gefährten, die bei der «James Caird» geblieben waren, abgeholt wurden. Einen Tag nach Shackletons Ankunft in Stromness waren auch sie in Sicherheit.

Die 22 Männer, die auf Elephant Island zurückgeblieben waren, mussten sich deutlich länger gedulden. Erst im dritten Anlauf gelang es Shackleton, sie am 30. August 1916 an Bord des Dampfers «Yelcho» zu holen, den er für die Rettungsaktion bei der chilenischen Regierung ausgeliehen hatte. Wie durch ein Wunder hatten alle Männer die Strapazen überstanden. Shackleton erlangte Weltruhm, trotzdem war die grosse Zeit der Polarexpeditionen 1916 bereits vorbei. Dafür hatte der Erste Weltkrieg gesorgt.

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