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Staaten-BlogGross, grösser, Texas

Im zweitgrössten US-Bundesstaat ist alles riesig – ob Essen, Festivals oder Tragödien. Der Lone Star State erlebte schon viele Showdowns.

von
Pascal Meister

Texas ist 16-mal so gross wie die Schweiz, hat aber nur knapp dreimal so viele Einwohner. Die Dimensionen im Lone Star State sind gewaltig und vereinen Wüsten, Prärien und Grossstädte. Im Norden des Staates im Südwesten der USA fühlt man sich als Reisender, als wäre man durch einen Zeittunnel gefahren. Auf der Route 66 begegnet man einmal mehr den stillen Zeitzeugen der 50er-Jahre. Verlassene Tankstellen, verrostete Oldtimer am Strassenrand, zugenagelte Boutiquen und überwachsene Eisenbahngeleise zeugen von längst vergangener Nostalgie.

McLean, eine Kleinstadt im Nirgendwo, schaut aus, als hätten die Siedler vom einen auf den anderen Tag die Flucht ergriffen, um nie mehr zurückzukommen. Die Preise an den Tanksäulen sind noch aus den 60er-Jahren und Filmplakate aus den 70ern schmücken die Säulen. Ein Motel und eine Burgerbude sind der ganze Stolz der Stadt. Und wenn die Wolken aufziehen, die Kirchenuhr zwölf schlägt und es den Staub auf den Strassen aufwirbelt, hat man sein persönliches High-Noon-Erlebnis.

Bunter Autofriedhof und Live-Musik

Weiter westlich, in Amarillo, zeigt Texas seinen Grössenwahn mittels Kunst. Auf einem Kornfeld liegt die Cadillac Ranch – zehn senkrecht in den Boden gerammte Cadillacs. Die texanische Antwort auf Englands Stonehenge wurde von einem Ölmilliardär in Auftrag gegeben. Anfangs waren die Wagen weiss, mittlerweile wurden sie durch die Touristenscharen in Graffiti-Kunst verwandelt.

Austin, die Hauptstadt des Staates, ist dank zahlreichen grünen Parkanlagen und künstlich angelegten Seen eine attraktive Metropole. Bekannt ist sie jedoch vor allem durch ihre Musik. Als «Welthauptstadt der Live-Musik» gibt Austin den Ton an. In Kneipen und Clubs, vor allem aber an der turbulenten Sixth Avenue wird rund um die Uhr Country, Rock, Blues und Jazz gespielt. Janis Joplin , Willie Nelson und Waylon Jennings machten die Universitätsstadt gross, gutes texanisches Marketing machten sie zur Legende.

Zwei Kilo Steak auf einmal

So gross die Kunst und Musikszene, so gross auch die Tragödien im eigenen Staat. In Dallas sind die Wunden von 1963 nie verheilt, als am 22. November am Stadtrand an der Dealey Plaza Präsident John F. Kennedy erschossen wurde und das Land in eine tiefe moralische Krise stürzte. Die Elm Street wurde zum Pilgerort für Menschen aus der ganzen Welt. Das einstige Schulbuch-Lagerhaus ist heute ein Museum und widmet sich ganz den tragischen sechs Sekunden von 1963.

In Fort Worth, der westlichen Hälfte der Grossmetropole Dalls/Fort Worth, feiert man das Cowboy-Image. Hier präsentiert uns Texas Klischees: Rodeo, Viehauktionen und eigens für Touristen im Westernstil angelegte Stockyards mit Souvenirläden, Cowboy-Stores und Western-Saloons. Dass die Grösse in Texas eine wichtige Rolle spielt, wird einem spätestens dann klar, wenn man in eines der vielen Restaurants der 72-Ounce-Challenge geht. Dabei muss man innerhalb einer Stunde ein zwei Kilogramm schweres Steak samt Beilagen vertilgen. Ist man erfolgreich, ist die Mahlzeit gratis. Verliert man jedoch, muss man 72 Dollar für den Spass hinblättern.

Der 30-jährige Pascal Meister hat mehrere Jahre in den USA gelebt und gearbeitet. 2006 ist er die legendäre Route 66 abgefahren und hat auf seinen alljährlichen USA-Besuchen mittlerweile das ganze Land bereist. In loser Folge berichtet er über die Eigenheiten, Schönheiten und Besonderheiten der 50 Bundesstaaten.

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