Aktualisiert 31.03.2007 15:59

Grossandrang auf dem Rhein

Schiff ahoi auf dem Rhein: Nach der Freigabe der wichtigsten europäischen Wasserstrasse bei Köln haben rund 500 Schiffe ihre Fahrt wieder aufgenommen.

Sechs Tage nach dem Unglück des Containerschiffs «Excelsior» fuhren zwar nach der tagelangen Sperrung noch etwa drei mal so viele Schiffe wie an anderen Tagen, wie Polizeisprecher Ramon van der Maat sagte. «Aber alles läuft wieder normal.» Probleme könne es allerdings noch in den Häfen geben, wo nun mehr Schiffe als sonst einliefen.

Am Freitagabend war der Rhein für die 500 wartenden Schiffe freigegeben worden. Am Abend waren die Behörden mit sieben Booten im Einsatz, um den grossen Andrang in geordnete Bahnen zu lenken. Probleme wurden nicht gemeldet. Die Kapitäne seien froh, weiterfahren zu können, sagte van der Maat. «Die benehmen sich ganz manierlich.» Auf einer Strecke von 30 Kilometern galten zunächst Beschränkungen wie Überholverbot und Rechtsfahrverbot, die aber am Samstag wieder aufgehoben wurden. Die Wasserschutzpolizei fuhr nur noch normalen Streifendienst.

Auf der Mosel seien nun wegen des Andrangs die Schleusen rund um die Uhr geöffnet, erklärte van der Maat. Probleme könne es auch in den Häfen geben, die nun mehr Schiffe aufnehmen müssten als an normalen Tagen. «Die Leidenszeit ist für die Binnenschiffer noch nicht ganz vorbei.»

Die «Excelsior» hatte bei einem misslungenen Wendemanöver am Sonntag 32 Container verloren. Der Rhein blieb deshalb von Köln-Porz bis Köln-Niehl gesperrt. Die Ursache des Unfalls war am Samstag immer noch unklar, die Ermittlungen dazu liefen weiter. Im Rumpf des Frachters entdeckten Ermittler einen Riss. Ob dieser für den Unfall verantwortlich ist, soll ein Gutachten klären.

Vor der Freigabe hatten Spezialschiffe vergeblich nach drei noch vermissten Containern gesucht. Diese wurden vermutlich von der starken Strömung mitgerissen und wahrscheinlich zerstört. «Es könnten noch Blechteile auftauchen», sagte Polizeisprecher van der Maat. Die «Excelsior» transportierte auch Gefahrgutcontainer, die bereits am Mittwoch geborgen waren. Aus einem der Behälter traten Gerbstoffe aus und flossen in den Rhein. Den Angaben zufolge bestand aber keine ernsthafte Umweltgefährdung.

«Mit einem blauen Auge davon gekommen»

Der Rhein ist mit grossem Abstand die wichtigste Binnenwasserstrasse in Deutschland. Er verbindet Industriezentren in Deutschland und der Schweiz mit bedeutenden Überseehäfen wie Rotterdam.

Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) erklärte, man sei noch «mit einem blauen Auge davongekommen». Wäre die Havarie nur 100 Kilometer weiter nördlich geschehen, hätte die Versorgung des Ruhrgebiets mit Kohle und Erz auf dem Spiel gestanden. BME-Hauptgeschäftsführer Holger Hildebrandt sagte, man müsse Massnahmenpläne für potenzielle Lieferengpässe verankern, etwa auch auf Grund von Naturkatastrophen und Terroraktionen.

Nach der Havarie stiegen laut BME die Preise für verfügbaren Laderaum kräftig. An normalen Tagen passierten rund 200 Schiffe den Rhein bei Köln, was etwa dem Laderaum von 3.000 Lkw entspreche. Die Folgen des Ausfalls hätten nicht nur die Reeder zu tragen, verzögerte Aus- und Anlieferung, verpasste Seehafen-Anschlussverkehre, Kapitalbindung und der Einsatz anderer Transportmittel brächten auch für die unmittelbar betroffenen Verlader erhebliche Zusatzkosten mit sich. (dapd)

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