CS-Exit «Hexagone»: Grossbanken schmeissen Franzosen raus
Aktualisiert

CS-Exit «Hexagone»Grossbanken schmeissen Franzosen raus

Selbstanzeige oder Konto zu: Die Credit Suisse startet am Montag ein Programm, das alle französischen Kunden mit Schwarzgeld in der Schweiz zu Transparenz zwingen soll.

von
Lukas Hässig
Mit dem Exit aus dem Schwarzgeldmarkt Frankreich macht die CS klar, dass sie so rasch wie möglich nur noch versteuerte Vermögen aus Europa verwalten möchte.

Mit dem Exit aus dem Schwarzgeldmarkt Frankreich macht die CS klar, dass sie so rasch wie möglich nur noch versteuerte Vermögen aus Europa verwalten möchte.

Die Credit Suisse nimmt nach Deutschland den zweiten grossen Europa-Schwarzgeld-Markt in Angriff. Ab Montag gehen die zuständigen CS-Berater alle französischen Kunden an, die Gelder in der Schweiz halten, welche vermutlich nicht versteuert sind.

Die Übung der CS trägt intern den Namen «Hexagone», in Anlehnung an die sechseckige Form des westlichen Nachbarstaats. Dies berichtete das Finanzportal Inside Paradeplatz am Freitag.

Milliarden von Schwarzgeld

Mit dem Exit aus dem Schwarzgeldmarkt Frankreich macht die CS klar, dass sie so rasch wie möglich nur noch versteuerte Vermögen aus Europa verwalten möchte. Bereits Anfang Jahr ging die Bank deutsche Kunden mit unversteuerten Geldern in der Schweiz an. Die damalige Übung hiess «Plan B»; dies, weil die ursprüngliche Absicht die Abgeltung für Deutschland war, was aber am Widerstand im deutschen Parlament scheiterte.

Auch die UBS und die Privatbank Julius Bär bestätigten vor einiger Zeit, dass sie deutsches Schwarzgeld so rasch wie möglich loswerden wollten. Die CS und die UBS hatten zuvor gesagt, dass sie mit Vermögensabflüssen in Milliardenhöhe aus den Nachbarländern rechnen.

Franzosen werden faktisch enteignet

Der CS-Exit «Hexagone» bedeutet dicke Post für die Franzosen. Diese haben nur ein paar Monate Zeit, um das Angebot der Bank anzunehmen, sich selbst anzuzeigen und so das Geld in der Schweiz zu legalisieren. Tun sie das nicht, dann beendet die CS die Kundenbeziehung. In welcher Form sie das tun würde, ist offen. Amerikanern, die schon früher wegen des harten US-Steuerkonflikts hinauskomplimentiert worden waren, hatten die Banken jeweils einfach einen Scheck zugestellt.

Die Bedingungen Frankreichs für eine Selbstanzeige sind happig. Ein entsprechendes Programm mit dem Namen «Circulaire Cahuzac» - so hiess der Minister, der selbst über ein Schwarzgeldkonto bei der UBS gestolpert war – ist von der französischen Regierung im Juni publiziert worden. Es sieht Abgeltungen auf die in der Schweiz versteckten Vermögen zwischen 40 und 80 Prozent vor.

Die obere Grenze liegt nahe an einer Enteignung und bedeutet für die betroffenen Franzosen einen schweren Schlag. Zudem findet die Selbstanzeige nicht anonym statt, sondern der betroffene Bürger wird als Steuerhinterzieher registriert und muss damit rechnen, dass er bei den Behörden bis an sein Lebensende unter Generalverdacht stehen wird.

«Die Party ist zu Ende»

Trotz den happigen Abgeltungssätzen wollen die Chefs der CS ihr Frankreich-Schwarzgeld so rasch wie möglich loswerden. Selbst auf das Risiko hin, dass sich ein grosser Teil der Kunden nach einer Anzeige beim eigenen Fiskus verabschieden wird, müssen die CS-Berater empfehlen, die Offerte der eigenen Regierung anzunehmen. Es handle sich um ein «Window of Opportunity», quasi um die letzte Chance, die Vergangenheit ohne Gefahr auf eine Gefängnisstrafe hinter sich zu bringen. «La fête est finie», sollen die Vermögensverwalter der CS, die vor allem aus Genf heraus operieren, ihren Kunden einimpfen und sie auf diese Weise zur Selbstanzeige zu animieren, lautet die Vorgabe.

CS ist längst auf ihre Rechnung gekommen

Die CS hat dabei gut reden. Bei der Mehrzahl der Kunden handelt es sich um solche mit altem Geld, das seit vielen Jahren auf einem Konto in der Schweiz liegt. Darauf hat die Bank ohne viel Leistungsdruck und dank hohen Gebühren gute Erträge erwirtschaftet. Die Kunden fragten kaum je nach der Performance oder den Kosten, da ihre Rechnung so oder so aufging – Steuerhinterziehung sei Dank.

Nun, da der Wind gedreht hat, sind viele Dutzende von Milliarden Schwarzgelder auf Konten der CS, der UBS und weiterer Banken in Genf und in Zürich zur toxischen Altlast geworden. Der administrative Aufwand rund um die Betreuung der Gelder ist massiv angestiegen, zudem besteht die Gefahr, dass die Behörden gegen die Banken Strafverfahren eröffnen. Dies ist der UBS passiert, gegen die in Frankreich ermittelt wird. Ende Juni musste die Grossbank dort eine Busse über 10 Millionen Euro bezahlen.

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