Ein Vater, zwei Mütter: Grossbritannien erlaubt Kinder von drei Eltern
Aktualisiert

Ein Vater, zwei MütterGrossbritannien erlaubt Kinder von drei Eltern

Damit Frauen mit Erbkrankheiten gesunde Kinder bekommen können, will die britische Regierung eine radikale Befruchtungsmethode erlauben. Dabei soll das Erbgut von drei Menschen benutzt werden.

von
Maria Cheng
AP
Ein Vater, zwei Mütter - ein Embryo.

Ein Vater, zwei Mütter - ein Embryo.

Grossbritannien treibt die Einführung einer Befruchtungsmethode voran, bei der Erbgut von drei verschiedenen Menschen zum Einsatz kommt. Mit der Technik könnte die Weitervererbung eines seltenen Gendefekts von Müttern auf ihre Kinder verhindert werden. Sie solle nun so schnell wie möglich angewendet werden, erklärte die Oberste Gesundheitsbeamtin des Landes am Freitag. Kritiker warnen dagegen vor den «Drei-Eltern-Babys».

Dank der neuen Methode würden Frauen mit geschädigten Mitochondrien diesen Defekt nicht mehr auf ihre Babys übertragen. Mitochondrien sind die Energiekraftwerke der Zellen (siehe Box).

Das neue Verfahren würde folgendermassen funktionieren: Die Ärzte entnehmen von einer Frau mit geschädigten Mitochondrien nur das gesunde Genmaterial – nämlich das Erbgut des Zellkerns – aus ihrer Eizelle oder dem Embryo. Die Eizelle einer zweiten, gesunden Frau wird entkernt – damit enthält die Zelle zwar noch die Mitochondrien, aber nicht mehr jenes Erbgut, das im Zellkern vorhanden ist. Nun wird das zuvor isolierte Kern-Erbgut der ersten Frau in die entkernte Eizelle der Spenderin eingefügt. Die Eizelle wird darauf mit einer Samenzelle des gewünschten Vaters befruchtet. Nun kann der Embryo, wie bei jeder künstlichen Befruchtung – in die Gebärmutter einer Frau eingepflanzt werden.

Vererbung von Krankheiten wird gestoppt

«Wissenschaftler haben dieses bahnbrechenden neuen Verfahren entwickelt, die eine Vererbung dieser Krankheit stoppen können», erklärte die Oberste Britische Gesundheitsbeamtin Dr. Sally Davies. «Es ist nur richtig, wenn wir uns bemühen, diese lebensrettende Behandlung so schnell wie möglich einzuführen.» Die britischen Gesetze verbieten es bisher, eine menschliche Eizelle oder einen Embryo zu verändern, bevor sie einer Frau eingepflanzt werden. Aus diesem Grund ist das Verfahren bisher nur zu Forschungszwecken erlaubt. Grossbritannien wäre das erste Land, in dem die Methode erlaubt würde. Gemäss Schätzungen von Fachleuten würden sich vermutlich nur rund ein Dutzend Frauen pro Jahr diesem Verfahren unterziehen.

Die Methode wurde erstmals 2008 öffentlich erwähnt und ist ethisch umstritten. Die britische Boulevard-Presse sprach von dem «Drei-Eltern-Baby». Gegner lehnen unter anderem die Zerstörung von Eizellen oder Embryonen als unmoralisch ab. Für das evangelikale «Christian Medical Fellowship» beispielsweise ist es nicht zu rechtfertigen, dass der Suche nach Therapien, mit denen die ohnehin geringe Anzahl von Geburten von behinderten Kindern mit Mitochondrien-Krankheiten verhindert werden könnten, Hunderte oder Tausende embryonale menschliche Leben geopfert werden. Einer Umfrage aus diesem Jahr zufolge befürwortet aber eine Mehrheit der Briten die neue Methode.

Mitochondrien

sind von einer Doppelmembran umschlossene Organellen, also abgegrenzte Bereiche innerhalb der Zelle mit einer spezifischen Funktion. Sie erfüllen mehrere essentielle Funktionen für die Zelle; hauptsächlich fungieren sie aber als Energiekraftwerke, indem sie ein energiereiches Molekül bilden. Daher sind sie in Zellen, die einen hohen Energieverbrauch aufweisen, besonders häufig. Funktionieren sie nicht richtig, können vor allem Gehirn, Nervensystem, Herz oder die Skelettmuskulatur geschädigt werden.

Mitochondrien enthalten als einzige Zellorganellen eine eigene Erbsubstanz. Diese mitochondriale DNA (mtDNA oder Chondriom) spielt in der Vererbungslehre eine wichtige Rolle, da sie nur maternal (also von der Mutteran die Nachkommen) weitergegeben wird und mit einer konstanten Rate mutiert. Dies erlaubt in der Anthropologie relativ genaue Aussagen darüber, wann sich zwei Bevölkerungsgruppen getrennt haben.

(Wikipedia)

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