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Roberto Saviano«Grossbritannien ist das korrupteste Land»

Der italienische Journalist Roberto Saviano kämpft gegen das organisierte Verbrechen. Nach der Mafia nimmt er nun das Finanzwesen ins Visier.

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ofi
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Roberto Saviano, italienischer Journalist und Autor des Anti-Mafia-Buches «Gomorrha», kritisiert Grossbritannien und London für dessen Finanzplatz, der das Herz der globalen Finanzkorruption sei.

Roberto Saviano, italienischer Journalist und Autor des Anti-Mafia-Buches «Gomorrha», kritisiert Grossbritannien und London für dessen Finanzplatz, der das Herz der globalen Finanzkorruption sei.

epa/Matteo Bazzi
«90 Prozent der Besitzer von Kapital in London haben ihre Hauptsitze offshore», sagt der Italiener, «Die Mafia und das organisierte Verbrechen spielen nicht nach den Regeln der Gesetze - die meisten Offshore-Firmen verfahren genau gleich.» Im Bild: Der Financial District von London.

«90 Prozent der Besitzer von Kapital in London haben ihre Hauptsitze offshore», sagt der Italiener, «Die Mafia und das organisierte Verbrechen spielen nicht nach den Regeln der Gesetze - die meisten Offshore-Firmen verfahren genau gleich.» Im Bild: Der Financial District von London.

epa/Hannah Mckay
Seit der Veröffentlichung des Buches «Gomorrha» im Jahr 2006 lebt Saviano unter ständigem Polizeischutz, weil die Mafia mehrfach gedroht hatte, ihn umzubringen. Im Bild: Saviano an einer Pressekonferenz 2007 in Deutschland.

Seit der Veröffentlichung des Buches «Gomorrha» im Jahr 2006 lebt Saviano unter ständigem Polizeischutz, weil die Mafia mehrfach gedroht hatte, ihn umzubringen. Im Bild: Saviano an einer Pressekonferenz 2007 in Deutschland.

epa/Wolfgang Kumm

Roberto Saviano schreckt nicht vor mächtigen Feinden zurück. Seit 2006 sein Buch «Gomorrha» über die Neapolitaner Mafia Camorra erschien, steht der heute 36-Jährige unter Polizeischutz. Zwar sagte er später in einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung», er wisse nicht, ob er das Buch noch einmal schreiben würde. Dennoch setzt er seinen Kampf gegen die organisierte Wirtschaftskriminalität fort. Nun hat er in London einen neuen Gegner ins Visier genommen.

«Grossbritannien ist das korrupteste Land der Welt», sagte Saviano bei einer Lesung während des Hay Literary Festivals, wie der «Independent» schreibt. Dabei beziehe er sich nicht auf die Politik, die Polizei oder Behörden, sondern auf das Finanzsystem. «90 Prozent der Besitzer von Kapital in London haben ihre Hauptsitze offshore.»

London ist das Herz der globalen Finanzkorruption

Jersey und die Cayman-Inseln seien Tore für kriminelles Kapital in und nach Europa und «Grossbritannien ist das Land, das diesen Zustand erlaubt», so der Italiener. «Das Bankensystem von London ist das Herz der globalen Finanzkorruption», zitiert ihn der «Guardian».

Eine grosse Gefahr stelle in dieser Hinsicht ein möglicher Austritt des Landes aus der EU dar, meint Saviano weiter. Der britische Finanzplatz würde dadurch noch viel anfälliger und einfacher zugänglich für kriminelles Kapital. Gemeinsame Anstrengungen im Kampf gegen dieses Kapital würden durch den Brexit unterwandert.

All das sei nicht bloss seine Meinung, sondern bewiesen, so Saviano: «Die kriminelle Ökonomie ist heute grösser als die legale. Der Drogenhandel ist grösser als der Erdölhandel.» Allein Kokain sei ein 300-Milliarden-Dollar-pro-Jahr-Geschäft, zitiert der «Guardian». «Die Mafia und das organisierte Verbrechen spielen nicht nach den Regeln der Gesetze – die meisten Offshore-Firmen verfahren genau gleich.»

Internationale Korruption

Transparency International gibt jährlich eine Liste heraus, die die Korruption im öffentlichen Sektor - Polizei, Behörden, Politik - in 167 Ländern der Welt bewertet. Auf dem Korruptionsindex 2015 liegt Grossbritannien gemeinsam mit Deutschland und Luxemburg auf dem 10. Rang. Als korrupteste Länder weist der Index Somalia und Nordkorea aus. Die Schweiz liegt auf Platz sieben.

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