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GesetzesänderungGrossbritannien vermiest Zurich erstes Quartal

Gesetzlich vorgeschriebene Reserveaufstockungen belasten den Versicherungskonzern. Im ersten Quartal erleidet er einen Gewinnrückgang von 31 Prozent auf 607 Millionen Dollar.

von
nag
Rund ein Drittel weniger Gewinn: Das Zurich-Insurance-Gebäude in Zürich Oerlikon. (Archiv)

Rund ein Drittel weniger Gewinn: Das Zurich-Insurance-Gebäude in Zürich Oerlikon. (Archiv)

Keystone/Gaëtan Bally

Das Quartalsergebnis des Versicherungskonzerns Zurich ist von einer Gesetzesänderung in Grossbritannien überschattet worden. Der Gewinn brach um einen Drittel ein. Lichtblicke sind die Fortschritte bei der Kostenreduktion.

Der Reingewinn schrumpfte im ersten Quartal 2017 um 31 Prozent auf 607 Millionen Dollar (Vorjahr: 875 Millionen Dollar). Zurich musste in England und Wales seine Reserven in der Schaden- und Unfallversicherung erhöhen. Dadurch wurde der Betriebsgewinn mit 289 Millionen Dollar belastet und reduzierte sich um 13 Prozent auf 928 Millionen Dollar.

Ohne diesen einmaligen Effekt legte der Betriebsgewinn um 14 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar zu. Die Änderungen für die Berechnung von Personenschäden und Unfallforderungen im Februar werde sich aber nur auf das erste Quartal auswirken, betonte Zurich-Finanzchef Georg Quinn heute an einer Telefonkonferenz.

Einschnitt für britische Versicherer

Finanzchef Quinn rechnet als Folge des Regierungsbeschlusses mit Prämienerhöhungen für die gesamte Versicherungsbranche auf den britischen Inseln. Profitieren dürften dagegen anspruchsberechtigte Versicherte, die mit höheren Auszahlungen rechnen können.

Es ist das erste Mal seit 2001, dass die Briten den für die Berechnung relevanten Diskontsatz reduzierten - konkret von 2,5 auf -0,75 Prozent.

Trotz der dunklen Stelle in der Bilanz gab sich der Finanzchef optimistisch: «Der starke Auftakt in diesem Jahr bietet eine solide Ausgangsbasis, um unsere finanziellen Ziele für die Periode 2017 bis 2019 zu erreichen.»

Weitere 100 Millionen Kosteneinsparungen

Hintergrund für die hellen Prognosen sind unter anderem Kosteneinsparungen von 100 Millionen Dollar im ersten Quartal. Seit der Ankündigung von 1,5 Milliarden Dollar Einsparungen bis 2019 letztes Jahr wurden bis Ende März total 400 Millionen Dollar reduziert.

Vor zwei Jahren, noch vor dem Antritt des neuen Konzernchefs Mario Greco, war zudem vom Abbau von 8000 Stellen die Rede. Darauf angesprochen, sagte Finanzchef Georg Quinn: «Mit unserem Kostensparziel von 1,5 Milliarden Dollar bis Ende 2019 sind keinerlei Ziele oder Vorgaben betreffend eines Stellenabbaus verbunden.»

Von Grossschäden verschont

Wegen des Sondereffekts verschlechterte sich im wichtigen Bereich der Schaden- und Unfallversicherung, der sogenannte Schaden-Kosten-Satz. Unter 100 Prozent ist das Geschäft versicherungstechnisch profitabel. Für das erste Quartal weist Zurich 100,7 Prozent aus.

Ohne den Sondereffekt wäre der Satz von 98,1 auf 97,2 Prozent gesunken und hätte sich damit verbessert. Bis auf den Zyklon Debbie in Australien blieb Zurich weitgehend von Grossschäden verschont.

Da laut Zurich die Risiken im Portfolio reduziert und die Qualität verbessert wurden, sanken die Bruttoprämien- und Policengebühren um 2 Prozent auf 8,9 Milliarden Dollar. Dieses Jahr sind laut dem Finanzchef weitere Optimierungen geplant mit allfälligen Verkäufen und Zukäufen.

Rentables Neugeschäft

Fortschritte erzielte Zurich in der Lebensversicherung, die 40 Prozent des Risikokapitals ausmacht - bei der Schaden- und Unfallversicherung sind es 49 Prozent. Der Betriebsgewinn der Lebensversicherung stieg (in Dollar und Lokalwährungen) um 23 Prozent auf 312 Millionen Dollar. Der Wert des Neugeschäfts erhöhte sich um 21 Prozent in Lokalwährungen.

Stabil entwickelte sich die Sparte Farmers, wo Zurich vor allem externes Geschäft administriert und an Gebühren verdient. Der operative Gewinn legte gegenüber der Vorjahresperiode um 2 Prozent auf 396 Millionen Dollar zu.

Eigenkapitalrendite gesunken

Verantwortlich für die Fortschritte beim operativen Gewinn des Gesamtkonzerns (ohne Sondereffekte) ist gemäss Zurich auch die gute Entwicklung der Anlageergebnisse. Die Nettokapitalanlagen steuerten 1,5 Milliarden Dollar zum Ertrag bei. Laut Mitteilung entspricht dies einer Nettorendite von (nicht annualisiert) 0,8 Prozent.

Die Kapitalbasis sei sehr solid, sagte George Quinn weiter. Das Eigenkapital sank allerdings von 30,7 Milliarden Dollar Ende Dezember auf 29,3 Milliarden per Ende März.

Bis 2019 will Zurich eine Eigenkapitalrendite von über 12 Prozent erreichen. Im ersten Quartal lag die Rendite ohne den Sondereffekt bei 12,6 Prozent und insgesamt bei 9,5 Prozent. (nag/sda)

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