Zivilisten missbraucht: «Grossbritanniens Abu Ghraib»
Aktualisiert

Zivilisten missbraucht«Grossbritanniens Abu Ghraib»

Der britischen Regierung droht Ärger. Anwälte von 222 irakischen Zivilisten klagen wegen schweren Misshandlungen durch die Armee.

von
Raphael G. Satter
dapd

Die Vorwürfe gegen die britischen Truppen haben es in sich. Soldaten und Vernehmungsoffiziere im Irak sollen Zivilisten systematisch misshandelt haben. Die Anwälte von 222 irakischen Zivilisten haben Klage gegen die britische Regierung wegen schweren Missbrauchs erhoben.

Die Zivilisten seien unter anderem zur Entblössung gezwungen worden und hätten mit Schlafentzug kämpfen müssen, sagte Phil Shiner von der Anwaltskanzlei Public Interest Lawyers am Freitag in London zu Journalisten. Die Kläger fordern eine weitreichende öffentliche Untersuchung, die zeigen soll, wie Gefängnisinsassen von den britischen Streitkräften im Irak behandelt wurden.

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Vor dem Hohen Gericht in der britischen Hauptstadt fragte Anwalt Michael Fordham die Richter, ob die gegen die Regierung erhobenen Vorwürfe, die er als ernst und glaubwürdig bezeichnete, «Grossbritanniens Abu Ghraib» gleichkämen. Er berief sich auf den im Jahr 2004 aufgedeckten Folterskandal, bei dem amerikanische Soldaten im Irak die Insassen eines Gefängnisses schwer missbrauchten.

Langsame Untersuchungen

Zwar habe die britische Regierung bereits eine Untersuchung spezifischer Vorwürfe des Häftlingsmissbrauchs angestellt und eine zweite Untersuchung für kommendes Jahr anberaumt, sagte Shiner. Allerdings würden die beiden Untersuchungen nur einen Bruchteil der Missbrauchsfälle umfassen. Beim derzeitigen Tempo der Ermittlungen würde es mehr als 100 Jahre dauern, bis jeder einzelne Fall behandelt wäre, sagte der Anwalt.

In einer Stellungnahme des britischen Verteidigungsministeriums heisst es, die Vorwürfe seien nicht bewiesen. Ein Team aus Militärpolizisten und zivilen Ermittlern habe sich der Untersuchung der Vorwürfe bereits angenommen. Die Arbeit dieses Teams wäre wesentlich effektiver «als eine teure öffentliche Untersuchung», hiess es. Die Anhörung vor dem Hohen Gericht soll insgesamt drei Tag dauern.

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