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Sir Chris HoyGrossbritanniens bescheidener Sieger

Er ist der erfolgreichste britische Athlet und wird gefeiert wie ein Rockstar: Radbahnfahrer Chris Hoy. Anfang Woche holte Sir Chris seine 6. olympische Goldmedaille. Er war sehr gerührt.

von
ivb

Radfahren auf der Bahn gilt in der Schweiz als Randsportart. Seit Franco Marvulli und Bruno Risi nicht mehr dabei sind, verfolgt das in der Schweiz kaum mehr jemand. In Grossbritannien ist das anders: Die Briten holen in dieser Disziplin Medaille um Medaille, die Fahrer erlangen Heldenstatus.

Aushängeschild dieser Sportart ist Sir Chris Hoy. Der Schotte hat am Dienstag im Keirin gewonnen. Es ist bereits die sechste olympische Goldmedaille seiner Karriere. Damit ist er britischer Rekord-Olympiasieger. Zuvor war Ruderer Steve Redgrave mit fünf Medaillen der erfolgreichste Olympionike der Insel gewesen. Ironisch meinte der 50-Jährige gegenüber «Dailymail», dass er vielleicht ein Comeback geben müsse, um den Rekord wieder zurückzuholen.

Nennen Sie mich lieber nicht «Sir», Sir

Die Erfolge von Hoy, den die Queen 2009 zum Ritter schlug, kommen nicht von ungefähr: Er gilt als Perfektionist – sowohl im Training als auch neben der Bahn. Er ist ein harter Arbeiter, der trotz des Rummels um seine Person ein äusserst bescheidener Mensch blieb. Er möchte zum Beispiel lieber nicht «Sir» genannt werden. In seiner Heimat nennen ihn manche den grössten Schotten aller Zeiten. Doch auch diese Ehre will er nicht annehmen. Den grössten Schotten habe er schon getroffen, sagt er. Das sei Sean Connery.

Der Erfolg ist für ihn immer noch etwas Besonderes. Auch nach dem sechsten Gold zeigt er sich gerührt. «Ich kann nicht in Worte fassen, was es für mich bedeutet. Es ist eines der schönsten Gefühle, das ich je hatte.»

In Rio wohl nicht mehr dabei

Diese Spiele werden für ihn wahrscheinlich die letzten sein. Der 36-Jährige wird in vier Jahren in Rio kaum noch am Start stehen. Für Grossbritannien werden aber sicher andere Athleten in seine Fusstapfen treten. Die Briten haben an diesen Spielen schon 47 Medaillen geholt – so viele wie noch nie zuvor. Einzig 1908, als die Spiele ebenfalls in London stattgefunden haben, holten sie mehr: Damals waren es 145.

Sir Chris Hoy wird seinen Nachfolgern mit Freude die Daumen drücken. Schon als ihm an diesen Olympischen Spielen der jüngere Jason Kenny im Sprint vorgezogen wurde, reagierte er cool und wünschte ihm alles Gute. Mit dieser schönen Geste hat er den Generationenwechsel schon eingeleitet.

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