Krankenkasse: Grosse Brüste: Eine Krankheit?
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KrankenkasseGrosse Brüste: Eine Krankheit?

In Deutschland ging eine Frau vor Gericht: Sie forderte von ihrer Krankenkasse vergeblich, für die Kosten einer Brustverkleinerung aufzukommen. Hätte die Frau in der Schweiz eine Chance auf Kostengutsprache gehabt?

von
Runa Reinecke

Im Gegensatz zu gesetzlich Versicherten leben Menschen in der Schweiz, die über eine obligatorische Grundversicherung medizinische Leistungen in Anspruch nehmen, wie im Paradies: kurze Wartezeiten in den Arztpraxen, ausführliche Anamnese und - mit wenigen Ausnahmen - eine äusserst kompetente Behandlung.

Orthopädische und psychische Beschwerden

Der Grund: In Deutschland wird aus Kostengründen an allen Ecken und Enden gespart. Ein Umstand, den jetzt auch eine Frau aus dem Kreis Kassel zu spüren bekam. Ihrer eigenen Aussage nach wollte sie sich die Brüste aufgrund orthopädischer und psychischer Beschwerden operativ verkleinern lassen. Für die Durchsetzung einer Kostengutsprache ihrer gesetzlichen Krankenversicherung ging die Frau des Jahrgans 1971 laut «onmeda.de» bis vor Gericht. Ohne Erfolg - die Sozialrichter gaben der Krankenkasse recht. Begründung: Grosse Brüste seien keine Krankheit. Nur wenn eine grosse Oberweite entstellend wirken würde - so die Rechtsprecher - könne der Versicherer zur Kasse gebeten werden.

«So etwas muss individuell beurteilt werden»

Welche Chancen auf Kostenübernahme hätte die Frau mit einer Grundversicherung in der Schweiz gehabt? «So etwas muss individuell beurteilt werden», sagt Paul Rhyn, Medienverantwortlicher bei Santésuisse. In solch einem Fall müsse das Gesuch für eine Kostengutsprache eingereicht werden. Grundvorausetzungen für einen positiven Entscheid seien Gutachten über psychische und physische (zum Beispiel Rückenschmerzen) Beschwerden. Auf Anfrage von 20 Minuten Online ergänzt Rhyn: «Es besteht von vornherein kein Anspruch, jeder Fall muss individuell vertrauensärztlich beurteilt werden.»

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