Verschnupft in der Pandemie - Wegen Erkältungswelle droht ein Testchaos
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Verschnupft in der PandemieWegen Erkältungswelle droht ein Testchaos

Mehr Menschen als für diese Jahreszeit üblich husten und haben Schnupfen. Ein Infektiologe rät Erkälteten, Maske zu tragen, um die Testressourcen nicht ans Limit zu bringen.

von
Bettina Zanni
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«Im Vergleich zum Vorjahr haben zurzeit deutlich mehr Menschen typische Erkältungssymptome», sagt Huldrych Günthard, Infektiologe am Universitätsspital Zürich.

«Im Vergleich zum Vorjahr haben zurzeit deutlich mehr Menschen typische Erkältungssymptome», sagt Huldrych Günthard, Infektiologe am Universitätsspital Zürich.

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Auch Philippe Luchsinger, Präsident des Verbands der Haus- und Kinderärzte, stellt in den Hausarztpraxen momentan mehr Erkältungen als zur selben Zeit vor einem Jahr fest.

Auch Philippe Luchsinger, Präsident des Verbands der Haus- und Kinderärzte, stellt in den Hausarztpraxen momentan mehr Erkältungen als zur selben Zeit vor einem Jahr fest.

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Insbesondere Kinder kann es heftig erwischen, wie Meldungen von Spitälern bestätigen.

Insbesondere Kinder kann es heftig erwischen, wie Meldungen von Spitälern bestätigen.

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Darum gehts

  • Infektiologen und Arztpraxen registrieren aktuell aussergewöhnlich viele Erkältungen.

  • Die Schweiz könnte am Anfang einer intensiven Erkältungswelle stehen.

  • «Lassen sich Erkältete massenweise testen, werden die Testkapazitäten wieder arg strapaziert», sagt ein Infektiologe. Deshalb sollten sie Maske tragen.

Anfang Woche morgens im Chat einer Yoga-Gruppe: «Habe seit gestern Abend eine Erkältung und kann leider nicht kommen», schreibt eine Kursteilnehmerin. Wenige Minuten später meldet eine weitere: «Ich bin leider heute auch nicht dabei. Bin seit einer Woche so stark erkältet, fühle mich gar nicht fit.» Kurz darauf sagt eine dritte Kursbesucherin ebenfalls wegen Erkältung ab.

Kein Einzelfall: Auch in Büros und im ÖV wird vermehrt gehustet und geschnäuzt. Einige Menschen zwingt die Erkältung gar ins Bett.

«Deutlich mehr Menschen haben typische Erkältungssymptome»

«Im Vergleich zum Vorjahr haben zurzeit deutlich mehr Menschen typische Erkältungssymptome: Sie pfnüseln, husten, haben Halsschmerzen und fühlen sich schlapp», bestätigt Huldrych Günthard, Infektiologe am Universitätsspital Zürich.

Auch Hausarztpraxen behandeln momentan mehr Patientinnen und Patienten mit Erkältungen. «Wir haben etwas mehr Erkältungen als zur selben Zeit vor einem Jahr», sagt Philippe Luchsinger, Präsident des Verbands der Haus- und Kinderärzte. Halsweh, Schnupfen, Heiserkeit und Husten seien die typischen Symptome. «Teilweise sind sie hartnäckig, die meisten Symptome sind aber innert weniger Tage durch.»

Kinder im Spital

Insbesondere Kinder kann es heftig erwischen, wie Meldungen von Spitälern bestätigen. «Wir registrieren in den letzten Wochen und Monaten eine nahezu durchgehend hohe Anzahl von hospitalisierten Kindern mit Atemwegsinfekten, insbesondere Kinder unter zwei Jahren», sagt Henrik Köhler, Chefarzt und Leiter der Klinik für Kinder und Jugendliche am Kantonsspital Aarau. Neben dem dominierenden RS-Virus kämen auch andere Viren vor, die die Atemwege befielen.

Auch Traudel Saurenmann, Chefärztin am Departement Kinder- und Jugendmedizin des Kantonsspitals Winterthur, sagt, dass die Welle von Atemwegsinfektionen allenfalls etwas früher und heftiger als in den Saisons vor der Pandemie ausfalle.

Ähnlich sieht es im Kinderspital Zürich aus. Mit den sinkenden Temperaturen werde es noch mehr Atemwegsinfektionen geben, sagt Tobias Höhn, leitender Arzt auf der Notfallstation des Kinderspitals Zürich. «Wir rechnen mit einem strengen Winter für das Personal.»

Kontakt zu Erkältungsviren habe gefehlt

Bereits im Sommer prognostizierten Infektiologen für diese Herbst- und Wintersaison eine intensive Erkältungswelle. Huldrych Günthard geht davon aus, dass die Schweiz am Anfang dieser Welle steht. «Wir hatten ein Jahr Pause von den ansonsten natürlich auftretenden viralen Infekten.» Durch die Hygienemassnahmen und die Lockdowns seien die Menschen nicht mit Erkältungsviren in Kontakt gekommen und hätten daher keine Abwehrkräfte aufbauen können.

«Es ist möglich, dass man alle paar Wochen wieder von einer neuen Erkältung erwischt wird, weil sich die Abwehrkräfte gegen die verschiedenen Erkältungsviren in den letzten 1,5 Jahren deutlich abgeschwächt haben.»

Coronatest sei nötig

Auch geimpfte und genesene Erkältete fordert der Infektiologe auf, einen Coronatest zu machen. Schliesslich könne es bei Geimpften zu Durchbrüchen kommen und bei Genesenen zu erneuten Ansteckungen. Symptome der verschiedenen Erkältungsviren sowie der milden Sars-Cov-2-Verläufe seien auch von Spezialisten kaum zu unterscheiden. «Wir sind immer noch in der Pandemiesituation und haben jetzt zusätzlich die Herausforderung, unter vielen Erkältungen Infektionen mit Sars-Cov2 herauszufiltern.»

Zudem werde wahrscheinlich bald die Grippe dazukommen, sagt Günthard. «Diese ist zum Beispiel gerade in Kroatien wieder aufgetaucht – und das früher als in normalen Grippewintern.» Deshalb sollten jetzt auch die Grippeimpfungen wiederaufgenommen werden.

Maske werde empfohlen

Erkälteten Mitarbeitenden rät Günthard, am Arbeitsplatz eine Maske zu tragen – auch wenn Geimpfte unter sich sind. Auf diese Weise werde verhindert, dass ganze Belegschaften angesteckt würden. Auch würden so die Testressourcen nicht überstrapaziert. «Lassen sich Erkältete massenweise testen, werden die Testkapazitäten wieder arg strapaziert.»

Auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) rät, das Weitergeben anderer viraler Atemwegserkrankungen zu limitieren. Der Bund gehe jedoch davon aus, dass die Testkapazitäten ausreichten, sagt BAG-Sprecher Jonas Montani. «Die PCR-Testkapazitäten liegen aktuell deutlich über denjenigen vor einem Jahr.» Dazu kämen die – auch durch den Einsatz des Zertifikats – sehr grossen Testkapazitäten mit Antigen-Schnelltests, auf die auch bei Erkältungswellen zurückgegriffen werden könne.

So gehst du gesund durch den Winter

Der Lebenswandel hat einen grossen Einfluss auf die Abwehrkräfte. Für ein gestärktes Immunsystem empfohlen wird genügend Schlaf. Grund dafür ist, dass sich der Körper während des Schlafs am besten regeneriert. Bereits eine Nacht mit Schlafmangel gilt als schwächend für das Immunsystem. Gift für das Immunsystem ist Stress. Weniger Hektik und Pausen im Alltag stärken die Abwehrkräfte. Auch die Ernährung wirkt sich positiv auf die Abwehrkräfte aus. Diese sollte gesund und ausgewogen sein. Dazu gehören genügend Obst und Gemüse sowie Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und Nüsse. Wer pro Tag eineinhalb bis zwei Liter Wasser oder ungesüssten Tee trinkt, aktiviert den Kreislauf und den Stoffwechsel. Ausserdem bringt Bewegung an der frischen Luft das Immunsystem in Schwung.

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