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Rampart Murder HouseGrosse Liebe endete mit zerstückelter Leiche

Addie Hall und Zack Bowen fanden sich während des Hurrikans Katrina. Ihre Liebesgeschichte endete in einer Tragödie.

von
Meret Steiger
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New Orleans: Hier lernten sich Addie Hall und Zack Bowen, beide stammten aus anderen Bundesstaaten, kennen. Beide arbeiteten in verschiedenen Bars im French Quarter.

New Orleans: Hier lernten sich Addie Hall und Zack Bowen, beide stammten aus anderen Bundesstaaten, kennen. Beide arbeiteten in verschiedenen Bars im French Quarter.

Chris Litherland / Wikipedia
Nach Hurrikan Katrina wurde die beiden zu Lokalhelden: Sie blieben trotz Evakuierung und versorgten andere Gebliebene mit Essen und Getränken.

Nach Hurrikan Katrina wurde die beiden zu Lokalhelden: Sie blieben trotz Evakuierung und versorgten andere Gebliebene mit Essen und Getränken.

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Kurz darauf begann der Abstieg: Addie und Zack nahmen Drogen, tranken zu viel und gerieten immer wieder in teils handgreifliche Auseinandersetzungen. Beide machten auch erste Bekanntschaft mit der Polizei und mussten ihre Wohnungen verlassen.

Kurz darauf begann der Abstieg: Addie und Zack nahmen Drogen, tranken zu viel und gerieten immer wieder in teils handgreifliche Auseinandersetzungen. Beide machten auch erste Bekanntschaft mit der Polizei und mussten ihre Wohnungen verlassen.

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Die Details zum Tod von Adriane «Addie» Hall und Zackery «Zack» Bowen sind so entsetzlich, das es schwer vorstellbar ist, wie es überhaupt so weit kommen konnte – bei einer Liebesgeschichte, die so märchenhaft begann.

Der Barkeeper und Addie

Zack Bowen, ein ehemaliger Sergeant der US-Armee, war ein netter Kerl mit vielen Freunden. Nach seiner Rückkehr aus dem Irak, wohlgemerkt mit diversen Abzeichen, konnte sich der attraktive und charmante junge Mann schnell ein neues Leben in New Orleans aufbauen.

Als Barkeeper im Buffa's, einer beliebten Bar im französischen Quartier, lernte er viele Menschen und vor allem auch viele Frauen kennen – aber keine hinterliess einen so bleibenden Eindruck wie Addie Hall. Sie arbeitete im The Spotted Cat, einer anderen Bar in New Orleans.

Eine Liebe wie im Märchen

Zack und Addie mochten sich auf Anhieb und besuchten einander in den nächsten Wochen bei der Arbeit. Dann kam Katrina: Der Hurrikan richtete in New Orleans grosse Schäden an und kostete hunderte von Menschenleben. Addie und Zack wurden in dieser Zeit Lokalhelden.

Sie blieben in New Orleans, auch als ihre Häuser evakuiert wurden. Sie bauten improvisierte Küchen und öffneten eine Bar für die Einheimischen. Addie wurde aber für eine andere Aktion berühmt: Um die Sicherheit in der Nachbarschaft zu erhöhen, zog die junge Frau bei vorbeifahrenden Polizisten jeweils blank – überraschenderweise mit Erfolg. Die Patrouillen in der Gegend wurden aufgestockt.

Der Anfang vom Ende

Die beiden überlebten Katrina nicht nur, sie blühten auf. Gegenüber den Medien sagte Addie: «Wir konnten zum ersten Mal die Sterne sehen. Normalerweise ist New Orleans 24 Stunden beleuchtet und jetzt war es zum ersten Mal dunkel. Es war friedlich, trotz der schrecklichen Umstände.»

Als nach und nach das Leben nach New Orleans zurückkehrte, änderte sich etwas an der Beziehungsdynamik zwischen Zack und Addie. Sie gerieten immer wieder in alkoholgeschwängerte Streitereien, manchmal kam es dabei sogar zu Handgreiflichkeiten.

Erste Kontakte mit der Polizei

Nach einem besonders aggressiven Streit wurde Addie festgenommen, nachdem sie einen Passanten mit einer Waffe bedroht hatte. Kurz darauf machte auch Zack eine erste Bekanntschaft mit der Polizei, als diese ihn wegen Drogenbesitzes festnahm. Im September 2006 wurde die Wohnung der beiden schliesslich zwangsgeräumt.

Sie zogen daraufhin in die 826 North Rampart Street, in ein Haus, in dessen Erdgeschoss sich ein spiritueller Voodoo-Tempel befand. Die Abwärtsspirale des Paares hatte zu diesem Zeitpunkt einen traurigen Tiefpunkt erreicht: Addie erschien nicht mehr zur Arbeit – sie und Zack verbrachten ihre Tage mit Drogen und Alkohol.

Vorwürfe von Untreue, Mord, Suizid

Am 5. Oktober 2006 beschuldigte Addie Zack, er habe sie betrogen. Elf Tage später beging Zack Suizid und sprang von einem Hausdach. Als die Polizei kurz darauf die Wohnung an der Rampart Street aufsuchte, erwartete sie eine Szene wie aus einem Horrorfilm. An den Wänden hatte Bowen mit Spraydosen verstörende Nachrichten hinterlassen («Ruft meine Frau an. Schaut in den Ofen. Ich bin ein Versager.»).

Im Ofen machten die Polizisten einen grässlichen Fund: Darin lagen die Arme und Beine von Addie Hall. Ihr Kopf und ihre Hände befanden sich in Töpfen auf dem Herd und waren gekocht, während sich ihr Oberkörper noch im Kühlschrank befand. Es gab Gerüchte, dass Zack Addie essen wollte, aber dafür fand die Polizei keine Beweise.

Verstörende letzte Worte

Bowens Abschiedsbrief konnte wenig Klarheit bringen. Er nahm darin die Schuld für Addies Tod auf sich, lieferte aber keine Begründung. Er beschreibt im Brief, wie kalt es ihn gelassen habe, seine Freundin zu töten – und wie erschreckend er den anschliessenden Mangel an Reue finde. Seine letzten 1500 Dollar habe er für gutes Essen, gute Drogen, Stripper und Freunde ausgegeben.

Ihre Freunde und Nachbarn sowie ganz New Orleans waren erschüttert. Dieses beliebte und einst erfolgreiche Paar so enden zu sehen, das wünschte sich niemand.

Spirituelle Kräfte oder Drogen?

Und die Nachbarn kamen nicht umhin, sich zu fragen: Können Alkohol und Drogen allein eine solche Tat auslösen? Oder waren vielleicht doch spirituelle Kräfte aus dem Voodoo-Tempel im Spiel? Eine Dokumentation von 2014 wollte dieser Frage auf den Grund gehen: Ein Team besuchte den Tempel.

Der Tempel wurde aber schon immer eher mit positiven Energien als mit bösen Dämonen in Verbindung gebracht – auch wenn man an spirituelle Kräfte glaubt, scheint diese Möglichkeit also eher unwahrscheinlich.

Halloween-Woche

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