Abfall, Kies, Antennen: Grosse Opposition gegen Deponiestandorte
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Abfall, Kies, AntennenGrosse Opposition gegen Deponiestandorte

Gegen die geplante Festlegung von zehn neuen Deponiestandorten im Kanton Zürich läuft die betroffene Bevölkerung Sturm. 14 000 Privatpersonen haben Einwendungen eingereicht.

Der Regierungsrat legt den Entwurf für eine Teilrevision des kantonalen Richtplans, die neben Deponien unter anderem auch Kiesabbaugebiete, Natel-Antennen und neue Gas- und Stromleitungen umfasst, dem Kantonsrat vor. Dieser wird abschliessend darüber entscheiden.

Bei der im letzten Herbst durchgeführten öffentlichen Auflage haben sich neben Verbänden, Parteien, Gemeinden, Nachbarkantonen und Regionalplanungsgruppen auch 15 800 Privatpersonen in 760 unterschiedlichen Anträgen geäussert, wie Baudirektor Markus Kägi am Donnerstag an einer Medienkonferenz sagte. 90 Prozent der Privatpersonen hätten die Streichung geplanter Deponiestandorte verlangt.

Zimmerberg- und Pfannenstiel-Deponien besonders umstritten

Allein 8000 Einwendungen richteten sich gegen die drei geplanten Standorte in Horgen und Wädenswil (Region Zimmerberg). Aber auch jene drei in Egg, Grüningen und Gossau (Pfannenstielgebiet) wurden von rund 5000 Einsprechern abgelehnt. Gegen den Standort Feldmoos in Niederhasli, der bereits im bestehenden Richtplan enthalten ist, gingen 1000 Einsprachen ein.

Für neue Deponien schlägt der Regierungsrat auch Standorte in Rüti, Wiesendangen und Neftenbach vor, zudem eine Erweiterung der Deponie in Lufingen/Embrach.

Deponie-Kapazität für 30 Jahre sichern

Der Regierungsrat will Abfall-Deponiekapazitäten für mindestens 30 Jahre sichern. Die flächendeckende Suche nach geeigneten Standorten hat laut Kägi ergeben, dass nur noch an wenigen Orten die strengen Anforderungen für Deponien erfüllt werden.

Von ursprünglich 250 abgeklärten Flächen seien schliesslich 15 übrig geblieben, sagte Jürg Suter, Chef des kantonalen Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL). Fünf von diesen sind bereits im Richtplan enthalten.

Betrieben werden die Deponien von Privatfirmen, Gemeinden oder Zweckverbänden. Die Festlegung im Richtplan sage noch nichts über die Realisierungswahrscheinlichkeit oder den konkreten Realisierungshorizont aus, sagte Kägi. Es gehe zunächst darum, dass die wenigen verbliebenen geeigneten Standorte nicht durch andere Nutzungen - wie Strassen oder Siedlungen - belegt würden.

Vorurteile gegen Deponien ausräumen

Die mangelnde Akzeptanz von Deponien hat gemäss Kägi vor allem mit Vorurteilen zu tun, die ausgeräumt werden müssten. Bilder von Abfall-Landschaften hätten sich tief eingeprägt. Aber auch solche von austretendem schwarzen Sickerwasser, das darauf hindeutet, dass im Innern der Deponie biologische und chemische Prozesse ablaufen.

Auf neuen Deponien werde aber nicht mehr der eigentliche Abfall abgelagert, sondern das, was nach der Abfallbehandlung übrig bleibe und nicht weiterverwertet werden könne. Im Kanton Zürich werde heute bereits 80 Prozent des Abfalls verwertet.

Die auf Deponien abzulagernden Rückstande von rund 300 000 Kubikmeter pro Jahr seien gegenüber früher «wesentlich unproblematischer». Seit 2000 dürften keine Stoffe mehr abgelagert werden, die in der Deponie zu Reaktionen führen und dadurch für die Umwelt zum Problem werden können, sagte Suter.

Neue Kiesabbaugebiete mit 18 Millionen Kubikmeter Volumen

In der Richtplan-Revision werden auch zusätzliche Materialgewinnungsgebiete festgelegt. Bisher sind 80 Millionen Kubikmeter planerisch festgelegt. Der Jahresverbrauch liegt bei 3 Millionen Kubikmeter.

Um die langfristige Planung der Kieswerke sicherzustellen, beantragt der Regierungsrat zusätzliche Gebiete mit einem Volumen von etwa 18 Millionen Kubikmeter festzulegen. (sda)

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