Aktualisiert 02.09.2015 17:40

Stadt St.Gallen

Grosse Solidaritätswelle für Asylzentrum

Aktuell sind im Riethüsli 76 Asylsuchende einquartiert – und es kommen jeden Tag mehr. Die Solidarität ist gross: Selbst auf Facebook wurden Kleider gesammelt.

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rar/sda
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Zurzeit sind in 76 Asylsuchende im Riethüsli einquartiert. Die Asylsuchenden müssen jeden Tag...

Zurzeit sind in 76 Asylsuchende im Riethüsli einquartiert. Die Asylsuchenden müssen jeden Tag...

Raphael Rohner
...intensiv Deutsch lernen und sich...

...intensiv Deutsch lernen und sich...

Raphael Rohner
...am Unterricht in den Grossklassen beteiligen.

...am Unterricht in den Grossklassen beteiligen.

Raphael Rohner

Auch im Kanton St. Gallen sind die kantonalen Asylzentren überbelegt und Alternativen dringend gesucht. Im St. Galler Stadtquartier Riethüsli ist seit knapp zwei Wochen eine Zivilschutzanlage zu einer provisorischen Asylunterkunft umfunktioniert worden. Die Räume werden vom benachbarten Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum (GBS) vermietet.

Am Dienstag wurden die Räumlichkeiten den Medien und der Öffentlichkeit gezeigt. Man sei im Quartier sehr wohlwollend empfangen worden, betonte Urs Weber, Leiter der Asylabteilung im Amt für Migration. Mehr noch: «In 25 Jahren habe ich es noch nie erlebt, dass so viele Hilfsangebote kommen.»

Kleidersammlung auf Facebook

Leute aus dem Quartier hätten sich gemeldet und gefragt, was benötigt werde. So habe jemand auf Facebook eine Kleidersammlung organisiert und eine pensionierte Lehrerin sich für Deutschstunden angeboten. Kleider, vor allem für den Winter, seien allerdings weiterhin gefragt – für die schmächtigen Eritreer eher kleinere Grössen.

Im behelfsmässigen Asylzentrum sollen bis zu 100 Personen Platz finden. Derzeit sind in den Räumen ohne Tageslicht 60 Männer und 16 Frauen untergebracht – bis Ende Woche dürfte die Anlage voll sein. In der blassgelb gestrichenen Zivilschutzanlage mit den schweren Betontüren wird geschlafen und gegessen. Bis zu 18 Männer teilen sich jeweils einen engen Raum mit niedriger Decke und Etagenbetten. Viel Raum für persönliche Habseligkeiten gibt es dort nicht.

Zivilschützer unterrichten

Zu den Vorbereitungen auf den nächsten Schritt gehören Deutschstunden. Als Lehrer figuriert im Zentrum einer der jeweils fünf Zivilschützer, die für die Betreuung tagsüber verantwortlich sind. Die Klasse mit etwa 30 Asylsuchenden wiederholt im Chor Wörter wie Tisch oder Stuhl – leicht verlegen angesichts der neugierigen Medienvertreter.

In einem anderen Raum ist ein Flipchart mit ersten Informationen über den Alltag im Zentrum aufgestellt – jeweils auf Englisch und als Bild: Die erste Zeichnung zeigt ein Schweizer Kreuz, darunter zwei sich schüttelnde Hände. Breakfast ist zwischen 8 und 9 Uhr, Lunchtime um 12 und um 18 Uhr gibt es Dinner.

Bei ihrer Ankunft bekommen die Männer und Frauen nach ihrer langen Flucht eine sogenannte Grundausstattung: Dazu gehören etwa hampoo und Zahnbürste. Nachher müssen sie mit ihrem Taschengeld selber auskommen: Ausbezahlt werden ihnen 4.60 Franken pro Tag. Das sind drei Franken Taschengeld, einen Franken für Kleider, 60 Rappen für Hygieneartikel.

Zum Konzept der Anlage gehört es, dass ein privater Sicherheitsdienst nachts und an den Wochenenden präsent ist. Die Polizei patrouilliert regelmässig. Sechs Monate lang, bis Ende Februar, bleibt das Asylzentrum im Riethüsli in Betrieb, danach wird es geschlossen – auch dann, wenn alles gut laufe, sagte Jürg Eberle, Leiter des St. Galler Migrationsamts.

Schüler und Lehrer begrüssen Asylunterkunft

Andrea Corciulo (43), Lehrer an der benachbarten Schule für Gestaltung, findet den Einsatz der GBS vorbildlich: «Es ist toll, wie die Schule für die Flüchtlinge einsteht und dass die Schulleitung mit voller Überzeugung dabei ist.» Corciulo weiter: «Es gibt mir ein gutes Gefühl und zeigt, dass die Menschlichen Werte die die Schule ihren Schülern vermitteln will auch eins zu eins für Menschen in der Not angewendet werden.»

Sara (19) und Lena (22), die im Riethüsli zur Schule gehen, sind der Meinung, dass man die Menschen zwar unterbringen muss, aber eine öffentliche Schule nicht der optimale Ort dafür sei: «Die Flüchtlinge könnten sich doch begafft fühlen.» Trotzdem sind die beiden gegenüber den Asylbewerbern positiv eingestellt: «Die Leute sind für sich und stören niemanden, sie können sich nach den Strapazen zurückziehen und werden in Ruhe gelassen.»

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