Aktualisiert 22.11.2018 09:05

Schule Schlieren

Grosse Solidaritätswelle für spendablen Lehrer

Jetzt kämpfen Politiker für Sek-Lehrer Stefan Achermann. Für den Lehrerverband ist der Fall zudem «sehr ungewöhnlich».

von
wed
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Ein Lehrer hat in Schlieren sein Schulzimmer mit privatem Material aufgerüstet, unter anderem mit Computern. Die Schulpflege fordert, dass diese nun verschwinden. Daraufhin kündigt der Lehrer.

Ein Lehrer hat in Schlieren sein Schulzimmer mit privatem Material aufgerüstet, unter anderem mit Computern. Die Schulpflege fordert, dass diese nun verschwinden. Daraufhin kündigt der Lehrer.

Seine Schüler versuchen nun die Schulpflege umzustimmen und haben Flugblätter aufgehängt und Unterschriften gesammelt.

Seine Schüler versuchen nun die Schulpflege umzustimmen und haben Flugblätter aufgehängt und Unterschriften gesammelt.

Dem 54-Jährigen schlägt eine grosse Solidaritätswelle entgegen. Sogar Politiker setzen sich für ihn ein.

Dem 54-Jährigen schlägt eine grosse Solidaritätswelle entgegen. Sogar Politiker setzen sich für ihn ein.

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Der Fall des Schlieremer Sek-Lehrers Stefan Achermann bewegt. Für rund 70'000 Franken kaufte er aus seinem eigenen Portemonnaie Equipment für sein Schulzimmer – unter anderem auch zusätzliche Computer. Nun hat Achermann aber gekündigt, weil die Schulpflege ihn ersucht hatte, die privaten IT-Installationen zurückzubauen. Grund: Die Schulzimmer werden für ein neues IT-Konzept umgebaut und standardisiert. Die Schüler sind enttäuscht, sammeln Unterschriften und verteilen Flugblätter im Schulhaus.

Nun ist der Fall des 54-jährigen Lehrers in der Politik der Stadt Schlieren angelangt. Am Mittwochmorgen hat CVP-Gemeinderätin Sarah Impusino eine Anfrage eingereicht. Sie will vom Stadtrat unter anderem wissen, aufgrund welcher Rechtsvorgaben sich die Schule Schlieren gegen den Gebrauch von individuellen Hilfsmitteln entschieden hat. Und: «Ist man sich bewusst, dass durch diese Vorgaben wertvolles Wissen aus Schlieren verschwinden könnte?»

Auch andere Fälle von Lehrern, die gekündigt haben

Impusino kennt Achermann, ihre Tochter geht zu ihm in die Schule: «Ich finde ihn super, sein Unterricht ist lebhaft, abwechslungsreich und begeistert die Schüler.» Es sei ein grosser Verlust, wenn Achermann nun effektiv die Schule verlassen würde. «Die Chancen, dass sich diese Situation nun noch ändert, sind aus meiner Sicht aber sehr klein», so Impusino.

Mit ihrer Anfrage will sie erreichen, dass die Schule immerhin nochmals über die Bücher geht. «Mir sind inzwischen auch andere Fälle bekannt, in denen junge und vielversprechende Lehrpersonen gekündigt haben – offensichtlich scheint hier nicht alles rundzulaufen.»

Lehrerverband: «In vieler Hinsicht sehr ungewöhnlich»

Beim Dachverband für Lehrerinnen und Lehrer in der Schweiz (LCH) hat man ebenfalls Kenntnis von dem Fall in Schlieren, wie Beat A. Schwendimann, Leiter der Pädagogischen Arbeitsstelle, bestätigt. «Diese Situation ist gleich in vieler Hinsicht sehr ungewöhnlich.» So sei es extrem selten, dass ein Lehrer selbst so viel Geld investiere; und auf der anderen Seite spreche man normalerweise bei der Chancengerechtigkeit davon, dass ein Schulzimmer oder eine Schule zu schlecht ausgestattet sei und nicht zu gut.

«Grundsätzlich ist das Verhalten von Herrn Achermann sehr begrüssenswert und es ist schade, wenn ein motivierter Lehrer wegen einer solchen Meinungsverschiedenheit geht», so Schwendimann. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn sich die beiden Parteien hätten einigen können. «Lehrpersonen sollten bei der Diskussion um die Ausrüstung der Schulzimmer miteinbezogen werden.»

Keine Sorge um neuen Job für Achermann

Die digitale Infrastruktur ist in der ganzen Schweiz ein wichtiges Thema bei den Schulen. «Es gibt vorbildliche Gemeinden und Kantone, die dafür eigenes Budget zu Verfügung stellen – es gibt aber auch das Gegenteil, wo die Kosten für digitale Geräte auf die Eltern abgewälzt werde», sagt Schwendimann. Dann sei die Chancengerechtigkeit besonders gefährdet. «Es ist dann eine Frage des Einkommens der Eltern, und alle Schüler haben unterschiedliche Geräte im Unterricht.»

Zudem habe man im Informatikbereich zurzeit einen grossen Bedarf an gut ausgebildeten Lehrpersonen – für die Weiterbildungen gebe es gar Wartelisten. Schwendimann glaubt daher nicht, dass sich Achermann Sorgen um eine Weiterbeschäftigung machen muss. Im Gegenteil: «Wenn er beim Arbeitsort flexibel ist, sollte es nicht schwierig werden, dass er bald wieder eine neue Stelle hat.»

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