Gescheiterte Trainer: Grosse Spieler werden nicht immer grosse Trainer

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Gescheiterte TrainerGrosse Spieler werden nicht immer grosse Trainer

Fast alle Fussballtrainer auf höchstem Niveau waren früher selbst Spieler. Doch nicht aus jedem grossen Spieler wird später ein erfolgreicher Trainer.

von
ofi

So ziemlich jeder erfolgreiche Fussballtrainer war einst selbst als Spieler auf den Fussballplätzen dieser Welt unterwegs – nicht jeder mit gleich grossem Erfolg. Umgekehrt ist eine erfolgreiche Spielerkarriere noch lange kein Garant für einen von Titeln gesäumten Weg als Trainer. Nur gehen die wenig erfolgreichen Trainer/Ex-Spieler leicht wieder vergessen – oder bleiben gerade wegen ihres Scheiterns in Erinnerung.

Ganz so weit ist es bei Gennaro Gattuso noch nicht. Aber der italienische Ex-Weltmeister (2006) hat gerade sein drittes Trainer-Engagement nach kurzer Zeit beendet. Zugegeben, sein Einstand als Spielertrainer beim FC Sion war angesichts seines Chefs Christian Constantin von vornherein zum Scheitern verurteilt. Danach hielt er sich bei Palermo aber auch nur gerade sechs Spiele lang, und nun hat er seinen dritten Trainerjob auf Kreta nach sieben Runden hingeschmissen. Fans des Klubs bewogen ihn aber zum Rücktritt vom Rücktritt. In der Nacht demonstrierten mehrere Hundert Fans vor Gattusos Haus für einen Verbleib des Weltmeisters von 2006. «So eine Zuneigung habe ich noch nie erlebt. Ich bin es der Stadt Heraklion und dem Publikum schuldig, dass ich weitermache», so Gattuso.

Andere ehemalige Weltklasse-Spieler, die sich nach der aktiven Karriere ins Trainermetier gewagt haben, sind mehr oder weniger grandios gescheitert – eine nicht vollständige Auswahl:

Lothar Matthäus: Der Deutsche gewann als Spieler so ziemlich alles, was es zu gewinnen gibt, und das oft als entscheidender Mann auf dem Platz oder sogar als Captain. Sein Palmarès als Trainer liest sich dagegen wenig berauschend: Rapid Wien, Partizan Belgrad und CA Paranaense als Vereins- und als Nationaltrainer Ungarn und Bulgarien. Seit 2011 wartet er auf einen Trainerjob.

Diego Maradona: Direkt nach seiner Spielerkarriere, die – bis auf das unrühmliche Ende an der WM 1994 – gepflastert war von Erfolgen, versuchte er sich kurze Zeit als Vereinstrainer. Die grosse Überraschung war dann aber sein Engagement als Nationaltrainer von Argentinien, das von wenig Erfolg gekrönt war. Danach scheiterte er auch noch als Vereinstrainer bei al-Wasl in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Andreas Brehme: Der defensive Mittelfeldspieler machte mit seinem Penaltytreffer Deutschland zum Weltmeister 1990 und führt Kaiserslautern 1998 als Aufsteiger zum Meistertitel. Seine Versuche als Trainer machen sich dagegen sehr bescheiden aus. In Kaiserslautern, Unterhaching und als Co-Trainer von Giovanni Trapattoni beim VfB Stuttgart war der gute Saisonstart mit Lautern 2000 der grösste Erfolg.

Paul Gascoigne: Der geniale Mittelfeldspieler, der an der WM 1990 die Fussballwelt verzückte, machte gegen Ende seiner aktiven Karriere vor allem mit Eskapaden abseits des Platzes Schlagzeilen. 2004 versuchte er sich als Spielertrainer beim viertklassigen Boston United und im Jahr darauf als Trainer des Sechstligisten Kettering Town. Nach sechs Wochen wurde seine Anstellung gekündigt, angeblich, weil er mehrfach angetrunken zum Training erschienen sei.

Auch ehemalige Schweizer Spitzenfussballer haben sich mit mässigem Erfolg als Trainer versucht:

Georges Bregy: Unvergessen ist sein Freistosstor an der WM 1994 gegen die USA, und in Bern erinnern sich die YB-Fans nur zu gern an den Meistertitel 1986 unter Bregys Regie zurück. Als Trainer schien Bregy auf dem Weg nach oben. Von Lausanne über Thun führte sein Weg zum FC Zürich. Als er dort aber nach zwei Jahren mit einer ziemlich bescheidenen Bilanz abtrat, war das gleichbedeutend mit dem Ende seiner Trainerkarriere. Später betreute er die unterklassigen Thalwil, Stäfa und Red Star Zürich.

Sehen Sie sich weitere Beispiele in der Bildstrecke oben an.

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