Klimagipfel in Cancún: Grosser Druck für Ministerrunde
Aktualisiert

Klimagipfel in CancúnGrosser Druck für Ministerrunde

Der Erfolgsdruck auf dem Klimagipfel in Cancún wächst. Am Mittwoch reist auch Bundespräsidentin Leuthard an die Konferenz.

Gelingt es, in Cancún ein verbindliches Klima-Abkommen abzuschliessen?

Gelingt es, in Cancún ein verbindliches Klima-Abkommen abzuschliessen?

Um den Verhandlungsverlauf zu beschleunigen, setzte Konferenzpräsidentin Patricia Espinosa für die wichtigsten Themenbereiche jeweils zwei Minister ein - je einen aus einem Industrie- und einem Entwicklungsland.

So werden sich Grossbritannien und Brasilien um das in Cancún höchst umstrittene Thema eines Nachfolgeabkommens für das Kyoto- Protokoll kümmern. Bundespräsidentin und Umweltministerin Doris Leuthard wird am Mittwoch erwartet, einen Tag nachdem die offizielle Ministerrunde begonnen hat.

Gegen eine Fortsetzung des Kyoto-Prozesses hatte sich eine Gruppe um Japan in scharfer Form ausgesprochen und damit besonders die Entwicklungsländer brüskiert. Diese bestehen auf einer Weiterführung des verbindlichen Abkommens.

Verhandlungsleiterin Espinosa bekräftigte ihre Vorgehensweise, weiter alles transparent zu verhandeln. «Es wird keinen separaten oder parallelen Ministerprozess geben», sagte sie am Sonntag (Ortszeit) bei einem informellen Treffen, zu dem bereits zahlreichen Minister angereist waren. Mangelnde Transparenz hatte zuletzt in Kopenhagen für grossen Ärger gesorgt.

Die Organisation Germanwatch lobte Brasilien, Schweden, Norwegen und Deutschland für ihren Klimaschutz. Sie stehen ganz oben auf dem Klimaschutz-Index, der 57 Länder mit dem grössten Kohlendioxidausstoss betrachtete. Brasilien schnitt in allen bewerteten Punkten - Energieverbrauch und Treibhausgasausstoss, Emissionstrend und Klimapolitik - gut ab.

Schweiz nicht top

Die Schweiz gehört nicht zu jenen Ländern, die sich am meisten für den Klimaschutz einsetzen. Auf einer Rangliste von europäischen Umweltorganisationen landet die Schweiz lediglich auf Platz 13.

Bewertet wurden drei Bereiche: Die Klimapolitik der einzelnen Staaten, die Höhe des CO2-Austosses sowie der Trend bei den Emissionen, wie der WWF Schweiz am Montag mitteilte. Der WWF gehört der Organisation Climate Action Networks Europe an, welche zusammen mit Germanwatch die Rangliste erstellte.

Die UNO sieht die Gefahr, dass man sich jetzt nur noch auf kleine Etappen verständigt: «Wir müssen einige Schritte vorankommen, oder die Menschen werden das Vertrauen in die UNO verlieren», sagte der Chef des UNO-Klimarats, Rajenda Pachauri.

Konflikt China-USA

Die Chancen für einen Erfolg sind seit Kopenhagen kleiner geworden, vor allem weil die Rivalität zwischen den USA und China, den grössten Treibhausgas-Produzenten, grösser geworden ist.

Die Demokraten um US-Präsident Barack Obama haben an Einfluss verloren, eine Obergrenze beim Kohlendioxid(CO2)-Ausstoss ist nicht mehr im Gespräch. China wiederum verweigert sich hartnäckig jeglichen internationalen Verpflichtungen und nennt nur nationale Ziele.

Europa, bislang die treibende Kraft in den Verhandlungen, möchte daher zumindest ein kleines Paket erreichen: Etwa mit einer Festschreibung der einzelnen CO2-Reduktionspläne der Länder, einem Verfahren zum Überprüfen der Verpflichtungen von Staaten sowie der offiziellen Einigung auf ein Zwei-Grad-Ziel. Die Erdtemperatur soll also im Schnitt nicht mehr als zwei Grad über die vorindustrielle Zeit hinaus steigen.

Detailregelungen

Eingebunden werden sollen auch Detailregelungen für den Klimafonds: Mit diesem soll die Anpassung der Entwicklungsländer an den Klimawandel finanziert werden. Insgesamt soll die Welt rund 32 Milliarden Franken aufbringen.

Würde dies umgesetzt, könnte Cancún wohl als Erfolg bezeichnet werden. Ein Weltklimavertrag oder zusätzliche CO2-Verpflichtungen - für das Zwei-Grad-Ziel dringend notwendig - werden gar nicht diskutiert. Sie könnten allenfalls in Folgekonferenzen Thema werden.

Im Jahr 2012 läuft allerdings der Klimavertrag von Kyoto aus, der immerhin für fast alle Industriestaaten - abgesehen von den USA - galt.

(sda)

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