Aktualisiert 19.12.2011 12:44

Kim Jong-Un

«Grosser Nachfolger» und Basketball-Narr

Neu lenkt Kim Jong-Un die Geschicke Nordkoreas. Von seinem Vater Kim Jong-Il hat er nicht nur die Macht, sondern auch die Leidenschaft für eine Sportart des Klassenfeinds geerbt.

von
kri

Nach dem Ableben des «geliebten Führers» Kim Jong-Il ist dessen jüngster Sohn Kim Jong-Un zum neuen starken Mann Nordkoreas erklärt worden. Der erst 27-Jährige wird somit auch Oberbefehlshaber der Koreanischen Volksarmee inklusive Atomwaffen und Interkontinentalraketen. Doch wer ist dieser Kim Jong-Un? Lange Zeit war er nur ein Phantom. Man wusste, dass er existiert, veröffentlichte Fotos gab es von ihm bestenfalls aus seiner Kindheit – von der nur wenig bekannt ist. Die Familienverhältnisse der Kims gelten in dem kommunistischen Land als Tabuthema.

In einem Buch schreibt der frühere Koch von Kim Jong-Il, Kenji Fujimori, dass der dritte von drei bekannten Söhnen seinem Vater am meisten gleiche – sowohl körperlich als auch hinsichtlich des Charakters. Kim Jong-Un soll früh einen Sinn für Autorität und Macht entwickelt haben, schrieb die südkoreanische Zeitung «The Korea Herald». Wie sein Vater leidet er angeblich an Diabetes. Kim Jong-Un wurde um das Jahr 1983 geboren. Seine Mutter war die dritte Frau Kim Jong-Ils, die Tänzerin Ko Yong Hi. Sie starb Medienberichten zufolge vor gut fünf Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.

«Gut getroffen»

Ihr Sohn soll bis 2000 unter einem anderen Namen in Bern die Schule besucht haben. Er spricht daher Deutsch, Englisch sowie Französisch – und anscheinend auch ein wenig «Bärndütsch». Das Westschweizer Wochenmagazin «L'Hebdo» berichtete im März 2010, Kims Mitschüler hätten ihn als schüchtern und introvertiert beschrieben. Er sei gerne Ski gefahren und habe sich für Basketball interessiert - ebenfalls eine Leidenschaft, die er mit seinem Vater teilt. Die damalige US-Aussenministerin Madeleine Albright soll ihm bei ihrem Besuch 2000 in Pjöngjang einen von US-Basketballstar Michael Jordan signierten Ball überreicht haben.

Simon Lutsdorf (30), vermutet, in jenen Jahren einige Male mit dem «grossen Nachfolger» auf dem Gelände des Gymnasiums Köniz Basketball gespielt zu haben. Der schon damals leicht übergewichtige und eher kleingewachsene Kim Jong-Un sei ihm als «guter Spieler» in Erinnerung geblieben, der «oft getroffen habe», sagte er gegenüber 20 Minuten Online. Stets dabei war eine Entourage aus Erwachsenen, die den Spielstand notierten. (kri/sda/dapd)

Eine Dynastie des Schreckens

Kim Il Sung: Der zum «Grossen Führer» aufgestiegene Bauernsohn wurde 1912 geboren. 1931 wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei Chinas und bekämpfte in der Mandschurei als Kommandant einer Guerilla-Einheit die japanischen Besatzer. Nach der Besetzung des Nordens von Korea durch sowjetische Truppen im Oktober 1945 wurde Kim Il Sung dort Stalins Mann. Als 1948 die Demokratische Volksrepublik Korea ausgerufen wurde, liess er sich zum Premier ernennen. Mit dem Segen des Kreml soll er 1950 den Ausbruch des Koreakriegs provoziert haben. Kim regierte den abgeschotteten Staat mit eiserner Hand bis zu seinem Tod 1994. Der auch danach gottgleich verehrte «Grosse Geliebte Vater» trägt bis heute den ihm vorbehaltenen Titel «Ewiger Präsident»

Kim Jong Il: Kim Jong Il wurde vom Vater systematisch auf die Nachfolge vorbereitet. Geboren wurde «der zweite Kim» 1942 (oder 1941) in einem Sowjet- Ausbildungslager im russischen Chabarowsk. Die nordkoreanische Propaganda verlegte seine Geburt in ein Widerstandscamp am Fuss des «heiligen» Berges Paektu - während der japanischen Besetzung Koreas. Der «Geliebte Führer» setzte den despotischen Kurs seines Vaters fort. In seine Herrschaftszeit fällt der vollständige Zusammenbruch der Wirtschaft mit Hungersnöten in dem hochgerüsteten Land. In westlichen Medien wurde Kim Jong Il oft als Lebemann dargestellt. Mit verschiedenen Frauen soll er mindestens vier Kinder haben. Mit 69 Jahren verstarb er am 17. Dezember 2011.

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