80 Jahre Penicillin: Grosserfolg gegen kleine Killer
Aktualisiert

80 Jahre PenicillinGrosserfolg gegen kleine Killer

Eine winzige Menge Pilzextrakt in der Petrischale, ein grosser Erfolg für die Menschheit: Vor 80 Jahren machte der Forscher Alexander Fleming eine bedeutende pharmazeutische Entdeckung. Doch was der Schotte nicht wusste: Bakterien geben sich nicht kampflos geschlagen.

von
Runa Reinecke

Schon im 19. Jahrhundert arbeiteten Wissenschaftler unter Hochdruck an der Entschlüsselung eines komplizierten Rätsels: Die damals als nahezu unlösbar erscheinende Aufgabe bestand darin, wirksame Substanzen zur Behandlung von Infektionskrankheiten zu finden. Immerhin: Die «Schuldigen» an vielen, damals noch zum Tod führenden Leiden wurden gefunden: Die Mikroben. Dem Nachschlagewerk «Brockhaus» zufolge war man zu diesem Zeitpunkt sicher, schnell Medikamente gegen die tödlichen Erreger der Pest, Tuberkulose oder Cholera zu finden.

Doch die anfängliche Euphorie ebbte ab: Es folgten zum einen Versuche mit synthetischen Farbstoffen, um Bakterienkulturen besser sichtbar zu machen, zum anderen wurde auf eine biochemische Wirkung der in den Farbstoffen enthaltenen Substanzen gehofft. Zwar stiess man auf diese Weise Anfang des 20. Jahrhunderts auf Salvarsan, einen Stoff, der bei Syphilis Anwendung fand - doch die Behandlung mit diesem Mittel war stets von schwersten Nebenwirkungen begleitet.

Die folgenden Jahre waren geprägt von kleinen Fortschritten und Rückschlägen. Doch dann - am 3. September 1928 - gelang dem schottischen Bakteriolgen Alexander Fleming der Durchbruch: Er experimentierte mit dem Bakterium Staphylococcus aureus, einem Auslöser der Lungenentzündung. Fleming beobachtete, dass sich das Bakterium durch den Kontakt mit einem bestimmten Pilzextrakt auflöste. Dieser Pilzkultur gab Fleming den Namen Penicillium notatum. Das Besondere: Auf die menschlichen Zellen hatte der Pilz keinerlei Auswirkung. Einige Jahre später gelang es, das «Wundermittel» in grösseren Mengen synthetisch herzustellen.

Bald kam das Antibiotikum Penicillin zur Behandlung unterschiedlichster Infektionserkrankungen zum Einsatz - zunächst mit grossem Erfolg. Doch das «Erreger-Imperium» sollte bald zurückschlagen.

Kampf gegen den Killer mit Tendenz zur Resistenz

Während es zunächst so aussah, als ob mit Penicillin der Kampf gegen die Infektionen gewonnen sei, rüsteten sich die Bakterien gegen ihren Angreifer: Sie mutierten. Das Penicillin bekam Unterstützung von anderen antibiotischen Wirkstoffen - doch sie trugen nur dazu bei, dass ganze Bakterienstämme multiresistent wurden. Bis heute befinden sich Forscher im andauernden Wettkampf mit den wandlungsfähigen Erregern.

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