Forscher besorgt: Grosses Fledermaus-Sterben in den USA
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Forscher besorgtGrosses Fledermaus-Sterben in den USA

Ein Pilz aus Europa hat in den letzten Jahren bei den Fledermäusen in den USA zu einem regelrechten Massensterben geführt. Zu Hunderten werden die Tiere tot im Schnee vor ihren Höhlen gefunden.

In einigen Winterquartieren brach die Zahl der Fledermäuse um 80 bis 99 Prozent ein, zu Hunderten wurden die Tiere tot im Schnee vor den Höhlen gefunden.(Bild: AP Photo/Alan Hicks, Science)

In einigen Winterquartieren brach die Zahl der Fledermäuse um 80 bis 99 Prozent ein, zu Hunderten wurden die Tiere tot im Schnee vor den Höhlen gefunden.(Bild: AP Photo/Alan Hicks, Science)

Er verbreite sich rasch über den Kontinent und habe bereits sieben Fledermausarten befallen, berichten Forscher im Journal «Science». In Europa dagegen scheinen die Tiere immun zu sein gegen den Pilz.

«Das ist eine der schlimmsten Wildtierkrisen, die wir je in Nordamerika hatten», sagte Winifred Frick von der Universität Boston. Der erst vor vier Jahren entdeckte Erreger verbreite sich sehr rasch. Betroffen sind ausser den USA auch West- und Südkanada.

Der Pilz Geomyces destructans befällt laut den Forschern Nase, Flügelmembranen und die Ohren der Fledermäuse, während sie im Winterschlaf in ihren Höhlen hängen. Dadurch werden sie öfters wach und verhungern bereits vor dem Frühjahr. Weil der Pilz weisse Polster bildet, erhielt die Krankheit den Namen Weissnasen-Syndrom.

Laut der Studie befällt der Pilz heute sieben Fledermausarten. Alle befallenen Arten der Feldermäuse seien Insektenfresser, die Landwirten viel Spritzmittel ersparten, berichten die US-Autoren. Eine Art, Myotis lucifugus, könnte laut den Forschern in den nächsten 20 Jahren im Nordosten der USA sogar aussterben.

Wenig Probleme in Europa

Erst am Dienstag hatten europäische Forscher berichtet, dass der Pilz auch hier vorhanden, aber weniger gefährlich ist. Bei einer umfassenden Untersuchung in 350 Fledermaus-Winterquartieren - davon zehn in der Schweiz - fanden die Wissenschaftler insgesamt 21 Tiere mit dem Pilz. Vier infizierte Fledermäuse stammten aus der Schweiz.

Zu ihrer Überraschung fanden die Forscher keine Hinweise darauf, dass der Pilz die europäischen Fledermäuse umbringt. Weshalb die hiesigen Fledermäuse anscheinend immun sind, ist unklar, wie Studienmitautor Fabio Bontadina von der Forschungs- und Beratungsgemeinschaft SWILD in Zürich der Nachrichtenagentur SDA sagte.

Eine Theorie sei, dass in den USA virulentere Pilzstämme zirkulierten. Molekularbiologische Vergleiche zeigten allerdings eine völlige Übereinstimmung von Genabschnitten des Pilzes aus Europa mit jenen aus den USA.

In USA eingeschleppt?

Eine andere These ist laut dem Forscher, dass der Pilz ursprünglich aus Europa stammt. Die hiesigen Fledermäuse hätten in diesem Fall im Lauf der Evolution mit dem Erreger umgehen gelernt. In den USA dagegen wurden die Tiere nach der Einschleppung des Pilzes völlig unvorbereitet überrascht.

Ein weiterer Unterschied zwischen den USA und vor allem der Schweiz ist laut Bontadina die Grösse der Winterquartiere. In den USA überwintern bis zu 50'000 Fledermäuse in einer einzigen Höhle. Im Jura und in den Alpen dagegen gebe es viele Höhlen mit jeweils nur wenigen Tieren. Das vermindere das Übertragungsrisiko.

(sda)

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