Sorge wegen Artensterben - Grossstadträte wollen räuberischen Katzen die Lust am Jagen nehmen  
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Sorge wegen ArtensterbenGrossstadträte wollen räuberischen Katzen die Lust am Jagen nehmen

Katzen, die sich in Luzern frei bewegen können, gefährden die Biodiversität: Darum möchten zwei Grossstadträte vom Stadtrat jetzt wissen, wie negative Auswirkungen vermindert werden können. Der Tierschutz sieht die Problematik aber beim Menschen.

von
Daniela Gigor
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Katzen sind Raubtiere. Darum jagen freilaufende Katzen gerne Mäuse und andere Tiere. 

Katzen sind Raubtiere. Darum jagen freilaufende Katzen gerne Mäuse und andere Tiere.

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Laut einer amerikanischen Studie töte jede freilaufende Katze pro Woche mindestens ein Wildtier wie etwa Mäuse, Vögel oder auch Amphibien.

Laut einer amerikanischen Studie töte jede freilaufende Katze pro Woche mindestens ein Wildtier wie etwa Mäuse, Vögel oder auch Amphibien.

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Nun wollen zwei Grossstadträte wissen, was man in der Stadt Luzern tun kann, damit freilaufende Katzen die Biodiversität nicht weiter schwächen.  

Nun wollen zwei Grossstadträte wissen, was man in der Stadt Luzern tun kann, damit freilaufende Katzen die Biodiversität nicht weiter schwächen.

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Darum gehts

  • Zwei Luzerner Grossstadträte wollen vom Stadtrat wissen, was er über die Population der Haustiere weiss und was unternommen werden kann, damit diese Raubtiere die Biodiversität nicht weiter schwächen.

  • Ein ähnlicher Vorstoss wie in der Stadt Luzern wurde im Dezember 2020 schon im Kanton Aargau eingereicht.

  • Die Aargauer Regierung antwortet unter anderem: Der Einfluss von Katzen als Räuber in der Natur sei nicht zu unterschätzen.

  • Der Schweizer Tierschutz sieht als Verursacher der Verschlechterung der Biodiversität aber nicht die Katzen, sondern den Menschen.

Die Katze ist das liebste Haustier der Schweizer. Gemäss einer Statistik des Verbands für Heimtiernahrung «stieg der Anteil der Haushalte mit Katzen in der Schweiz von 2012 bis 2020 von 24.2 auf 30 Prozent», schreiben die beiden Grosstadträte Lukas Bäurle (Grüne/Junge Grüne) und Michael Zeier-Rast (CVP) in einem Vorstoss an die Stadtregierung. Mit diesem Anstieg leben rund 1,7 Millionen Katzen in Schweizer Haushalten. Damit steht die Schweiz mit 19,5 Katzen pro 100 Einwohner europaweit an der Spitze. «Rechnet man diese Zahl auf Luzern um, so ergibt dies, dass in der Stadt rund 16’000 Katzen gehalten werden», sagt Bäurle auf Anfrage. Er hält fest: «Eine Katze hat durchaus viele positive Auswirkungen auf den Menschen und ich bin kein Katzengegner. Aber wir müssen sehen, wie wir das Zusammenleben von Haustieren, Wildtieren und die Biodiversität verbessern können.»

Laut einer amerikanischen Studie töte jede freilaufende Katze pro Woche mindestens ein Wildtier wie etwa Mäuse, Vögel oder auch Amphibien. Ziel der Interpellation ist es laut Bäurle, diese negativen Auswirkungen möglichst zu beziffern und Ansätze zu prüfen, um die negativen Auswirkungen zu vermindern. Darum wollen die beiden Politiker vom Luzerner Stadtrat etwa wissen, ob genaue Zahlen bekannt sind, wie viele Katzen in der Stadt gehalten werden oder wie viele Tiere Freigänger sind.

Der ähnliche Vorstoss im Kanton Aargau wurde beantwortet

Ausserdem fragen Bäurle und Zeier-Rast, ob es bekannt sei, wie viele Kleintiere jährlich durch Hauskatzen in der Stadt Luzern getötet würden und welche Arten besonders betroffen sind – oder ob es gar Tierarten gibt, die aufgrund der Haustiere lokal gefährdet oder verschwunden seien. Beantworten sollte der Stadtrat etwa auch, welche Aufsichts- und Vollzugsaufgaben in Bezug auf die Haltung von Hauskatzen die Stadt Luzern heute habe oder ob sich der Stadtrat vorstellen könne, auf städtischer Ebene eine Registrierungs-, eine Kastrations- oder eine Sterilisationspflicht einzuführen oder eine Katzensteuer. Eine Katzensteuer sieht Bäurle als mögliche Massnahme, damit weniger Büsi als Haustiere gehalten würden. «Wir sehen uns quasi als Anwälte der Wildtiere», sagt Bäurle weiter. Je nachdem, wie die Antworten des Luzerner Stadtrates ausfallen, soll das weitere politische Vorgehen besprochen werden.

Einen fast identischen Vorstoss der GLP und SP gab es im Dezember 2020 bereits im Kanton Aargau. In der Antwort des Regierungsrates ist zu lesen, dass Katzen jene Tiere jagen, bei denen der Jagdaufwand am geringsten und die Erfolgschance am höchsten sind. Deshalb würden meistens Mäuse oder häufige Singvogelarten wie Amsel, Buchfinken oder Rotkehlchen erlegt. «Es ist wissenschaftlich belegt, dass Katzen zum lokalen Aussterben von Reptilien und Vögeln beitragen», so die Aargauer Regierung weiter. Und: «Katzen jagen vor allem dort erfolgreich, wo sich Beutetiere aufgrund der örtlichen Gegebenheiten kaum verstecken können und somit eine leichte Beute darstellen.» Der Einfluss von Katzen als Räuber in der Natur ist laut Aargauer Regierung nicht zu unterschätzen.

Menschliches Eingreifen in die Natur ist schädlicher

Der Schweizer Tierschutz sieht als Verursacher der Verschlechterung der Biodiversität aber nicht die Katzen, sondern den Menschen: «Dass wir eine bedauerliche Abnahme der Artenvielfalt haben, ist eine Tatsache. Daran schuld sind unter anderem der Chemieeinsatz in der intensiven Landwirtschaft, die zunehmende Verbetonierung unserer Landschaft, die Verbannung der Natur aus unseren ‹gepflegten› Gärten, Raubtiere wie Greifvögel, Fuchs, Marder und vielleicht auch ein bisschen die Katzen», sagt Helen Sandmeier, Sprecherin beim Schweizer Tierschutz STS.

Wie in anderen Ländern gäbe es auch in der Schweiz das bekannte Problem der unkontrollierten Vermehrung der herrenlosen Katzen und der Katzen aus dem Umfeld der Bauernhöfe. Sandmeier: «Gegen dieses Problem kämpfen der STS und seine Sektionen seit Jahren mit sehr grossem finanziellen und personellen Aufwand in Form von landesweiten Kastrationsaktionen. Das ist die einzige sinnvolle und erfolgsversprechende Lösung.»

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