Grossstreik legt Belgien lahm
Aktualisiert

Grossstreik legt Belgien lahm

Ein landesweiter Streik gegen die geplante Anhebung des Renteneintrittsalters hat das öffentliche Leben in Belgien am Freitag weitgehend lahm gelegt.

Der Nah- und Fernverkehr ruhte fast völlig, die Automobilindustrie sowie Metallfabriken mussten ihre Produktion einstellen, Fernsehsender und Radiostationen sendeten kein Programm. Nur die Züge in die Hauptstadt fuhren, um etwa 70.000 Menschen zur zentralen Kundgebung zu bringen.

«Warum sollten die Alten länger arbeiten, obwohl die Jungen keinen Job finden», erklärte ein 25-jähriger Erdölarbeiter aus Antwerpen die Position der Streikenden. «Das würde uns ein Jahrhundert zurückwerfen.» Die Arbeitslosenquote der jungen Menschen liegt in Belgien bei 19 Prozent, im Durchschnitt sind acht Prozent der Erwerbsfähigen ohne Job.

Schon am 7. Oktober hatten die Gewerkschaften mit einem Generalstreik gegen die Pläne der Regierung protestiert, nach denen es künftig schwieriger werden soll, ohne Abstriche in den Vorruhestand zu gehen. Ministerpräsident Guy Verhofstadt hat Kompromisse jedoch ausgeschlossen. Um die Rentenkassen zu entlasten, sollen Beschäftigte künftig nicht mehr mit 58, sondern frühestens mit 60 Jahren in den Ruhestand gehen können. Anderenfalls könnten künftige Rentenansprüche nicht mehr bezahlt werden, erklärte Verhofstadt.

Die Gewerkschaften drohten mit weiteren Massnahmen. «Wenn wir keine positive Antwort bekommen, wird die Stimmung hitziger», sagte der Chef der sozialistischen Gewerkschaft, Xavier Verboven. Der nächste Streik ist für den 21. November angekündigt.

(dapd)

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