Berner Verbot: Grossanlässe stehen auch in anderen Kantonen vor dem Aus
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Berner VerbotGrossanlässe stehen auch in anderen Kantonen vor dem Aus

Der Kanton Bern erlaubt nur noch Veranstaltungen bis 1000 Personen. Während die Hockeyliga tobt, wollen auch andere Kantone die Bewilligungen prüfen.

von
Daniel Waldmeier
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Ein Gedränge vor Stadien will man in Bern nicht mehr sehen. 

Ein Gedränge vor Stadien will man in Bern nicht mehr sehen.

Nadia van Rooijen
Die Situation sei chaotisch gewesen, schildert eine Leser-Reporterin Anfang Oktober. 

Die Situation sei chaotisch gewesen, schildert eine Leser-Reporterin Anfang Oktober.

Nadia van Rooijen
Noch am 1. Oktober spielte der SC Bern zu Hause vor 6750 Fans, damit ist ab dem 19. Oktober vorerst Schluss. 

Noch am 1. Oktober spielte der SC Bern zu Hause vor 6750 Fans, damit ist ab dem 19. Oktober vorerst Schluss.

Urs Lindt (Freshfocus)

Darum gehts

  • Laut GDK-Präsident Lukas Engelberger stehen Grossveranstaltungen nicht nur in Bern auf dem Prüfstand.

  • Das hat auch mit dem neuen Versammlungsverbot im öffentlichen Raum zu tun, das der Bundesrat beschlossen hat.

  • Es vertrage sich schlecht mit Grossveranstaltungen mit Tausenden Leuten, sagt Engelberger.

  • Der Präsident der Eishockeyliga übt Kritik: «Es gibt keinen einzigen nachgewiesenen Corona-Fall aus einem Stadion.»

In Bern ist es schon wieder vorbei mit der Atmosphäre im Fussball- und Hockeystadien: Ab nächster Woche dürfen nur noch maximal 1000 Zuschauer rein. Der Kanton kehrt damit zur Regel zurück, die vor dem 1. Oktober galt.

Laut dem Sprecher der Berner Gesundheitsdirektion, Gundekar Giebel, geht es beim Verbot von Grossveranstaltungen mit über 1000 Personen darum, die Ansteckungsgefahren ausserhalb der Sportstadien zu verringern. Auch wenn innerhalb des Stadions Distanzen eingehalten werden können, sei dies ausserhalb nicht immer der Fall. Für Wirbel hatten vor rund zwei Wochen Fotos gesorgt, auf denen ein Gedränge vor dem Wankdorf in Bern zu sehen waren.

«Auch andere Kantone werden die Bewilligungspraxis jetzt neu anschauen»

Die Grossveranstaltungen stehen aber auch anderswo auf dem Prüfstand. So sagt Lukas Engelberger, Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK), zu 20 Minuten: «Auch andere Kantone werden die Bewilligungspraxis jetzt neu anschauen.» Das liege an der schweren Belastung des Contact-Tracing und am Wachstum der Fallzahlen.

Zudem habe sich mit dem Entscheid des Bundesrates, Menschenansammlungen von mehr als 15 Personen zu verbieten, die rechtliche Situation verändert. «Das verträgt sich schlecht mit Grossveranstaltungen mit Tausenden Leuten, selbst wenn es im Stadion ein Schutzkonzept gibt.» Engelberger will den Entscheiden nicht vorgreifen. Er lässt aber durchblicken, dass er persönlich kaum Spielraum für Grossveranstaltungen sieht.

Würden weitere Kantone die Zahl der Zuschauer wieder einschränken, wäre dies für die Clubs bitter, sagt der Basler Regierungsrat. «Die Clubs sind bereits in einer sehr schwierigen Phase, wie die Spielabsage des FC Basel wegen eines Corona-Falles zeigt.» Die Politik müsse aber die Gesamtsituation im Auge behalten. Auch die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) befürwortet ein Verbot von Grossveranstaltungen ab 1000 Personen, «aufgrund der epidemiologischen Lage und weil das Contact-Tracing an Grossanlässen aktuell nicht sichergestellt werden könnte», sagte sie zum «Tages-Anzeiger».

Eishockey-Liga bitter enttäuscht

Seinem Ärger bereits Luft gemacht hat Denis Vaucher, Direktor der Schweizer Eishockeyliga: «Ich verstehe das Vorpreschen der Berner Behörden nicht. Es gibt keinen einzigen nachgewiesenen Corona-Fall aus einem Stadion.»

Auch sei die Liga vom Entscheid überrascht gewesen. «Der Entscheid des Kantons Bern ist für uns ein ‹Chlapf zum Gring›. Er kam aus heiterem Himmel, nachdem Bundesrat Alain Berset am Donnerstag und Bundesrätin Simonetta Sommaruga am Sonntag gesagt hatten, unsere Schutzkonzepte seien gut.» Auch Clubvertreter weisen auf die finanziellen Folgen der Beschränkung hin.

Berner Ampelsystem

Der Kanton Bern hatte Ende September für die Bewilligung von Grossveranstaltungen ein Ampelsystem eingeführt. Steht die Ampel auf Grün oder Gelb, ist eine Bewilligung möglich, bei Orange ebenfalls, aber mit zusätzlichen Einschränkungen. Nun wird die Ampel bis auf weiteres auf Rot gestellt. Das Ampelsystem berücksichtigt die Entwicklung der Fallzahlen im Kanton, die Auslastung der Intensivpflegeplätze mit Covid-Patienten in den Spitälern sowie die Auslastung des Contact-Tracing.

Laut Gundekar Giebel, Sprecher der Berner Gesundheitsdirektion, kann das Berner Ampelsystem jederzeit von anderen Kantonen übernommen werden. Und: «Wir haben festgestellt, dass das gleiche Ampelsystem nun auch in Österreich zu sehen ist.»

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