Aktualisiert 03.06.2011 10:33

Von wegen Schnäppchen

Groupon - ein sehr wertvolles Verlustgeschäft

Das Schnäppchenportal Groupon nimmt Anlauf aufs Börsenparkett. Obwohl das Unternehmen weiterhin hohe Verluste schreibt, wird dessen Wert auf über 12 Milliarden Franken geschätzt.

von
Alex Hämmerli

Mit Groupon steht einer der am meisten beachteten Börsengänge des Jahres an: Der rasant wachsende Internet-Star verkündete am Donnerstag, mit einem Aktienpaket im Wert von umgerechnet rund 650 Millionen Franken an die Finanzmärkte zu gehen. Experten schätzen den Gesamtwert des Schnäppchenportals auf 12 bis 17 Milliarden Franken.

Damit hat das US-amerikanische Unternehmen einen schier unglaublichen Aufstieg hingelegt: Groupon ging erst im November 2008 an den Start. Und: Vor einem halben Jahr hatte Gründer und Chef Andrew Mason ein Übernahmeangebot des Suchmaschinenanbieters Google in den Wind geschossen. Google hatte 6 Milliarden Dollar geboten (gegenwärtig rund 5 Milliarden Franken).

Rasantes Wachstum

Groupon ist denn auch eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen im Internet-Zirkus: Von April bis Ende Juni 2009 schrieb Groupon einen Umsatz von gerade mal 3 Millionen Dollar, im ersten Quartal dieses Jahres waren es bereits 645 Millionen (545 Millionen Franken). Gleichzeitig schwoll die Zahl der Nutzer von 152 000 auf über 83 Millionen an. Groupon ist heute in 43 Ländern präsent, auch in der Schweiz.

Rote Zahlen

Trotz dieser Traumzahlen: Groupon schreibt immer noch hohe Verluste: Von Januar bis Ende März machte das Unternehmen rund 123 Millionen Franken Miese. Im Jahr 2010 waren es insgesamt 385 Millionen Franken, bei einem Umsatz von 602 Millionen Franken. Der Betrieb des Portals kostet also beinahe eine Milliarde Franken. Der Grund für die Verluste liegt insbesondere im oben beschriebenen, rasanten Wachstum: Dieses bedingt entsprechende Investitionen. Ausserdem arbeiten mittlerweile über 7100 Angestellte für Groupon. Das sorgt für stattliche Fixkosten.

Scharfe Konkurrenz

Laut Experten ist es fraglich, ob Groupon je in die schwarzen Zahlen kommen wird. Denn das Geschäftsmodell ist simpel (siehe Box) und entsprechend leicht lässt es sich kopieren. So steht Groupon scharfer Konkurrenz gegenüber: Etwa durch das Portal Livingsocial. Dazu kommen Facebook, Google und Microsoft, die Dienste gestartet haben, die direkt mit Groupon konkurrieren. Groupon-Chef Mason will denn auch weiterhin aggressiv in Wachstum investieren: «Wir haben seit Beginn Nettoverluste erwirtschaftet und erwarten auch in absehbarer Zukunft einen signifikanten Anstieg der operativen Ausgaben», heisst es im Börsenprospekt.

So funktioniert Groupon

Das Internet-Portal bringt Leute zusammen, die an den gleichen Produkten oder Dienstleistungen interessiert sind. Durch die schiere Masse an Käufen und Buchungen kann Groupon hohe Rabatte bei Händlern wie Herstellern herausschlagen: Für Bungee-Sprünge, Tanzkurse oder Kino-Eintritte zahlt man in aller Regel die Hälfte des Normalpreises, oft sogar noch weniger. Groupon finanziert sich selbst, indem das Unternehmen bei den Anbietern eine Provision kassiert. Derzeit liegt diese bei 50 Prozent des Umsatzes.

2011: Das Jahr der Internet-Börsengänge

Internet-Firmen gehen reihenweise an die Börse: Erst vor zwei Wochen legte das soziale Business-Netzwerk LinkedIn einen fulminanten Start an der New Yorker Börse hin: Der Wert der Aktien hatte sich bereits am ersten Handelstag verdoppelt, seitdem ging es um gut 3 Prozent aufwärts. Vom Hunger der Anleger auf frische Internet-Firmen wollen neben Groupon auch andere profitieren. Die nächsten namhaften Kandidaten, die vor dem Börsengang stehen, sind der Kurznachrichtendienst Twitter, Online-Game-Entwickler Zynga sowie das soziale Netzwerk Facebook.

Fehler gefunden?Jetzt melden.