Podiumsgespräch: Grübel mahnt Fifa zu mehr Transparenz
Aktualisiert

PodiumsgesprächGrübel mahnt Fifa zu mehr Transparenz

Am Freitag fand in Zürich der 3. Kongress der Fifa-Tochter Early Warning System (EWS), welche für die Überwachung von Sportwetten zuständig ist, statt. Es war hochkarätige Prominenz vertreten.

von
Andy Huber

Im Zürcher Letzigrund ging am Freitag der 3. Kongress der Fifa-Tochter Early Warning System (EWS) über die Bühne. Beim Event der EWS, welche für die Überwachung von Sportwetten zuständig ist, wurde rund 50 Meter Luftlinie vom Fussballfeld entfernt im Innern des Stadion durchaus auch mit harten, aber fairen Bandagen gekämpft.

So machte Präsident Joseph S. Blatter, dessen Verband 2005 die Early Warning System GmbH (EWS) ins Leben gerufen hatte, in seiner Begrüssungsrede klar, wie ernst es ihm mit den Themen Moral und Ethik in der Fifa und im Fussball ist. Er betonte: «Wir sind nicht perfekt, aber wir lernen daraus.» Blatter wies in Bezug auf den Kampf gegen Rassismus und Wettmanipulationen im Fussball auf den Fall des ehemaligen Serie-B-Profis Simone Farina hin, der vor zwei Jahren einem Bestechungsversuch widerstand, diesen meldete, danach in Italiens Fussball geächtet wurde und keinen Klub mehr fand. «Das darf doch nicht passieren», ereiferte sich der Fifa-Präsident und rief alle Verbände dazu auf, eng mit der Fifa zusammen zu arbeiten.

«Wir liegen noch auseinander»

Strafrechtsprofessor Mark Pieth, Vorsitzender der unabhängigen Kommission, die zur Verbesserung der Führung und Transparenz der Fifa sorgen soll, attestierte dem Weltverband den realen Willen zu Reformen. «Doch unsere Wahrnehmungen und diejenigen der Fifa liegen noch auseinander. Wir sind erst in der Hälfte des Erneuerungsprozesses.» Pieth sprach sich unter anderem auch für eine Amtszeitbeschränkung der Verbandsfunktionäre aus. Zudem betonte er die Wichtigkeit von Umstrukturierungen von grossen Sportverbänden. Derartige Gebilde müssten gleich organisiert und geführt werden wie Grosskonzerne.

Der Finanzfachmann Oswald Grübel zog im Talk mit Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel einen signifikanten Schluss: «Wenn der Sport nicht transparenter wird, wird es ihm ergehen wie der Finanzwelt!» Der ehemalige CS- und UBS-Mann forderte in seiner unverblümten Art: «Insbesondere die Fifa muss transparenter werden, auch in Sachen Finanzen.» Einen humorvollen Bogen von der Börse zum Fussball spannte Wall-Street-Korrespondent Jens Korte und verriet, dass er seit rund einem Jahr auch im «Fussballbusiness» tätig ist: «Ich trainiere in den USA drei Juniorenteams». Der ehemalige Leverkusen-Manager Reiner Calmund wiederum bewies in seinem Wortgefecht mit Moderator Marcel Reif, dass er nichts an Schlagfertigkeit verloren hat.

Pechstein klagt vor Zivilgericht

Michael Ballack und die Eissschnellläuferin Claudia Pechstein erinnerten sich, wie es ihnen in Ihrer Jugend in der DDR ergangen ist und bezogen auch zu aktuellen Themen Stellung. So verriet der ehemalige deutsche Internationale Ballack (98 Länderspiele), dass sein Zwist mit Bundestrainer Joachim Löw, als er sein Abschiedsspiel aus der Nationalmannschaft verweigert hatte, bereinigt sei: «Man wird im Alter reifer.» Und Pechstein, die erfolgreichste Athletin bei Olympischen Winterspielen mit neun Medaillen, sagte mit einem Schmunzeln: «Ich bin heute noch schneller als die Jungen.» Pechstein, die vom CAS wegen verdächtiger Werte gesperrt wurde und in ihrer bisherigen Karriere gemäss eigener Aussage 468 Proben (!) über sich ergehen lassen musste, erkämpft ihre Rehabilitation übrigens nun vor einem Zivilgericht.

Ganz dem aktiven Sport gehörte der Ausklang des Anlasses, wo sich zwei gemischte Mannschaften, gespickt mit Zürcher Altstars (David Sesa, Urs Schönenberger und Co.) und Sponsorvertretern, zum Duell auf dem Rasen trafen. Auf diesen Match wurde wohl kaum eine Wette abgeschlossen.

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