Aktualisiert 08.09.2009 17:00

Faustballer in München«Grüezi! Wir sind anständige Schweizer!»

Schweizer Scham- und Charmeoffensive in München. Mit einer bewilligten Demo, T-Shirts und Anstands-Slogan machte ein Ostschweizer Faustballteam in Münchens Fussgängerzone auf sich aufmerksam. Die Jugendlichen schämen sich für ihre Altersgenossen, die vor drei Monaten im Prügelrausch Münchner Passanten angriffen.

von
kbr

Um den Ruf der Schweiz im Ausland stand es schon besser. Eine Politur des Schweizer Images kommt da gerade recht. Die dringend benötigte PR-Aktion in Helvetias Namen hat am letzten Sonntag eine Gruppe von Jugendlichen Faustballern aus Flums in der Ostschweiz durchgeführt. Die sechs Nachwuchsspieler im Alter von 17 bis 20 Jahren waren am letzten Wochenende in München, da in der Nähe ein Faustball-Turnier stattfand. Schon im Vorfeld der Reise fragten sich die jungen Schweizer: «Können wir uns überhaupt noch in München zeigen?»

«Es gibt überall schwarze Schafe»

Unvergessen ist die zwei Monate zurückliegende Tat von Schweizer Schülern aus Küsnacht, die während eines Ausflugs in die Bayern-Metropole in einen regelrechten Blutrausch verfielen, mehrere Passanten verprügelten und dabei zum Teil lebensgefährlich verletzten. Aus Scham für die Tat ihrer Altersgenossen beschlossen die Flumser Faustballer, während ihres Besuchs in München eine spontane Charme-Offensive zu starten.

Die sonntägliche Aktion am Tag nach dem Turnier wurde zum Erfolgserlebnis für die jungen Faustballspieler: «Es gab ein paar wirklich schöne Begegnungen zwischen den Jugendlichen und den Münchnern», erzählt Trainer Andreas Hörner, der einige Begegnungen zur Erinnerung fotografisch festgehalten hat. Die Jugendlichen trugen T-Shirts mit Schweizer Kreuzen und der Aufschrift «Grüezi! Wir sind anständige Schweizer!». Den Passanten verteilten sie Schweizer Schokolade und erklärten im Gespräch ihr Anliegen. «Ihr braucht euch dafür nicht zu entschuldigen, es gibt überall schwarze Schafe», habe ein zirka 30-Jähriger Münchner geantwortet. Eine andere Frau sagte: «Eure Aktion ist sehr sympathisch, aber wir wissen auch so, dass die Schweizer anständig sind.»

Polizeilich bewilligt

Auch die Polizei reagierte positiv, immerhin war die Demonstration bewilligt worden. Innerhalb von einer Stunde waren dann die 1000 Schöggeli verteilt und die jungen Schweizer hell begeistert über den Erfolg der Aktion. Die Auslagen - der Druck der T-Shirt, Kauf der Schöggeli und die Rechnung für die Bewilligung der Aktion durch die Münchner Stadtverwaltung - betragen insgesamt 400 Franken, die zu Lasten des Reisebudgets der Flumser Faustballer gehen. Eine kleine Geste mit grosser Wirkung: Sympathischer und kostengünstiger ist Schweizer Imagepflege im Ausland wohl nicht zu haben.

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