22.08.2017 03:47

Ebnat-Kappel SGGrüezi, wollen Sie Du zu mir sagen?

Was wäre, wenn wir uns alle nur noch duzen würden? Ein St. Galler Dorf wagt den Versuch. Laut den Initianten sind die Reaktionen bisher meist positiv.

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Das sagen die St.Galler zum Duzen. (Video: and)

«In vielen Vereinen, Betrieben und in der Familie hat das Du schon lange Einzug gehalten. Auch in den sozialen Medien überwiegt das Du. Wieso sollte das also nicht auch in einem ganzen Dorf möglich sein?», so Patrick Zollinger, Präsident des Verkehrsvereins Ebnat-Kappel. Deshalb habe man sich für das örtliche Strassenfest, das am kommenden Wochenende stattfindet, eine spezielle Aktion überlegt.

Mit Hilfe von roten Klebebuttons soll das «Du auf Probe» im Dorf lanciert werden. Alle Einwohner haben bereits vor dem Strassenfest zwei Du-Kleber per Post erhalten. «Sie dienen dazu, dem Gegenüber zu signalisieren, dass man gerne mit Du angesprochen wird», sagt Zollinger.

Kostet Überwindung

Die Reaktionen seien bisher meist positiv: «Ich habe schon Kleber an Autos und Briefkästen gesehen. Das zeigt doch, dass die Idee ankommt.» Dennoch sei er sich bewusst, dass es auch Überwindung brauche. Das Toggenburg sei eben nicht ganz so offen, vielleicht sogar etwas verknorzt. Und vielen hätten Angst, dass das Duzen als fehlender Respekt missverstanden wird.

Dass eine Duz-Kultur in der Ostschweiz durchaus möglich ist, zeigen aber sowohl die beiden Appenzell – hier heisst es sogar in einer offiziellen Imagebroschüre: «Ausserrhoden ist Weltoffenheit und Kreativität, Schlagfertigkeit und Humor, abwechslungsreiche Natur und Landschaft. Man duzt den Gemeindepräsidenten – wenn man will» – und das Rheintal. Und so erhob Regierungspräsident Martin Klöti an der Eröffnung der diesjährigen Rheintalmesse (Rhema) sein Glas und bot kurzerhand allen im Saal pauschal das Du an: «Hopp mitenand, i bi dä Martin!»

Auch im Fürstentum Liechtenstein ist das Du ganz normal. So lautete das Motto Liechtensteins beim Gastauftritt an der Olma 2016 auch «Hoi metenand». Der typische Gruss entspreche ganz «unserer Duzis-Kultur», so die damalige Regierungsrätin Marlies Amann-Marxer.

Du-Dorf als Slogan

«Ob sich Ebnat-Kappel ebenfalls mit der Duz-Kultur identifizieren kann, auch längerfristig, wird sich zeigen», so Zollinger. Sein Ziel ist es, dass das Duzen das Strassenfest überdauert und man sich künftig in Ebnat-Kappel, egal ob Banker oder Pfarrer, über alle Positionen und Hierarchien duze. Er wolle aber natürlich niemandem etwas aufzwingen.

Er könne sich auch vorstellen, den Slogan als «Du-Dorf der Schweiz» touristisch für Ebnat-Kappel zu nutzen.

Wer noch kein Klebebutton hat, kann sich diesen auf der Website ausdrucken. Weitere Du-Klebebuttons sind im Verkehrsbüro erhältlich und werden vom Vereinsvorstand direkt vor Ort am Strassenfest verteilt.

Du-Reform

Seit etwa 50 Jahren sprechen sich alle Schweden mit Du an. Die Du-Reform, die im Juli 1967 begann, löste die zwischen unterschiedlichen Gesellschaftsklassen unterscheidenden Anredeformen ab. Einzige Ausnahme: Mitglieder der Königsfamilie werden nicht geduzt.

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