Abgas-Schwindel: Grüne bandeln mit SVP-Fuhrhalter an

Aktualisiert

Abgas-SchwindelGrüne bandeln mit SVP-Fuhrhalter an

Ungewöhnliche Allianz: Grünen-Chefin Regula Rytz und SVP-Nationalrat Ueli Giezendanner machen im Kampf gegen manipulierte LKW aus dem Ausland gemeinsame Sache.

von
daw

Eine Premiere: Regula Rytz und Ulrich Giezendanner sind für einmal Verbündete.

Normalerweise sind sie sich spinnefeind. Während Grünen-Präsidentin Regula Rytz am liebsten alle Lastwagen auf der Schiene sähe, kämpfte Spediteur Ueli Giezendanner jahrzehntelang für einen zweiten Gotthard-Strassentunnel.

Doch nun sind die beiden auf Kuschelkurs: Der Aargauer SVP-Nationalrat ist Erstunterzeichner eines Vorstosses von Regula Rytz. Das ungleiche Gespann fordert den Bundesrat auf, einen nationalen Aktionsplan gegen die Abgasmanipulationen bei Lastwagen umzusetzen.

Manipulierte Abgasanlagen

Der Hintergrund: Moderne Lastwagen tanken neben Diesel auch den Harnstoff AdBlue. Dieser senkt den Ausstoss schädlicher Stickoxide um bis zu 80 Prozent. Auf der Nord-Süd-Achse sind jedoch auch ausländische Lastwagen ohne AdBlue unterwegs.

Der Grund für den umweltschädlichen Verzicht: AdBlue kostet rund 75 Rappen pro hundert Kilometer – Kosten, die vornehmlich Spediteure aus Osteuropa scheuen. Möglich ist der Schwindel, indem kleine Gerätchen, sogenannte AdBlue-Killer, eingebaut werden. Diese tricksen das System aus, sodass der Lastwagen auch ohne den Stoff starten kann.

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Das Corpus Delicti: Auf dieses unscheinbare Gerätchen stiessen die Spezialisten der Kantonspolizei Uri bei ausländischen Lastwagen. Der Emulator bewirkt, dass sich der Lastwagen auch ohne den Harnstoff AdBlue starten lässt.

Das Corpus Delicti: Auf dieses unscheinbare Gerätchen stiessen die Spezialisten der Kantonspolizei Uri bei ausländischen Lastwagen. Der Emulator bewirkt, dass sich der Lastwagen auch ohne den Harnstoff AdBlue starten lässt.

Kapo Uri
Ein Händedruck besiegelt die ungewöhnliche Allianz.

Ein Händedruck besiegelt die ungewöhnliche Allianz.

20 Minuten
Laut Schätzungen aus Deutschland ist jeder fünfte Lastwagen aus Osteuropa manipuliert.

Laut Schätzungen aus Deutschland ist jeder fünfte Lastwagen aus Osteuropa manipuliert.

Keystone/Urs Flueeler

Duo verlangt Kontrollen

Rytz und Giezendanner fordern nun Informationen an der Grenze, intensive Kontrollen und die Eröffnung des geplanten Schwerverkehr-Kontollzentrums im Tessin. «Das Problem der manipulierten Abgasanlagen ist grösser als zunächst gedacht», sagt Rytz. Das zeigten Erfahrungen aus Deutschland und die ersten Kontrollen in der Schweiz.

Innert weniger als einem Monaten deckten die Kontrolleure der Urner Kantonspolizei 13 Fälle mutmasslicher Abgasmanipulationen auf. Drei LKW stammten aus Italien, die übrigen aus Osteuropa, namentlich aus Rumänien (6), Bulgarien (2) oder Litauen. «Manipulierte Lastwagen stossen viel zu viele Stickoxide aus. Das ist ein unnötiges Gesundheitsrisiko für die Menschen entlang der Transitachsen», sagt Rytz.

«Ausnahmslos ausländische Lastwagen»

Auch Giezendanner spricht Klartext: «Bei den erwischten Lastwagen, die die AdBlue-Anlage aus Kostengründen ausser Kraft gesetzt haben, handelt es sich ausnahmslos um ausländische.» Damit die sauberen Schweizer Lastwagen keinen Wettbewerbsnachteil hätten, brauche es Massnahmen. «Ich bin der Meinung, dass die Bussen bei klarem Schwindel erhöht werden dürfen.»

Rytz freut sich über die Unterstützung von rechts. Es sei eine Premiere, dass sie gemeinsam einen Vorstoss ausgeheckt hätten. «Es ist ein schönes Beispiel, dass in der Schweiz über die Parteigrenzen hinaus zusammengearbeitet werden kann, wenn gemeinsame Interessen bestehen.» Bis Giezendanner den Grünen beitreten werde, müsse aber noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, «etwa in der Klimapolitik».

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