Radioaktivität in Biel: Grüne fordern Krisenkonzept bei Strahlungsvorfällen

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Radioaktivität in BielGrüne fordern Krisenkonzept bei Strahlungsvorfällen

Die Grünen des Kantons Bern fordern die Ausarbeitung eines Krisenszenarios: Dieses soll sicherstellen, dass die Bevölkerung beim Fund von radioaktiver Strahlung informiert wird.

von
Sonja Mühlemann
Bei der Deponie Teuftal schlug der Geiger-Zähler im November 2012 aus und brachte das radioaktiv belastete Erdmaterial ans Licht.

Bei der Deponie Teuftal schlug der Geiger-Zähler im November 2012 aus und brachte das radioaktiv belastete Erdmaterial ans Licht.

«Man hätte die Bevölkerung unbedingt und sofort informieren müssen», sagt Blaise Kropf, Präsident der Grünen des Kantons Bern. Kropf kritisiert das Verhalten der Stadt Biel, des Kantons und des Bundesamtes für Gesundheit. 2012 hatte man auf dem Gebiet der ehemaligen Bieler Deponie im Brüggmoss bei Bauarbeiten für die Umfahrung der A5 radioaktiv belasteten Boden festgestellt – keine der Stellen sah sich dafür verantwortlich, an die Öffentlichkeit zu treten. Die Behörden schieben sich gegenseitig den schwarzen Peter zu, wie die «SonntagsZeitung» berichtete.

Krisenkonzept soll alle politischen Ebenen berücksichtigen

Radioaktive Belastung sei ein äusserst sensibles Thema, die Leute hätten gute Gründe, über das festgestellte Radium informiert zu werden. «Die Behörden hätten offen vor die Bevölkerung treten müssen», sagt Kropf weiter. Er vermisse Ehrlichkeit und fordere auch den Kanton Bern als Bauherr der Umfahrung auf, Lehren aus dem Fall zu ziehen. «Man muss ein Krisenszenario für derartige Fälle erstellen und ein Kommunikationskonzept entwerfen», sagt Kropf gegenüber 20 Minuten. Dieses müsse alle politischen Ebenen von national, kantonal bis lokal berücksichtigen. Dank eines strukturierten Ablauf wären alle Instanzen gewappnet, wenn wieder ein solches Problem auftreten sollte: «Ein solches Nicht-Kommunikations-Fiasko könnte man inskünftig verhindern», ist Kropf überzeugt.

Kanton will alles richtig gemacht haben

Im Sommer 2013 war ein ähnlicher Fall publik geworden: Auch was das gemessene Cäsium im Bielersee anbelangte, hatten die Behörden in den Augen der Grünen des Kantons Bern nicht stringent informiert. «Wir fordern daher, dass nun eine Task Force für derartige Fälle gebildet wird, welche die Kommunikation koordiniert», sagt Kantonalpräsident Blaise Kropf.

Bei der zuständigen bernischen Bau-, Energie-, und Verkehrsdirektion wusste man von den radioaktiv belasteten Abfällen. «Wir haben das Bundesamt für Gesundheit (BAG) sofort informiert, als wir Kenntnis erhielten», sagt Generalsekretär Christian Albrecht. Zusammen mit dem BAG und der Suva habe man ein Konzept zur Entsorgung und zum Schutz der Bauarbeiter erarbeitet, das so umgesetzt worden sei. «Der Kanton Bern hat alles richtig gemacht», so Albrecht gegenüber 20 Minuten weiter.

Der bernische Gesundheitsdirektor war nicht über den Fall orientiert worden. Gegenüber 20 Minuten zeigt sich Philippe Perrenoud (SP) überrascht: «Ich habe durch die Medien davon erfahren und ich veranlasse nun Abklärungen, soweit mein Departement betroffen ist», sagt Perrenoud.

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