Aktualisiert 20.03.2018 13:05

Kampf gegen PestizideGrüne fordern Pestizid-Verbot für Hobbygärtner

Bis zu 200 Tonnen Pflanzenschutzmittel werden jährlich zu privaten Zwecken eingesetzt. Nationalrätin Maya Graf fordert, dass Hobbygärtner diese in Zukunft nicht mehr einsetzen dürfen.

von
vro
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Die Grünen-Nationalrätin Maya Graf fordert in einer Motion, dass Privatgärtner keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel mehr verwenden dürfen.

Die Grünen-Nationalrätin Maya Graf fordert in einer Motion, dass Privatgärtner keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel mehr verwenden dürfen.

Keystone/Peter Klaunzer
Denn viele von ihnen würden sich im Umgang damit zu wenig auskennen.

Denn viele von ihnen würden sich im Umgang damit zu wenig auskennen.

Keystone/Samuel Truempy
Das hat Auswirkungen auf die Umwelt.

Das hat Auswirkungen auf die Umwelt.

Keystone/Alessandro Della Bella

Nationalrätin Maya Graf will künstliche Pflanzenschutzmittel aus Hobbygärten verbannen. Sie hat für die grüne Fraktion in der vergangenen Woche einen entsprechenden Vorstoss eingereicht. Privatpersonen wüssten meist nicht, wie die Mittel fachgerecht angewandt, gelagert und entsorgt werden müssen. Auch über Alternativen wüssten nur wenige Bescheid. Laut Graf führt das zu Problemen: So müssten immer wieder Familiengärten aufgehoben werden und die gesamte Erde muss komplett entsorgt werden. Sie findet deshalb: «Auch Hobbygärtner sollen einen Beitrag zu einer griffigen Umsetzung des Nationalen Aktionsplanes Pflanzenschutzmittel leisten.»

In diesem hat der Bund im September festgehalten, dass die «unsachgemässe Anwendung von Pflanzenschutzmittel im Hausgarten zu einem erhöhten Risiko» führen kann – etwa, indem der Gärtner über selbst angebaute Lebensmittel oder durch den Aufenthalt im Garten mit dem Mittel in Kontakt kommt. Eine umfassende Einschätzung sei jedoch aufgrund fehlender Studien nicht möglich. Trotzdem sollen Privatgärtner künftig besser geschützt werden, indem sie nur noch für sie zugelassene Produkte erhalten können.

Rasen und nicht einheimische Pflanzen werden behandelt

Jährlich werden in der Schweiz über 2'000 Tonnen Pflanzenschutzmittel verkauft, wie der Bund 2014 in einem Bericht festhielt. Laut Schätzungen landen davon 100 bis 200 Tonnen – also fünf bis zehn Prozent – in Privatgärten. Liegen die Gärten etwa nahe an Gewässern, können die Mittel dort hineingelangen. Gemäss dem Bund können auch andere Organismen beeinflusst werden. So sollen Pestizide auch am Bienensterben eine Mitschuld tragen.

Auch der Verein Bioterra setzt sich bereits seit 70 Jahren für ein Verbot von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln ein. Besonders beliebt seien bei konventionellen Hobbygärtnern Mittel für einen moos- und unkrautfreien Rasen oder Mittel zur Behandlung von nicht einheimischen Pflanzen. So würden etwa hochgezüchtete Rosen stark behandelt. Auch Obstbäume oder -sträucher würden oft mit chemischen Mitteln bespritzt. Nichtbiologische Schneckenkörner können ausserdem für Igel tödlich sein.

«Chemisch-synthetische Mittel sind einfach verlockend», sagt Daniel Gürber, Geschäftsleiter des Vereins. «Man kann damit reagieren. Bei biologischen Mitteln muss man vorausdenken.» In den letzten Jahren habe der Handel bei biologischen Alternativen jedoch aufgeholt. So gebe es etwa ein wirksames Bakterium gegen den Buchsbaumzünsler. «Eine solche Anwendung ist zudem auch für Bienen unproblematisch. Alternativ können auch einheimische Sträucher den Bux ersetzen.» Dies sehe nicht nur gut aus, solche Pflanzen böten vielfach auch eine Futterquelle für Insekten. «Im Hobbygarten kann man sehr gut ohne chemisch-synthetische Produkte auskommen», sagt Gürber.

«Für jedes chemische Mittel gibt es eine biologische Alternative»

Werner Hermann, Vizepräsident des Schweizer Familiengärtner-Verbands, sind keine Gärten bekannt, die wegen durch Pflanzenschutzmittel belasteten Böden aufgehoben werden mussten. Da viele Familiengärten jedoch auf ehemaligen Müllhalden stünden, zeigten Bodenproben manchmal Belastungen.

Der Schweizer Familiengärtner-Verband begrüsst dennoch ein Verbot chemischer Mittel. Das Hauptproblem sind Pestizide, wie Hermann erklärt. Alternativen gäbe es zwar, vermutlich scheitere es jedoch häufig an der Bequemlichkeit der Leute: «Manche Gärtner jäten nicht einmal mehr, sondern spritzen einfach nur noch.» Trotzdem gebe es für jedes chemische Mittel eine biologische Alternative. Der Verband arbeitet derzeit deshalb mit anderen Organisationen an einer Liste von Pflanzenschutzmitteln, die unbedenklich sind. Erscheinen soll sie im Frühling und sie werde an alle Verbandsmitglieder verschickt.

Mit dabei ist auch Grün Stadt Zürich. Denn Zürcher Familiengärtner müssen gemäss der Kleingartenordnung KGO ihre Gärten naturnah bewirtschaften, wie es auf Anfrage heisst. «Bei starkem Schädlings- oder Krankheitsbefall dürfen nur für den biologischen Gartenbau zugelassene Hilfsstoffe eingesetzt werden.» Die Positivliste diene dabei als Orientierungshilfe.

«Ein Risiko null gibt es nicht»

Laut Jürg Jordi, Sprecher des Bundesamts für Landwirtschaft, muss jedes Mittel erst ein Zulassungsverfahren durchlaufen. Dabei wird auch geprüft, wie belastend und schädlich es ist. «Ein Risiko null gibt es nicht», sagt Jordi. Schliesslich müssten die Mittel ja wirken. Private nutzten die Pflanzenschutzmittel in kleinen Mengen, sodass die Böden weniger belastet würden. Was ein Verbot für die nicht berufliche Anwendung bedeuten würde, werde der Bundesrat in seiner Antwort auf die Motion Graf ausführen. Er werden dabei die unterschiedlichsten Aspekte beleuchten – wie etwa die Kontrolle der Einhaltung des Verbots.

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