Klimawandel – Grüne können Benzinpreis-Explosion Positives abgewinnen

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KlimawandelGrüne können Benzinpreis-Explosion Positives abgewinnen

Benzin und Diesel kosten heute teils 2.30 Franken pro Liter. Die Grünen sehen das auch als Chance. Betroffene Autofahrer sind gespaltener Meinung.

von
Nicolas Meister
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Die Benzin- und Dieselpreise sind regelrecht explodiert. Für viele Pendlerinnen und Pendler wird das zum finanziellen Problem. 

Die Benzin- und Dieselpreise sind regelrecht explodiert. Für viele Pendlerinnen und Pendler wird das zum finanziellen Problem. 

20min
Grüne-Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber findet die hohen Preise gut. Sie hoffe, dass die Leute jetzt auf die ÖV umsteigen würden. 

Grüne-Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber findet die hohen Preise gut. Sie hoffe, dass die Leute jetzt auf die ÖV umsteigen würden. 

20min/Matthias Spicher
Auch Julia Küng von den Jungen Grünen zeigt sich über die hohen Preise erfreut. Sie bedauert jedoch die Umstände, die dazu geführt haben. 

Auch Julia Küng von den Jungen Grünen zeigt sich über die hohen Preise erfreut. Sie bedauert jedoch die Umstände, die dazu geführt haben. 

Screenshot/Twitter

Darum gehts

  • Die Benzin- und Dieselpreise sind in den vergangenen Tagen regelrecht explodiert. 

  • Darüber freuen sich Grüne-Politikerinnen und -Politiker. Jetzt müsse man von der Öl- und Gasabhängigkeit wegkommen.

  • Die Preise könnten Pendler und Gewerbler in finanzielle Schwierigkeiten bringen, sagt FDP-Nationalrat Kurt Fluri. Sich darüber zu freuen, sei zynisch.

Seit mehreren Monaten steigen die Preise für Diesel und Benzin. Die Eskalation des Russland-Ukraine-Konflikts hat die Preise in den vergangenen Tagen nochmals nach oben gedrückt. Zahlte man vor ein paar Wochen noch 1.79 Franken pro Liter Benzin, liegt der Preis jetzt bei über 2.30 Franken.

Über die hohen Preise freuen sich viele Grüne-Politikerinnen und -Politiker. Zum Beispiel die Grüne-Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber. «Meine Hoffnung ist wirklich, dass jetzt für viele Leute der Moment gekommen ist, auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen.» Ansonsten müssten die Preise noch weiter steigen, hofft Prelicz-Huber.

«Preise zeigen, wie abhängig wir vom Weltgeschehen sind»

Auch Julia Küng von den Jungen Grünen begrüsst die hohen Benzin- und Dieselpreise. «Dass es einen Krieg dafür brauchte, ist sehr bedauerlich.» Die hohen Preise würden jedoch klar zeigen, wie stark abhängig die Schweiz vom Weltgeschehen sei.

Deshalb müsse die Situation jetzt als Gelegenheit genutzt werden, um von den fossilen Brennstoffen und der Abhängigkeit wegzukommen. «Gleichzeitig müssen wir auf alternative Transportmittel wie zum Beispiel die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen.» Dafür müssten neue Anreize beim öffentlichen Verkehr gesetzt werden, damit auch Autofahrerinnen und -fahrer den Umstieg wagen würden, sagt Küng.

«Hohe Spritpreise bedeuten noch mehr Umweltverschmutzung»

Auch der Klimastreik, die Schweizer Klimabewegung, zeigt sich in einem ersten Telefonat über die steigenden Spritpreise erfreut. Zum Jubeln sei ihnen jedoch nicht zumute, so Vertreter Jonas Kampus: Die dafür verantwortlichen Umstände, sprich der Ukraine-Krieg, seien tragisch.

Am Freitag formuliert Kampus das anders: Er sei über die steigenden Spritpreise wenig erfreut.  Hohe Preise würden nur dazu führen, dass neue Ölreserven mit noch umweltverschmutzenderen Methoden wie Fracking angezapft werden würden, sagt Jonas Kampus vom Klimastreik. Es brauche jetzt einen grundlegenden Systemwandel, weg von fossilen Brennstoffen und der Abhängigkeit von autoritären Regimen, fordert der Klimastreik.

«Reaktion der Grünen ist zynisch»

Die Preisentwicklung bereitet dagegen FDP-Nationalrat Kurt Fluri Sorgen. «Gerade für Gewerbler, Handwerker und generell Pendler kann das zum finanziellen Problem werden.» Eine Möglichkeit, die Preise schnell zu senken, gäbe es nicht, sagt Fluri. «Für staatliche Hilfen bräuchte es eine gesetzliche Grundlage. Und das würde sehr lange dauern.»

Betroffene müssten individuelle Lösungen suchen, etwa mit dem Arbeitgeber, rät Fluri. Solche Szenarien seien nicht nur bei Benzin- und Dieselpreisen denkbar. «Auch die Getreidepreise könnten wegen des Russland-Ukraine-Konflikts bald stark ansteigen.»

Dass sich die Grünen über die aktuelle Preissituation freuen, kann der FDP-Nationalrat nicht nachvollziehen. «Das ist etwas zynisch. Sie vergessen die ärmeren Leute, die auf ein Auto angewiesen sind und unter den hohen Preisen leiden.»

Gespaltene Meinungen

Die 20-Minuten-Community ist zu den hohen Spritpreisen gespaltener Meinung. Während sich viele darüber beklagen, gibt es auch Verteidiger. So etwa Georgios aus Oerlikon: «Im Verhältnis zu unserem Lohn ist das angemessen. In Griechenland zahlt man gleich viel fürs Benzin, verdient aber nur einen Bruchteil von unserem Lohn.»

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