Nationalrätin Meret Schneider kämpft gegen Daunen aus Lebendrupf
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Meret Schneider Grüne kämpft gegen Qual-Federn in hippen Jacken

In China und Osteuropa leiden Gänse für günstige Mode: Damit will Nationalrätin Meret Schneider aufräumen. Daunen aus sogenanntem «Lebendrupf» sollen deklariert werden.

von
Pascal Michel
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Die Grüne Nationalrätin Meret Schneider ist empört: Jacken, Duvets, Kissen oder Schlafsäcke mit Federn aus qualvollem Lebendrupf landeten auch in Schweizer Läden, sagt sie.

Die Grüne Nationalrätin Meret Schneider ist empört: Jacken, Duvets, Kissen oder Schlafsäcke mit Federn aus qualvollem Lebendrupf landeten auch in Schweizer Läden, sagt sie.

20min/Matthias Spicher
Sie reicht deshalb in der Wintersession eine Motion ein und verlangt, dass künftig alle Produzenten deklarieren müssen, wenn die verwendeten Federn aus Lebendrupf stammen.

Sie reicht deshalb in der Wintersession eine Motion ein und verlangt, dass künftig alle Produzenten deklarieren müssen, wenn die verwendeten Federn aus Lebendrupf stammen.

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«Man muss sich vorstellen: Gänsen werden bei vollem Bewusstsein die Federn und Daunen regelrecht ausgerissen», sagt die Campaignerin bei Vier Pfoten Schweiz. Das sei sehr schmerzhaft.

«Man muss sich vorstellen: Gänsen werden bei vollem Bewusstsein die Federn und Daunen regelrecht ausgerissen», sagt die Campaignerin bei Vier Pfoten Schweiz. Das sei sehr schmerzhaft.

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Darum gehts

Wenn Yasmin Wenk beschreibt, wie Gänse in der Daunenproduktion lebend gerupft werden, tönt das grauenhaft. «Man muss sich vorstellen: Gänsen werden bei vollem Bewusstsein die Federn und Daunen regelrecht ausgerissen», sagt die Campaignerin bei Vier Pfoten Schweiz. Das sei sehr schmerzhaft.

Die Tiere würden oft verletzt, wobei es zu offenen Wunden komme, während gebrochene Flügel oft eine Folge der groben Handhabung seien. «Die Wunden werden dann in schlimmen Fällen genäht, ohne dass etwas verwendet wird, um den Schmerz zu dämpfen oder zu betäuben. Es überrascht nicht, dass Vögel nach dem Rupfen Anzeichen von Angst zeigen und die Rupfer meiden.»

25 Gänse für eine Jacke

Jacken, Duvets, Kissen oder Schlafsäcke mit solchen Federn aus Lebendrupf landeten auch in Schweizer Läden, sagt Nationalrätin Meret Schneider (Grüne). Derzeit sind sogenannte «Pufferjacken» angesagt. «Pro Daunenjackenfüllung müssen bis zu 25 Enten ihre Federn lassen. Auch Federn von toten Vögeln, die zeitlebens mehrmals lebendig gerupft wurden, können heute als ‘Totrupf’ verkauft werden. Das ist eine massive Irreführung der Käuferinnen und Käufer auf Kosten der Tiere», so Schneider.

Sie reicht deshalb in der Wintersession eine Motion ein und verlangt, dass künftig alle Produzenten deklarieren müssen, wenn die verwendeten Federn aus Lebendrupf stammen. Sie ist überzeugt, dass die meisten Konsumentinnen und Konsumenten, die diese Saison Daunenprodukte kaufen, kaum über die problematischen Herstellungsbedingungen informiert sind.

Zwar gibt es mittlerweile verschiedene Labels, die versprechen, dass in ihren Produkten keine Daunen von lebend gerupften Tieren stecken. Oftmals gebe es hier aber noch Verbesserungsbedarf bei der Nachverfolgbarkeit, sagt Schneider. Sie empfiehlt den Global Traceable Down Standard. Generell gelte: «Produkte ohne Label enthalten höchstwahrscheinlich Daunen aus Lebendrupf.»

Druck auf China

Und dies solle auch so gekennzeichnet werden, findet sie. Von einer solchen Deklarationspflicht verspricht sich Schneider auch «ein internationales Signal»: «Modemarken oder Produzenten, besonders aus China und aus der Ostukraine, stünden dann unter Druck, zu reagieren – oder Absatzeinbussen in Kauf zu nehmen.»

Zuspruch erhält die Grüne vom Verband Schweizer Bettwarenfabriken. Dieser spricht sich für eine Deklarationspflicht mit einem anerkannten Label aus. «Es wäre wünschenswert, wenn auch ausländische Produzenten daraus keinen Wettbewerbsvorteil ziehen können, sondern dieselben Standards erfüllen müssen.»

Importverbot scheiterte

Gar ein Importverbot von Quäl-Daunen hatte im September 2020 FDP-Nationalrätin Doris Fiala. Sie scheiterte im Nationalrat.

Der Bundesrat zeigte damals Verständnis, wies aber darauf hin, dass die Praxis in der Schweiz und der EU verboten sei und dass weltweit nur fünf bis zehn Prozent der gehandelten Daunen aus Lebendrupf stammten. Die Regierung sprach sich aus diesen Gründen auch gegen eine Deklarationspflicht aus.

Diese sei «aufgrund der schwer überschaubaren Lieferkette schwierig durchsetzbar». Stattdessen schlug er die «freiwillige Positivdeklaration von nicht aus Lebendrupf stammenden Produkten» vor. «Diese könnte als Verkaufsargument verwendet werden. Eine solche Lösung wäre ausserdem leichter mit den internationalen handelsrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz zu vereinbaren, die hohe Anforderungen an eine Rechtfertigung von Importverboten enthalten.»

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