«Was lief bei deiner Geburt schief?» - Grüne Nationalrätin kriegt Hassbrief und macht ihn öffentlich
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«Was lief bei deiner Geburt schief?»Grüne Nationalrätin kriegt Hassbrief und macht ihn öffentlich

Kürzlich hat Grünen-Politikerin Marionna Schlatter einen Hassbrief erhalten. Die 40-Jährige hat das Schreiben auf Twitter gepostet.

von
Monira Djurdjevic
Lynn Sachs
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Diesen Brief hat Marionna Schlatter (Grüne) erhalten. 

Diesen Brief hat Marionna Schlatter (Grüne) erhalten.

Twitter
Der anonyme Absender schreibt: «Was ist bei deiner Geburt schief gelaufen? Fallengelassen? Giftige Pilze gegessen? Wieso psychopathische Gesichtszüge? Zu enge Windeln? Realitätsverlust?»

Der anonyme Absender schreibt: «Was ist bei deiner Geburt schief gelaufen? Fallengelassen? Giftige Pilze gegessen? Wieso psychopathische Gesichtszüge? Zu enge Windeln? Realitätsverlust?»

Tamedia/Reto Oeschger
Auch Camille Lothe, Präsidentin Junge SVP Kanton Zürich, erhält regelmässig Hassnachrichten auf Social Media, per Mail oder Post.

Auch Camille Lothe, Präsidentin Junge SVP Kanton Zürich, erhält regelmässig Hassnachrichten auf Social Media, per Mail oder Post.

jsvp-zh.ch

Darum gehts

  • Nationalrätin Marionna Schlatter hat kürzlich einen Hassbrief auf Twitter gepostet.

  • Auch Zürcher Jungpolitiker berichten von Hassnachrichten.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Zürcher Grünen-Politikerin und Nationalrätin Marionna Schlatter einen Hassbrief erhält. «Zur Tätigkeit als Politikerin gehört es dazu, sich kritische Stimmen anzuhören und solche auch anzunehmen», sagt die 40-Jährige. Nicht in Ordnung seien jedoch Nachrichten, die persönlich werden oder solche, in denen Drohungen ausgesprochen werden. «So etwas lässt einen nicht kalt.»

Kürzlich hat Schlatter ein anonymes Schreiben auf Twitter veröffentlicht. In dem handgeschriebenen Brief steht: «Was ist bei deiner Geburt schief gelaufen? Fallengelassen? Giftige Pilze gegessen? Wieso psychopathische Gesichtszüge? Zu enge Windeln? Realitätsverlust?» Laut Schlatter disqualifiziert sich der Schreiber mit dem geposteten Brief selbst, da er «persönlich wird und nichts mit Politik zu tun hat». Solche Nachrichten einfach so stehen lassen, will sie aber nicht. «Das erweckt sonst den Anschein, dass man das akzeptiert.» Insbesondere ausgesprochene Drohungen melde sie stets.

«Es kamen schon sexistische Kommentare»

Auch Camille Lothe, Präsidentin Junge SVP Kanton Zürich, erhält regelmässig Hassnachrichten auf Social Media, per Mail oder Post. «Wenn sich die Kommentare auf meine politischen Meinungen beziehen, ist das in Ordnung», sagt die 27-Jährige. Der Grossteil der Nachrichten seien aber persönlich. «Ich musste mir schon Dinge anhören wie Dumme Blondineoder es kamen sexistische Kommentare.» Teils erhalte sie auch Drohungen. «Jemand hat mir mal geschrieben, dass er mir mein Lachen aus dem Gesicht schlitzen möchte.» Sie habe erst kürzlich jemanden wegen Drohung angezeigt. «Dieses Verfahren läuft noch», so Lothe. «Es ist erbärmlich, dass gewisse Leute ihren Hass anonym an anderen Personen auslassen.»

Laut Nicolas Siegrist, Zürcher SP-Kantonsrat und Vize-Präsident der JUSO Schweiz, sind seine Parteikolleginnen im Gegensatz zu ihm regemässig solchen Hasswellen ausgesetzt. «Die Nachrichten richten sich meistens gegen Frauen und sind oftmals sexistisch.» Er selbst erhalte nur vereinzelte Hassnachrichten. «Da diese oftmals verletzend und nicht konstruktiv sind, lösche ich sie.»

Luis Deplazes, Präsident der Jungfreisinnigen Kanton Zürich, löscht grundsätzlich keine Hasskommentare. «In den sozialen Medien soll man sich äussern dürfen», findet der 27-Jährige. Drohungen bleiben da eine Ausnahme. «Da muss man handeln und diese melden.» Laut Deplazes hängt die Häufigkeit der Hassnachrichten davon ab, wie stark man in der Öffentlichkeit steht. «Während eines Wahlkampfs nehmen sie zu.» Auch seit Corona hätten sie zugenommen. «Ich glaube, den Leuten ist langweilig und sie haben mehr Zeit.»

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