Aktualisiert 27.05.2018 12:46

«Jeder Hauseigen­tümer handelt so»

Grünen-Stadtrat vermietet Wohnung für 5080 Fr

Der Zürcher Stadtrat Daniel Leupi setzt sich normalerweise für bezahlbares Wohnen ein. Doch wenn es um seine eigenen Immobilien geht, scheint ihm der Profit wichtiger.

von
mon
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Zürcher Stadtrat Daniel Leupi hat auf Homegate eine Wohnung für 5080 Franken ausgeschrieben.

Zürcher Stadtrat Daniel Leupi hat auf Homegate eine Wohnung für 5080 Franken ausgeschrieben.

Keystone/Walter Bieri
Die Wohnung befindet sich in Zürich-Wollishofen, hat 5,5 Zimmer und einen Gartensitzplatz.

Die Wohnung befindet sich in Zürich-Wollishofen, hat 5,5 Zimmer und einen Gartensitzplatz.

Homegate
Sie ist aber für viele Familien unbezahlbar und widerspricht Leupis Politik.

Sie ist aber für viele Familien unbezahlbar und widerspricht Leupis Politik.

Homegate

Eigentlich setzt sich Grünen-Stadtrat Daniel Leupi für bezahlbares Wohnen in der Stadt Zürich ein und waltet als Finanzvorstand über das städtische Immobilienwesen. Doch als privater Vermieter scheint er andere Wege zu gehen.

Auf Homegate hat Leupi eine 157 Quadratmeter grosse Wohnung für 5080 Franken ausgeschrieben haben, wie «SonntagsBlick» schreibt. Die Wohnung befindet sich in Zürich-Wollishofen, hat 5,5 Zimmer, einen Gartensitzplatz und bietet «Charme und Komfort» – wird aber wohl für den Normalverdiener kaum bezahlbar sein.

Einkommen von 15'000 Franken wäre Voraussetzung

Denn um sich die Wohnung leisten zu können, müsste man ein Einkommen von 15'000 Franken vorweisen. Damit wäre die Wohnung für viele Familien unbezahlbar und widerspricht Leupis Politik: Zürich zu einer «attraktiven Wohnstadt für alle Bevölkerungsschichten und Altersgruppen» zu machen.

Der Zürcher Stadtrat rechtfertigt sich gegenüber dem «SonntagsBlick»: Der Mietzins sei zwar «hoch», aber aufgrund der Lage, des Ausbaustandards und der Grösse «gerechtfertigt und branchenüblich». Er wolle mit den Einnahmen die Totalsanierung des rund 80-jährigen Hauses amortisieren, welche 2011 vorgenommen wurde. «Die während Jahrzehnten unterlassenen Sanierungen führen zu einem grossen Kostenblock», so der Zürcher Finanzvorsteher.

«Jeder Hauseigen­tümer handelt so»

Ausserdem hätte er die Wohnung während fast zehn Jahren zu sehr günstigen Mietzinsen vermietet, unter anderem an das Jugendwohnnetz – «das halbe Haus» sei zeitweise von Studentinnen und Studenten bewohnt gewesen.

Zudem vermiete er die Wohnung in seiner Liegenschaft «nicht im Auftrag der Stadt, sondern als Privatperson». Somit müsse er auch sicherstellen, dass er die getätigten Investitionen über seine Zeit im Stadtrat refinanzieren kann: «Jeder Hauseigen­tümer handelt so. Alles andere wäre fahrlässig und kann in den Privatkonkurs führen», so Leupi.

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