Luzius Theiler: Grüner wehrt sich gegen Berner Bahnhof-Ausbau
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Luzius TheilerGrüner wehrt sich gegen Berner Bahnhof-Ausbau

Das Ausbau-Projekt «Zukunft Bahnhof Bern» plant eine zusätzliche Unterführung und einen grösseren RBS-Bahnhof. Im Stadtrat werden nun Gegenstimmen laut.

von
kaf
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Im zweitgrössten Schweizer Bahnhof entsteht eine neue «Unterführung Mitte» ...

Im zweitgrössten Schweizer Bahnhof entsteht eine neue «Unterführung Mitte» ...

... mit Ausgängen zum Bubenbergplatz ...

... mit Ausgängen zum Bubenbergplatz ...

...und zur Länggasse.

...und zur Länggasse.

Der geplante Ausbau des Bahnhof Bern geht in die nächste Runde: Ab Donnerstag diskutiert der Stadtrat über das Riesenprojekt «Zukunft Bahnhof Bern» (ZBB). Dabei geht es um die zweite Erhöhung des Planungskredites und um den Beitrag der Stadt an den Zugang der Bubenbergunterführung. Doch nicht alle stehen dem Bauvorhaben positiv gegenüber: Der Grüne Luzius Theiler präsentiert seinen Ratskollegen am Donnerstag einen Rückweisungsantrag.

«Bis jetzt kam das Bauvorhaben überall durch», sagt Theiler. «Wenn wir es noch stoppen wollen, müssen wir jetzt die Reissleine ziehen.» Konkret solle der Gemeinderat überprüfen, ob der Ausbau des zweitgrössten Bahnhofs der Schweiz wirklich notwendig ist und welche Auswirkungen die lange Bauphase auf die Anwohner hat – «immerhin dauert es rund 20 Jahre, bis das Gesamtprojekt abgeschlossen ist.»

Neue Unterführung und RBS-Tiefbahnhof

Dabei werden in einer ersten Phase zwischen 2017 und 2025 eine zusätzliche Unterführung zwischen Länggasse und Bubenbergplatz gebaut, die Perrons erhöht und ein neuer RBS-Bahnhof unter den Gleisen 2 bis 7 gebaut. Dieser wird den heutigen RBS-Tiefbahnhof ersetzen. Im Anschluss startet die zweite Bauphase, bei welcher der SBB-Bahnhof bis 2035 um vier zusätzliche Gleise unter der Grossen Schanze seitlich erweitert wird.

«Die geplante Unterführung ist sicher nützlich und sinnvoll», so Theiler. «Aber sie ist auch unabhängig von den restlichen Vorhaben umsetzbar.» Ihn störe vor allem der neue RBS-Tiefbahnhof und die Bauvorhaben der Phase zwei.

«Gedränge auf Perrons kann zu einem Sicherheitsrisiko werden»

Beim RBS hingegen erachtet man den neuen Tiefbahnhof als notwendig: «Der jetzige RBS-Bahnhof Bern wurde 1965 für 16'000 Personen eröffnet – heute passieren ihn bis zu 60'000 Personen täglich», so Sprecher Caspar Lösche. Bis 2030 würden es noch 10'000 Pendler mehr sein, doch: «Mit dem Ausbau des Fahrplans 2014 hat der heutige RBS-Bahnhof seine Kapazitätsgrenze erreicht.» So könne weder der Fahrplan verdichtet noch mit längeren Zügen gefahren werden.

Da die Perrons zu schmal und kurz seien, würden sich die Fahrgäste in die Quere kommen. Es komme zu Gedrängen und Wartezeiten. «Nehmen die Frequenzen noch weiter zu, wird dieser lästige Zustand immer häufiger und kann zu einem Sicherheitsrisiko werden», so Lösche. Deshalb brauche es einen neuen Bahnhof.

«Zahlen sind in den letzten Jahren abgeflacht»

Das Argument der steigenden Pendlerzahlen will Theiler nicht gelten lassen. «Die Zahlen sind in den letzten Jahren abgeflacht und werden in Zukunft kaum noch ansteigen.» Das Wachstum der Jahre davor sei keine Grundlage für das Projekt.

Ein anderes Bild malt das Gesamtverkehrsmodell des Kantons Bern, auf das sich das ZBB-Projekt stützt: Demnach steigt die Nachfrage im Kanton zwischen 2010 und 2030 um rund 50 Prozent. Der Hauptbahnhof Bern hat zudem schweizweit die meisten ÖV-Pendler.

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