Aktualisiert 17.02.2015 13:36

Wunderkraut SteviaGrünes Coca-Cola soll die Schweiz erobern

Coca-Cola lanciert in der Schweiz ein mit Stevia gesüsstes Light-Getränk – und hofft auf eine neue Zielgruppe. Zu Recht? 20 Minuten hat nachgefragt.

von
Sandro Spaeth

Was halten Barkeeper und Clubbesitzer von Coca-Cola Life? (Video: Lorenz von Meiss)

Es ist ein weiterer Schritt weg vom Image der Kalorienbombe: Coca-Cola lanciert nach der Markteinführung in Südamerika und Grossbritannien auch in der Schweiz das Light-Produkt Coca-Cola Life. Das mit Extrakten der Stevia-Pflanze gesüsste Getränk wird Ende Februar in den Regalen der hiesigen Supermärkte landen. Zu Beginn gibt es Coca-Cola Life mit 36 Prozent weniger Kalorien und grüner Etikette ausschliesslich bei Coop.

«Weil viele Konsumenten den hohen Zuckergehalt von normalem Coca-Cola kritisieren, die künstlichen Süssstoffe von Cola Light aber ablehnen, kommt das neue Getränk gerade richtig», sagt Konsumpsychologe Christian Fichter von der Kalaidos Fachschule.

Süsse ohne Kalorien

Der aus der Stevia-Pflanze gewonnene Süssstoff Steviolglycosid ist etwa 200-mal süsser als herkömmlicher Zucker. Ein weiterer Vorteil des Wunderkrauts: Es hat keine Kalorien. Dennoch ist Stevia nicht jedermanns Sache: «Der Geschmack vieler mit Stevia gesüsster Getränke ist gewöhnungsbedürftig. Vor allem der lang anhaltende lakritzeartige Geschmack kann als störend empfunden werden», sagt Christine Brombach, Ernährungswissenschaftlerin an der ZHAW.

Bei Coca-Cola wird diese Problematik bestätigt. Um dem Lakritz-Geschmack zu begegnen, hat der Hersteller dem Getränk auch natürlichen Zucker beigemischt. Eine Coke-Life-Dose (0,33 l) bringt es darum auf 89 Kalorien. Zum Vergleich: Eine Dose normales Cola hat 139 Kalorien.

Auch Pepsi will mit Stevia punkten

Mit Cola Life wächst die Cola-Familie auf vier Sorten. Normal, Light, Zero und das neu lancierte Coca-Cola Life. Zudem gibt es die hierzulande weniger populären Aromen Cherry und Vanilla. Besteht mit der neuen Sorte die Gefahr, dass das eine Cola-Produkt durch ein anderes verdrängt wird?

Konsumpsychologe Fichter hält das für realistisch. «Coca-Cola ist es aber sicher lieber, sich zu kannibalisieren, als dass Konsumenten auf andere Getränkemarken umsteigen», so Fichter. Mit Pepsi True hat nämlich auch der Erzrivale eine mit Stevia gesüsste Variante im Programm, die aber erst über Amazon erhältlich ist.

So schmeckt Cola Life den Clubbetreibern

Beim Hersteller Coca-Cola sieht man diese Gefahr nicht: «Wir sprechen Personen an, die ein kalorienreduziertes Coca-Cola mit Süssstoffen pflanzlichen Ursprungs trinken möchten», sagt Sprecherin Anita Geiger. In der Cola-Marketingsprache wird die Hauptzielgruppe so definiert: 35- bis 45-jährige Personen mit hektischem Alltag, denen Natürlichkeit und Nachhaltigkeit am Herzen liegen.

Wie schweizerisch ist Cola-Cola Life?

Die Chancen, mit Coca-Cola Life einen Erfolg zu landen, bezeichnen Branchenkenner als gross. Schweizer Konsumenten sind laut Fichter überdurchschnittlich gesundheitsbewusst und bevorzugen gleichzeitig bewährte Marken. «Das sind beste Voraussetzungen, um im gesättigten Markt für Süssgetränke eine neue Variante zu lancieren», so Fichter. Stevia-Getränke würden künftig mit Sicherheit Marktanteil gewinnen, sagt auch Ernährungswissenschaftlerin Brombach.

Coca-Cola gibt sich gerne schweizerisch und druckt das Schweizerkreuz auf die grünen Flaschendeckel. Die in Coca-Cola Life verwendeten Steviolglycoside kommen laut Firmenangaben hauptsächlich aus Südamerika, Indien und Vietnam. Grundsätzlich werden die meisten Stevia-Extrakte laut der Lobby-Organisation Pro Stevia aber in China hergestellt, was Kritiker aufgrund der dort vorherrschenden Umweltstandards anprangern. Das Gewinnungsverfahren hinterlasse problematische Abfälle. «Steviolglycoside aus Schweizer Produktion sind nicht erhältlich», sagt Coca-Cola-Sprecherin Anita Geiger. Dafür stamme der ebenfalls darin enthaltene Zucker ausschliesslich aus der Schweiz.

Test bei Clubbesitzern

20 Minuten hat das neue Gebräu mit Barkeepern und Betreibern der angesagtesten Zürcher Clubs getestet. Die Gastro-Experten sind sich einig: Das neue Coke ist erfrischend, hat weniger Kohlensäure und ist nicht so süss wie das normale Cola. Doch ist es auch clubtauglich? Sehen Sie sich oben im Video das Ergebnis an.

Schweizer Entdecker

Ureinwohner Südamerikas haben Stevia seit Jahrhunderten zum Süssen von Speisen verwendet, erstmals beschrieben wurde die Pflanze durch den Schweizer Botaniker Moises S. Bertoni im Jahr 1887. Als Lebensmittel zugelassen sind Steviolglycoside in der Schweiz seit 2008, in der EU seit 2011. Ob sie gesünder sein als beispielsweise der künstliche Süssstoff Aspartam, ist in Langzeitstudien nicht genügend erwiesen. «Da die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Steviapflanze nicht vollständig belegt ist, dürfen Steviakraut beziehungsweise -blätter nicht als Lebensmittel vermarktet werden», schreibt denn auch das BAG auf seiner Website. Es gelte klar zu unterscheiden zwischen der Steviapflanze und den daraus gewonnenen Steviolglycosiden. (sas)

Migros und Denner müssen warten

Der Basler Detailhändler Coop verkauft «Coca-Cola Life» zu Beginn exklusiv. Bekam die Mirgos nicht den Zuschlag, weil Ihre Tochter Denner einen Teil das Coca-Colas am offiziellen Schweizer Ableger vorbei aus Osteuropa importiert? Von Coca-Cola heisst es dazu offiziell: «Auch Migros und weitere Detailhändler werden Coca-Cola Life in ihrem Sortiment haben.» Zudem fänden mit Denner zur Zeit Gespräche über eine Listung von Coke Life statt. Man habe ein Interesse an einer breiten Distribution. (sas)

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