Aktualisiert 03.03.2019 20:03

Sicherheitsrisiko?Grünliberale kämpft für Rauchverbot am Steuer

Der Bundesrat will das Rauchen im Auto nicht verbieten. Nationalrätin Isabelle Chevalley (GLP) will nun aber einen neuen Anlauf nehmen.

von
maz
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Isabelle Chevalley fordert die Bundesverwaltung auf, ein Rauchverbot im Auto zu planen. Geschieht nichts, will sie einen Vorstoss im Parlament einreichen.

Isabelle Chevalley fordert die Bundesverwaltung auf, ein Rauchverbot im Auto zu planen. Geschieht nichts, will sie einen Vorstoss im Parlament einreichen.

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Laut Chevalley sind Zigarettenstummel, die aus dem Auto geworfen werden, eine Gefahr für die Verkehrssicherheit und für die Umwelt.

Laut Chevalley sind Zigarettenstummel, die aus dem Auto geworfen werden, eine Gefahr für die Verkehrssicherheit und für die Umwelt.

Keystone/Martin Meissner
Chevalley bezweifelt zudem, dass rauchende Lenker «das Fahrzeug ständig so beherrschen, dass sie ihren Vorsichtspflichten nachkommen» können, wie es im Strassenverkehrsgesetz heisst.

Chevalley bezweifelt zudem, dass rauchende Lenker «das Fahrzeug ständig so beherrschen, dass sie ihren Vorsichtspflichten nachkommen» können, wie es im Strassenverkehrsgesetz heisst.

Keystone/Christian Beutler

Geht es nach der grünliberalen Nationalrätin Isabelle Chevalley, hat es sich bald ausgequalmt am Steuer: Sie fordert die Bundesverwaltung auf, ein Rauchverbot am Steuer vorzubereiten. Geschieht nichts, will sie einen Vorstoss im Parlament einreichen. Laut Chevalley sind Zigarettenstummel, die aus dem Auto geworfen werden, eine Gefahr für die Verkehrssicherheit und die Umwelt.

Laut der «Luzerner Zeitung» musste die Politikerin auf der Autobahn einen Notfallstopp einlegen, nachdem ein brennender Zigarettenstummel am Scheibenwischer hängen blieb. Auch der Brand im Mont-Blanc-Tunnel vor 20 Jahren, bei dem 39 Menschen ums Leben kamen, wurde durch einen Zigarettenstummel ausgelöst. Dieser hatte sich im Kühlergrill eines Lastwagens verfangen. Hinzu komme, dass das Rauchen den Fahrer einschränke.

«Man hat beim Rauchen auch nur eine Hand frei»

Chevalley bezweifelt zudem, dass rauchende Lenker «das Fahrzeug ständig so beherrschen, dass sie ihren Vorsichtspflichten nachkommen» können, wie es im Strassenverkehrsgesetz heisst.

Auch CVP-Nationalrätin Ruth Humbel unterstützt das Verbot. «Das Rauchen sollte gleich behandelt werden wie das Telefonieren am Steuer. Man hat beim Rauchen auch nur eine Hand frei. Alles was ablenkt, sollte verboten werden», sagt die Politikerin zu 20 Minuten. Es gehe um die Verkehrssicherheit.

Bundesrat winkt ab

Während in anderen EU-Ländern zumindest das Rauchen im Beisein von Schwangeren oder von Kindern verboten ist, will der Bundesrat von einem Verbot nichts wissen. Als Antwort auf einen ersten Vorstoss Chevalleys schrieb er vergangene Woche, dass die aktuelle Gesetzeslage ausreiche. Die Strassenverkehrsverordnung untersage das Rauchen schon heute, wenn dadurch die Bedienung des Fahrzeugs erschwert werde.

Er sehe darum keine Notwendigkeit, Nebentätigkeiten wie Essen, Trinken und Rauchen während dem Autofahren speziell zu regeln oder zu verbieten. Einzige Ausnahme bilde das Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung, welches ein besonders hohes Ablenkungs- und Gefährdungspotenzial habe und deshalb explizit geregelt sei.

«Essen ist viel gefährlicher»

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) findet es ebenfalls nicht nötig, ein explizites Rauchverbot zu installieren. Die gültige Verordnung genüge, um Ablenkung zu sanktionieren. Doch: «Wir wollen das Rauchen am Steuer nicht verharmlosen», sagt bfu-Sprecher Marc Kipfer zur «Luzerner Zeitung». Ein nicht funktionierendes Feuerzeug sei zum Beispiel eine grosse Gefahrenquelle. Beim Thema Ablenkung sei Rauchen aber nicht das Hauptproblem. Tätigkeiten wie mit anderen Passagieren reden, essen oder trinken würden auch ablenken.

So sieht es auch GLP-Nationalrat Beat Flach. «Man kann nicht alles verbieten», sagt er gegenüber 20 Minuten. Er habe früher auch im Auto geraucht. «Essen während des Fahrens ist viel gefährlicher als das Rauchen», findet er. Beim Rauchen störe ihn einzig, dass gewisse Autofahrer Zigarettenstummel rauswerfen würden. «Als Töfffahrer wurde ich mal von einem Zigarettenstummel im Auge getroffen». Das sei rücksichtslos und gefährlich.

Solches Littering ist für die Regierung aber ebenfalls kein Argument für ein Verbot. Das Herauswerfen von Zigaretten aus dem Auto sei bereits verboten. In zahlreichen Kantonen drohe eine Busse.

Diese Regeln kennt das Ausland

Wer im Auto raucht, wird in manchen EU-Ländern gebüsst. In Österreich muss man 100 Euro zahlen, wenn Minderjährige mitfahren, im Wiederholungsfall sind es bis zu 1'000 Euro. Ausnahmen gelten beispielsweise in Taxis, weil sie der gewerblichen Personenbeförderung dienen. Frankreich, England und Griechenland kennen ähnliche Regelungen. In Italien wird das Rauchen im Auto geahndet, wenn Minderjährige und Schwangere mitfahren. Bis zu 5000 Euro können hier fällig werden.

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