Fischinvasion: Grundeln bedrohen einheimische Fische
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FischinvasionGrundeln bedrohen einheimische Fische

Sie stammen aus Osteuropa und sind ausgesprochen anspruchslos: Die Schwarzmeergrundeln sind bereits in den Rhein vorgedrungen und bedrohen heimische Fischarten.

von
dhr

1992 wurde der Rhein-Main-Donau-Kanal eröffnet; damit war die letzte Lücke im Wasserstrassennetz zwischen Nordsee und dem Schwarzen Meer geschlossen. Die neue Verbindung öffnete allerdings auch ungebetenen Gästen den Weg zu uns: Im Schwarzen Meer und im Donau-Mündungsgebiet heimische Grundel-Arten wanderten in das Einzugsgebiet des Rheins ein. 2011 erreichten sie erstmals Basel.

Die unter der Bezeichnung «Schwarzmeergrundeln» zusammengefassten vier Grundelarten – die Kesslergrundel, die Schwarzmundgrundel, die Flussgrundel (oder Nackthalsgrundel) sowie die Marmorgrundel – sind äusserst vermehrungsfreudig: Grundeln laichen bis zu viermal im Jahr und können in kurzer Zeit grosse Bestände bilden. Der anspruchslose Fisch, der verschmutztes Wasser, niedrigen Sauerstoffgehalt und starke Trübung toleriert, liebt langsam fliessende und stehende Gewässer.

Schlechte Schwimmer, die weit kommen

Grundeln können eine Grösse von 18 bis 24 cm erreichen und sind schlechte Schwimmer. Dennoch überwinden sie in kurzer Zeit grosse Distanzen, da sie über eine Saugscheibe am Bauch verfügen, mit der sie sich an Schiffsrümpfe anheften können. Möglicherweise gelangen auch ihre Larven oder ihr Laich mit dem Ballastwasser von Schiffen in entfernte Gebiete – Schwarzmeergrundeln sind seit den Neunzigerjahren auch in den Grossen Seen in Nordamerika anzutreffen.

Auf den Ernst der Lage hierzulande hat Mitte September Patricia Holm von der Universität Basel in einem Vortrag für den Aargauischen Fischereiverband (AFV) hingewiesen. Bereits breiten sich zwei Grundelarten aus dem Schwarzen Meer in beängstigender Zahl im Basler Hochrhein aus. Untersuchungen im Hafen Kleinhüningen ergaben, dass sich die Invasoren innerhalb nur eines Jahres stark vermehrt hatten. Dies bedroht hier ansässige Arten wie die Groppen und heimische Grundelarten, deren Eier massenweise von den gefrässigen Schwarzmeergrundeln vertilgt werden.

Schlüsselgebiet Aargau

Der Kanton Aargau ist hinsichtlich der weiteren Verbreitung der invasiven Grundeln in der Schweiz ein Schlüsselgebiet. Am Kraftwerk Rheinfelden, wo die Rheinschifffahrt endet, könnte dem ungebetenen Gast das Eindringen in die Flusssysteme von Aare, Limmat und Reuss verwehrt werden, schreibt der AFV in einer Mitteilung. Sollte es den Schwarzmeergrundeln gelingen, die Treppen beim Kraftwerk zu überwinden, so der AFV, könnte ein systematisches Controlling an der Staustufe Klingnau aufgebaut werden. Dort befindet sich der Zugang zur Aare und damit zum Mittelland. Holm betont, Vorbeugung sei das beste Mittel gegen die Ausbreitung von invasiven Arten. Aber auch danach ist der Kampf nicht aussichtslos. In den Grossen Seen in Nordamerika gelang es, die Population der eingewanderten Grundeln durch Raubfische um fast 60 Prozent zu dezimieren.

«Das Grundelproblem, so sieht eine Schwarzmeergrundel aus!»(Quelle: Youtube/Boerben16)

Ausbreitung eindämmen

Sie haben eine Grundel gefangen, deren Bauchflossen einen Saugnapf bilden? Das Tier ist hier nicht heimisch und darf daher keinesfalls zurückgesetzt oder als Köderfisch verwendet werden (Verschleppungsgefahr!).

• Dokumentieren Sie den Fang mit Fotos, Bauchflosse, Rückenflosse, Seitenansicht

• Geben Sie den genauen Fangort, Datum, Zeit, Name und die Fangmethode an.

BENACHRICHTIGEN SIE BITTE SOFORT:

• Kanton Basel-Stadt:

Amt für Umwelt und Energie

Tel. 061 639 22 32

• Kanton Basel-Landschaft:

Veterinär-, Jagd- und Fischereiwesen

Tel. 061 552 56 04

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