Grundversorgung bleibt bei der Swisscom
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Grundversorgung bleibt bei der Swisscom

Die Swisscom stellt die flächendeckende Versorgung der Schweiz mit Telekomdiensten auch künftig sicher. Sie hat vom Regulator die Grundversorgungskonzession für die nächsten zehn Jahre erhalten.

Dies war zu erwarten, denn die Swisscom war die einzige Bewerberin.

Als Weltpremiere verpflichtet die neue Konzession im Gegensatz zur bisherigen die Swisscom, zusätzlich auch einen Breitbandinternet-Anschluss anzubieten, wie die Eidg. Kommunikationskommission (ComCom) am Freitag mitteilte. Die neue Konzession gilt ab dem nächsten Jahr bis 2017.

Konkret muss die Swisscom praktisch der ganzen Bevölkerung einen Internetanschluss mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 600 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s) beim Herunterladen und 100 Kbit/s beim Heraufladen sicherstellen.

Als Preisobergrenze hat der Bundesrat 69 Fr. ohne Mehrwertsteuer festgelegt. Das ist so teuer wie heute ein ADSL-Anschluss für 49 Fr. plus der monatlichen Anschlussgebühr von 25,25 Franken.

Teure 2 Prozent

Damit wird die neue Auflage teuer für die Swisscom. Zwar kann der Schweizer Branchenführer mittlerweile über 98 Prozent der Bevölkerung mit höheren Geschwindigkeiten als 600 Kbit/s bedienen. Und der geforderte Durchsatz liegt auch weit unter den meistverbreiteten Breitbandinternet-Geschwindigkeiten von 3500 Kbit/s an aufwärts.

Aber die Versorgung der restlichen nicht ganz 2 Prozent der Bevölkerung geht tüchtig ins Geld. Würde die Swisscom alle abgelegenen Haushalte mit ADSL über die Festnetzleitung versorgen wollen, müsste sie gemäss früheren eigenen Angaben nochmals mehrere hundert Mio. Fr. investieren.

Deshalb denkt sie über alternative Übertragungsarten wie die Funktechnologie Wimax oder über Satellit nach. Derzeit läuft in Boltigen im Berner Oberland ein Feldversuch mit Wimax.

Die bisherigen Erfahrungen seien positiv, sagte Swisscom- Sprecher Sepp Huber auf Anfrage: «Aber wir haben noch nicht entschieden, ob die Technologie definitiv genutzt wird.» Zuerst werde die Auswertung des Versuchs im Herbst abgewartet.

Keine Entschädigung verlangt

Bei der Funktechnologie Wimax muss Sichtverbindung zu den Häusern bestehen. Deshalb eignet sich Wimax, von der einen Seite eines Tals, Häuser auf der anderen Talseite mit Breitbandinternet zu versorgen. Problematisch sind aber abgelegene Haushalte im Wald, die nicht direkt angepeilt werden können.

Welche Technik die Swisscom auch immer wählt, tief in die Tasche greifen muss sie sowieso: Um die Auflagen zu erfüllen, gehe der Konzern von einmaligen Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe für den Ausbau der Abdeckung aus, sagte Huber.

Zudem ist auch der laufende Betrieb der Grundversorgung für die Swisscom kein Geschäft. Gemäss früheren Angaben muss die Ex- Monopolistin dafür jährlich über 100 Mio. Fr. aufwenden. So hat der Bundesrat trotz des Handybooms die Pflicht zur Bereitstellung von öffentlichen Telefonkabinen auch in der neuen Konzession beibehalten. Viele Telefonkabinen seien defizitär, sagte Huber.

Dennoch habe die Swisscom darauf verzichtet, eine finanzielle Abgeltung für die ersten fünf Jahre der Konzessionsdauer zu verlangen, schreibt die ComCom. Die Swisscom könnte allerdings eine Entschädigung für die darauf folgenden Jahre verlangen. Die ComCom würde ein allfälliges Gesuch der Swisscom prüfen und die Abgeltung auf Basis der effektiven Kosten festlegen.

(sda)

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