Frau kämpft um ihr Leben: Gruppen-Vergewaltigung schockiert Indien
Aktualisiert

Frau kämpft um ihr LebenGruppen-Vergewaltigung schockiert Indien

Eine 23-Jährige ist in Neu-Delhi in einem Bus brutal vergewaltigt worden. Die junge Frau ist in kritischem Zustand. Der Fall ist der traurige Höhepunkt einer Serie sexueller Gewalt gegen Frauen.

von
kub

Es geschieht am Sonntagabend um 21.15 Uhr. Eine 23-jährige Medizinstudentin steigt nach einem Kinobesuch mit ihrem Kollegen in einen Stadtbus. Sie wollen von Munirka nach Dwarka im Südwesten Delhis zurückfahren. Eine Gruppe von bis zu sieben Männern – darunter laut Zeugen auch der Busfahrer – attackieren die zwei im fahrenden Bus. Nach anfänglichen Beleidigungen vergewaltigen die Männer die junge Frau auf dem Gang und schlagen sie mit einer Eisenstange. Der Begleiter der Frau wird brutal daran gehindert, ihr zu helfen.

Um 23 Uhr geht bei der Polizei ein Notruf ein. Man habe ein halbnacktes Paar in einer Überführung in Mahipalpur gefunden. 24 Stunde später kämpft die mehrfach vergewaltigte Frau im Spital um ihr Leben. Ihr Kollege ist ebenfalls schwer verletzt.

(YouTube)

Unterdessen hat die Polizei den Busfahrer verhaftet, meldet die indische Fernsehstation NDTV. Ram Singh fuhr einen weissen Luxusbus, der von einem privaten Unternehmen betrieben wird. Die Polizei hat Videoaufnahmen vom Bus veröffentlicht. Die anderen mutmasslichen Täter sind immer noch auf der Flucht.

Vergewaltigungs-Hauptstadt Neu-Delhi

Delhi wird von Indern «Vergewaltigungs-Hauptstadt» genannt. 2011 hat die Polizei 568 Vergewaltigungen gezählt. Doch die Dunkelziffer wird signifikant höher sein. «Solche Vorfälle nehmen in Delhi zu», mahnt die Vorsitzende der Nationalen Frauen-Kommission, Mamata Sharma, auf BBC. «Die Polizei und Regierung sollten alarmiert sein.» Frauenorganisationen fordern neben der lückenlosen Aufklärung des abscheulichen Verbrechens Überwachungskameras in allen Stadtbussen und Busstationen. Eine Studie hat ergeben, dass 42 Prozent der Frauen vor allem während des Wartens auf Busse und Taxis belästigt werden.

Laut Medienberichten sind in der 20-Millionen-Stadt 80 Prozent der Frauen mindestens ein Mal sexuell belästigt worden. Vier von fünf Frauen fühlen sich auf Delhis Strassen nicht sicher, vor allem in der Nacht. «Wenn Frauen hier in Neu-Delhi schon nicht sicher sind, wo sind sie dann überhaupt sicher? Eltern können nicht mehr schlafen, wenn diese Verbrechen zunehmen», kommentiert ein besorgter Bürger im Fernsehen die Situation.

Die rechte Bharatiya Janata Partei (BJP) schlägt aus dem aktuellen Vergewaltigungsfall Kapital und macht die Regierung für die zunehmende Zahl von sexuellen Übergriffen in Delhi verantwortlich. Doch Gründe, weshalb gerade Neu-Delhi so gefährlich für Frauen ist – gefährlicher als Bombay oder Kalkutta - kennt die BJP auch nicht, ganz zu schweigen von einer Lösung. Jetzt seien «harte Aktionen» gegen die Schuldigen angesagt, verspricht Neu-Delhis Chefministerin Sheila Dikshit. Vorerst sind es nur leere Parolen einer Politikerin. Der vergewaltigten Medizinstudentin werden sie nicht mehr helfen.

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