Bergführer in Lawinen : «Gruppendruck kann eine fatale Rolle spielen»
Aktualisiert

Bergführer in Lawinen «Gruppendruck kann eine fatale Rolle spielen»

Lawinen treffen nicht nur Laien oder Draufgänger: Auch erfahrene Bergführer kann es treffen. Neben statistischen spielen auch andere Faktoren mit.

von
num

Pistensanitäter Urs Imboden schätzt die Lawinengefahr als erheblich ein. (Video: Lorenz von Meiss/Vincent Freigang)

Lawinen treffen nicht nur unerfahrene Variantenskifahrer oder Draufgänger – sondern auch Profis: Bergführer und Tourenleiter, teils mit jahrzehntelanger Erfahrung, wurden in den letzten Jahren vom Weissen Tod verschluckt. Wie im Januar 2014 im Val d'Herens, als ein Bergführer in einer Lawine starb, oder zwei Monate später, als ein erfahrener Bergführer am Aeschihorn bei idealen Bedingungen in den Tod gerissen wurde.

Warum trifft es auch Profis? Pierre Mathey, Präsident des Schweizerischen Bergführerverbands, sagt: «Grundsätzlich ist eine Lawine unvorhersehbar. Das ist wie bei einem Tsunami – auch diesen kann man trotz aller Messungen nicht voraussagen.» Ein Nullrisiko gebe es für niemanden.

Laut Bruno Hasler, Fachleiter Ausbildung Tourenleiter SAC, fehle Menschen bei Lawinen die Erfahrung, die man in anderen Bereichen mit der Zeit gewinne: «Im Gegensatz zum Velofahren weiss man bei Lawinen nie, wie nah man am Berg am Limit gewesen ist.»

Sich in falscher Sicherheit wiegen

Der Heimvorteil, wenn der Tourenleiter einen Hang wie seine Westentasche kenne, sei zwar mehrheitlich positiv zu werten, doch könne er ins Negative kippen, da er eine falsche Sicherheit vorgaukeln könne. «Da ist man viermal bei gleichen Bedingungen runter und beim fünften Mal knallt es plötzlich.»

Bruno Hasler bringt noch einen weiteren Faktor ins Spiel: «Gruppendruck kann eine fatale Rolle spielen: Die Gruppendynamik kann einen Tourenleiter dazu bringen, ein bisschen zu viel Risiko einzugehen.» Wenn man tagelang in der Hütte gesessen habe und plötzlich wunderschöne Pulverhänge lockten, könne das mitunter fatal enden.

Statistische Gründe spielen ebenfalls eine Rolle: Profis seien häufiger dem Risiko ausgesetzt als Laien, sagt Pierre Mathey. Und doch versucht der Bergführerverband die Risiken laufend zu minimieren. Denn in Studien sei nachgewiesen worden, dass unerfahrenen jüngeren oder routinierten älteren Bergführern eher Fehler unterlaufen würden. Seit Januar 2014 ist es deshalb Pflicht für alle Bergführer, zwei Mal innerhalb von vier Jahren eine Fortbildung im Bereich Risikomanagement zu absolvieren.

Deine Meinung