SVP-Stadtrat: Gruppensex schadet der Partei
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SVP-StadtratGruppensex schadet der Partei

Der Rücktritt eines SVP-Stadtrats in Yverdon wegen Gruppensex-Partys sei richtig, finden seine früheren Parteikollegen. Es passe nicht zur Vorbildfunktion.

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mdr/amc

Wegen Gruppensex-Partys ist die Politkarriere von Fabien Richard zu Ende: Nachdem bekannt geworden war, dass der Yverdoner SVP-Stadtrat solche Partys organisiert hatte, trat Richard am Sonntagabend aus der Partei aus und von seinem Amt zurück. Er kam damit einem Rauswurf zuvor und sorgte bei seiner Partei für Erleichterung. Denn obwohl Gruppensex nichts Illegales ist, stehe ein solches Verhalten einem Politiker nicht an, finden viele SVPler. «Wenn jemand so etwas Absonderliches macht, geht das weit über den normalen Schutz der Privatsphäre hinaus», sagt der Zürcher SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi. Das gehöre sich als Behördenmitglied nicht. «Der Rücktritt war das Beste, was Richard tun konnte.»

Den Kopf über Richards Aktivitäten schüttelt auch Ulrich Giezendanner, SVP-Nationalrat aus dem Aargau: «Als Politiker weiss man doch, dass man so etwas nicht macht.» Dies findet auch sein Zürcher Nationalratskollege Hans Fehr: «Wir Politiker sitzen im Glashaus und gerade bei SVPlern wird sofort mit grossem Geschütz geschossen.» Deshalb liege die moralische Messlatte auch höher. «Sonst muss er sagen, ich führe lieber ein Bordell, als in die Politik zu gehen.»

Schlafzimmer als private Zone

Für den Walliser Nationalrat Oskar Freysinger gehen diese beiden Sachen ebenfalls nicht zusammen: «Man kann nicht gewählter Politiker sein und gleichzeitig Gangbang-Partys organisieren.» Das vertrage sich nicht mit den Werten der SVP. Wobei sich Freysinger nicht an den sexuellen Vorlieben stört: «Was er mit erwachsenen Personen freiwillig und in seinem Schlafzimmer tut, geht uns nichts an.» Gegen die Vermischung von Privatem und Politischem ist zwar auch SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler (BE), aber auch sie kritisiert Richard: «Er muss im Vorfeld gewusst haben, dass die Organisation von Gruppensex-Partys nicht zusammenpasst mit der Vorbildfunktion als Politiker.» Dieser Meinung ist auch SVP-Vizepräsidentin Nadja Pieren: «Das Organisieren von Gruppensex-Party mit Prostituierten verstösst gegen die allgemeingütligen Werte in der Schweiz und beisst sich deshalb mit der Funktion als Politiker», so Pieren. Der Rücktritt sei deshalb nur konsequent.

Das findet Erich Hess, Präsident der Jungen SVP, nicht. «Ich persönlich finde, Richard hätte nicht aus der Partei austreten müssen», sagt er. Die Gruppensex-Partys sieht er nicht so dramatisch. «Solange er das Privatleben nicht mit der Politik vermischt, habe ich kein Problem damit.» Und obwohl Hans Fehr findet, dass Richard zu weit ging, warnt er vor Verurteilungen: «Niemand ist durchwegs ein Sonntagschüler.» Zudem habe Richard nichts Illegales getan.

Einschreiten bei Schaden für Partei

Für die SVP Schweiz als Mutterpartei sind die Vorgänge in Yverdon aber kein Thema. «Es ist Aufgabe der jeweiligen Ortssektion und allenfalls der Kantonalpartei in solchen Fällen zu handeln», sagt Generalsekretär Martin Baltisser. Das sei im Fall von Richard geschehen. Ob ein Politiker höheren moralischen Ansprüchen genügen muss, sei von seiner Funktion und seinem Amt abhängig. «Solange die Partei nicht in Mitleidenschaft gezogen wird, interessieren wir uns grundsätzlich nicht für das Privatleben unserer Politiker», sagt er. Doch die SVP müsse einschreiten, wenn der Partei ein Schaden entstehe.

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