Aktualisiert 02.11.2011 16:10

Zürich

Gruppenvergewaltigung oder nur Orgie?

Drei Männer vom Balkan sollen eine Schweizer Journalistin gemeinsam vergewaltigt haben. Während das Bezirksgericht Zürich die Beschuldigten zu hohen Freiheitsstrafen bis zu sechs Jahren verurteilt hat, verlangen die Verteidiger nun volle Freisprüche.

von
Attila Szenogrady

Was war in der Nacht auf den 24. Mai 2007 in einer Wohnung im Zürcher Milieu wirklich passiert? Diese zentrale Frage beschäftigt seit Dienstag das Zürcher Obergericht. Von den Vorfälle gibt es zwei Versionen. Die erste Darstellung stammt von der Staatsanwaltschaft, die sich auf die Aussagen einer heute 46-jährigen Zürcher Journalistin stützt. Demnach wurde die Frau im Zürcher Milieu von drei in der Schweiz wohnhaften Männern vom Balkan eingeladen, in einer nahen Wohnung noch einige Linien Kokain zu schnupfen.

Laut Anklage eingesperrt und vergewaltigt

Die Staatsanwaltschaft schilderte, wie die drei Männer die Frau in der fraglichen Bleibe an der Hohlstrasse nicht nur einsperrten, sondern auch nacheinander gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr zwangen. Dabei wendeten sie Brachialgewalt an. Die Geschädigte soll sich aber auch gefügt haben, da sie keine Chance sah, ihren Peinigern zu entkommen.

Das Bezirksgericht Zürich folgte im Juni 2010 den Aussagen des Opfers und sprach die drei Angeklagten der gemeinsam begangenen Vergewaltigung sowie der Freiheitsberaubung schuldig.

Die drei mutmasslichen Täter im heutigen Alter zwischen 27 und 34 Jahren kassierten hohe Freiheitsstrafen von vier Jahren, fünf Jahren und drei Monaten sowie sechs Jahren.

Laut Verteidigung war es freiwilliger Sex

Die Verteidiger legten Berufung ein und forderten am Dienstag vor dem Zürcher Obergericht volle Freisprüche. Allerdings hinterliessen ihre Mandanten während der Befragung zur Sache nicht den besten Eindruck. Der Hauptbeschuldigte gab zum Beispiel an, dass er infolge mangelnder Erektion gar keinen Geschlechtsverkehr mit der Geschädigten ausgeübt habe. In der Untersuchung hatte er dagegen noch eingestanden, dass es zum einverständlichen und vollzogenen Sex gekommen sei. Die Angeklagten waren sich allerdings einig, dass die Frau Kokain konsumiert und danach freiwillig mitgemacht habe. Sie machten eine Sex-Orgie aus freien Stücken geltend. Einer der Männer führte aus, dass er es gemein finde, dass die Frau nachträglich Strafanzeige gegen sie erstattet habe. Vielleicht gehe es ihr nur ums Geld.

Die drei Verteidiger verlangten in der Folge umfassende Freisprüche und zerpflückten die Glaubwürdigkeit der Geschädigten.

Noch kein Urteil

Das Obergericht kam aus zeitlichen Gründen noch zu keinem Urteil. Der Entscheid soll aber demnächst eröffnet werden. Bei einem Schuldspruch droht den vorbestraften Angeklagten die Ausschaffung in den Balkan.

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